Wie schlecht steht es um den Xbox Game Pass wirklich? – Ein Kommentar

Xbox Kotaku
© Xbox

Gestern hat die weltbekannte Seite kotaku einen Artikel veröffentlicht, der eine sehr dunkle Prognose für das generell Geschäftsmodell des XBox Game Pass abzeichnet. Der Artikel sagt aus, dass der Game Pass seinem Preis nicht gerecht wird. Wenn man davon ausgeht, dass das Xbox-Angebot 15 Dollar pro Monat kostet und ein AAA-Spiel, welches neu auf den Markt kommt, rund 60 Dollar kostet, müsste laut kotaku alle vier Monate ein Vollpreisspiel über Game Pass gespielt werden, um die Kosten zu rechtfertigen. Die Seite beruft sich hierbei auf einen Tweet von Tony Polanco, seines Zeichens Autor bei tomsguide.com. Ein weiterer Reporter, dieses Mal aus der Washington Post, äußerte sich ähnlich und sagt, dass das einzige Spiel welches er gespielt hat Trek to Yomi ist, was 20 Dollar kostet. Und es geht noch weiter. Auch andere prominente Game Pass-Mitglieder beklagen, dass man für den Pass monatelang im Voraus bezahlen muss. Im Gegensatz zu Sonys PlayStation Plus-Modell, wo man laut Sony die First-Party-Spiele wohl nicht anbieten wird.

Ich für meinen Geschmack finde diese Punkte lächerlich und mir stellt sich die Frage, warum die Meinung dieser Journalisten derart hoch gewichtet ist? Natürlich muss man davon ausgehen, dass diese Meinung noch Millionen andere Menschen haben. Ich bin auch der Meinung, dass viele sicherlich nicht diesen Gegenwert herausbekommen, wie etwa Casual-Spieler. Doch selbst für diese ist das Angebot teilweise noch besser, als die Produkte wie herkömmlich zu konsumieren.

Aber ich will hier den Game Pass auf keinen Fall in Schutz nehmen und ich als Privatanleger, welcher seine größte Position in Microsoft hat, habe wohl das größte Interesse sämtliche Chancen und Risiken zu kennen. Ich glaube nicht, dass der Game Pass die Probleme besitzt, die kotaku oder die Journalisten ansprechen, sondern ich glaube, dass das Subscription-Angebot – wenn überhaupt – deutlich weitreichendere Probleme hat.

Die Probleme von Subscription-Modellen

Die aktuelle Marktlage ist katastrophal und wir befinden uns inmitten eines Crashes, welcher noch viel größere Ausmaße annehmen kann, wie wir sie uns vorstellen könnten. Die letzten 10 Jahre an der Börse waren blenden und die Kurse gingen kontinuierlich bergauf und nun gibt es eben einen gewaltigen Crash, welcher durch viele Faktoren wie den Krieg, Inflation und auch einer Corona-Korrektur ausgelöst wird. Vor allem Unternehmen aus der Unterhaltungsbranche wie Netflix, Disney und auch Gaming-Unternehmen haben extrem von der Isolation der Menschen profitiert. Während Konzerte, Restaurantbesuche, Kinos und Sportveranstaltungen wie auch Urlaube im Ausland ausgefallen sind, haben sich die Menschen anders beschäftigt. Videospiele waren hierbei die erste und logische Wahl. Dieser Fakt hat natürlich auch die Bewertungen von Unternehmen in astronomische Bereiche gebracht. Doch jetzt gibt es Lockerungen und die Menschen spielen weniger Computerspiele, schauen weniger Netflix und verbringen generell wieder weniger Zeit zu Hause. Netflix war das erste Unternehmen, was diese Korrektur erfahren musste.

Alleine an einem Tag musste das Unternehmen 25 Prozent Unternehmenswert einbüßen, weil es 100.000 Abonnenten verloren hat. Andere Unternehmen ziehen nach. Vor allem aber Gaming-Unternehmen sind von dem Crash und den Korrekturen betroffen. Ich denke, dass auch auf Microsoft eine solche Korrektur zukommen kann. Wenn man retroperspektivisch auf die beiden Corona-Jahre 2020 und 2021 zurückblickt, stellt man fest, dass vor allem in dieser Zeit der Game Pass so richtig ins Rollen gekommen ist. Ebenso hat auch Disney Plus meiner Meinung nach einen Raketenstart hingelegt. Auch das ist durch die Corona-Pandemie begünstigt worden. Wenn Microsoft bekannt geben sollte, dass der Game Pass nicht wie erwartet wächst oder sogar Abonnenten verliert oder überhaupt in ferner Zukunft nicht profitabel wird – ich bezweifle sehr stark, dass er das zum aktuellen Zeitpunkt ist – kann Microsoft dadurch stark im Kurs korrigieren. Die Xbox Studios machen immerhin 10 Prozent vom Umsatz aus. Microsoft ist zwar in der glücklichen Lage breit aufgestellt zu sein, aber ich denke dennoch, dass dem Gaming-Arm im Unternehmen hohe Erwartungen zugeschrieben werden.

Ich glaube, dass das Abo-Modell ein paar Probleme hat. Netflix und Disney beweisen das ausdrücklich. Beide Unternehmen bieten für gewöhnlich Ihre Bibliotheken von Filmen und Serien gegen eine monatliche Gebühr an und trotzdem sollen nun Alternativen angeboten werden, die den Usern Werbung gegen eben freie Inhalte zur Verfügung stellen. Auch Sony und Xbox planen wohl Werbung in Spielen, obwohl man dafür bereits bezahlt hat. Netflix muss ebenso Spiele anbieten, um die Lukrativität ihres Services zu erhöhen. Account Sharing ist bei Netflix ein großes Thema, aber auch dass User immer wieder ihr Abo beenden können, wenn man aktuell keine Zeit oder Lust auf den Dienst haben und im nächsten Monat wieder für ein Spiel zurückkehren können. Es ist theoretisch möglich, über den Game Pass große AAA-Produktionen für deutlich günstiger zu kaufen. Halo kommt raus? – Abo abschließen, Spiel durchspielen und Abo beenden. Ein neues Forza kommt raus? – Abo abschließen, Spiel durchspielen und Abo beenden. Ein neuer Fallout-Teil? – Abo abschließen, Spiel durchspielen und Abo beenden. Ein neuer Fallout-Teil? – Und das gleiche Spiel von vorne.

Einen weiteren Punkt – den kotaku aufgreift – und den ich durchaus nachvollziehen kann ist, dass man nie wirklich weiß, was man für sein Geld bekommt. Man bezahlt also 15 Euro pro Monat, weiß aber nicht, ob die Spiele, die angeboten werden, für einen persönlich auch diese 15 Euro wert sind. Aber auch das Argument kann man meiner Meinung nach leicht entkräften. Ständig den Dienst zu kündigen ist mit Aufwand verbunden, auch wenn es nicht nach viel Aufwand aussieht – für viele Menschen ist das bereits genug Aufwand. Es gibt schließlich Menschen, die über Jahre ihr Fitnessstudiovertrag nicht kündigen. Und selbst wenn man die Subscription immer wieder kündigen wollen würde und ausschließlich AAA-Titel spielt, macht das aus der Sicht eines Users ebenso wenig Sinn.

Fazit

Warum sollte ein User ein Angebot kündigen, wenn das Angebot so viele Möglichkeiten bietet? Der Game Pass bietet neben Indie-Spielen auch große Produktionen aus den verschiedensten Genres. Zudem kommt über die Zeit ein immer größeres Angebot hinzu, weil auch für die Drittanbieter der Game Pass ein enorm lukratives Angebot ist. Man hat nämlich beobachtet, dass durch den Game Pass – und Netflix und Spotify machen das nicht anders – vor allem neue Genres von den Usern entdeckt werden.

Bei Spotify hört man Musik und einem werden ähnliche Künstler vorgeschlagen, die man dann für sich entdeckt. Eine Win-Win-Win-Situation. Spotify bindet die Nutzer, die Künstler gewinnen einen neuen Hörer und der User entdeckt neue Musik. So läuft das auch mit dem Game Pass, nur dass eben der User neue Spiele entdeckt und die Publisher somit einen neuen Spieler. Aktuell sprechen die Zahlen eine klare Sprache: 25 Millionen zahlende User hat der Game Pass zum aktuellen Zeitpunkt und ich denke, dass man als Microsoft damit sehr zufrieden sein kann.

Generell kann man festhalten, dass der Game Pass sich aktuell meiner Meinung nach viel zu günstig verkauft für das Angebot, was er den Usern gibt. Man kann dem Game Pass durchaus vorwerfen, dass er zu wenig AAA-Titel bietet, aber selbst wenn das so ist, ist das ein Problem? Es gibt viele gute Indie-Games und ich kenne in meinem privaten Umfeld sehr viele, die sogar ausschließlich Indie-Games spielen. Und Microsoft ist gerade dabei auch das AAA-Angebot im Game Pass massiv auszubauen, wenn man sich alleine die Übernahmen von Bethesda und Activision Blizzard anschaut. Ich glaube, dass der Game Pass die Industrie aktuell maßgeblich verändert. Ich für meinen Teil bleibe weiterhin sehr zuversichtlich, was den Game Pass betrifft.

Über MuSc1 501 Artikel
Mein Name ist MuSc1 und ich bin der Gründer und Betreiber von gamerliebe :) Auf meinem Blog geht es vorrangig um das Thema Selbstständigkeit, Arbeiten und Geld verdienen in der Gaming-Branche. Dabei fokussiere ich mich vor allem auf die Gaming-Branche und Aktien von Videospiel-Unternehmen.

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*