Was passiert mit einem Gaming-Account, wenn dessen Besitzer verstirbt? Ein Gericht in China hat hierzu ein richtungsweisendes Urteil gefällt: Die Nutzungsrechte an Videospiel-Accounts können vererbt werden selbst wenn die Nutzungsbedingungen des Anbieters eine Übertragung ausschließen.
Im konkreten Fall ging es um einen Spieler mit dem Nachnamen Gu, der im vergangenen Jahr im Alter von 36 Jahren verstarb. Zwischen 2010 und 2021 hatte er insgesamt 87 Accounts für Spiele des chinesischen Entwicklers Changyou angelegt und über Jahre hinweg Zeit und Geld in diese investiert.
Nach seinem Tod wollte seine Mutter Chen die Accounts übernehmen und verkaufen, um mit dem Erlös ihren Lebensunterhalt zu finanzieren. Changyou lehnte die Übertragung zunächst ab und verwies auf seine Nutzungsbedingungen. Demnach verbleibt das Eigentum an Accountdaten, Spielfiguren, virtuellen Gegenständen und Ingame-Währungen beim Unternehmen.
Chen zog daraufhin vor Gericht – und bekam Recht. Das Volksgericht des Pekinger Bezirks Shijingshan stellte fest, dass die Accounts durch die Investition von Zeit und Geld einen eigenständigen wirtschaftlichen Wert besitzen.
Zwar verbleibt das Eigentum an den Accounts beim Unternehmen, das damit verbundene Nutzungsrecht kann jedoch vererbt werden. Changyou wurde deshalb verpflichtet, die Klarnamenregistrierung der 87 Accounts auf die Mutter zu übertragen.
Besonders interessant ist dabei die Einschätzung des zuständigen Richters: Die Nutzungsbedingungen einer Plattform können gesetzliche Erbrechte nicht außer Kraft setzen.
Das Urteil könnte damit auch für zukünftige Fälle rund um digitale Vermögenswerte in China eine wichtige Rolle spielen. Seit 2021 sind digitale Vermögenswerte dort gesetzlich geschützt. Gaming-Accounts, virtuelle Gegenstände und Ingame-Währungen können somit auch nach dem Tod eines Spielers einen rechtlich relevanten wirtschaftlichen Wert besitzen.
Quelle: sixthtone.com
