Gaming-Branche auf Korrekturkurs – Eine kleine Übersicht

Gaming-Branche korrektur
© gamerliebe

In diesem Artikel möchte ich eine kurze Übersicht bieten, um ein wenig die aktuelle Lage der Gaming-Branche aufzuzeigen. Während die gesamte Gaming-Branche seit der Corona-Pandemie kontinuierlich nur eine Richtung gekannt hat – nämlich nach oben – beginnen nun die großen Korrekturen den Kursen der Gaming-Unternehmen ein wenig zuzusetzen. Sicherlich kann man die Liste fortführen mit zig weiteren Unternehmen aufführen, aber ich möchte mich auf jene fokussieren, die aktuell wirklich Interessant sind. Vor allem Blizzard, Nintendo und Take-Two sind dermaßen günstig und ein Nachkauf bzw. ein Einstieg wert. Natürlich möchte ich wie immer erwähnen, dass ich kein Anlageberater bin und demnach hier keine Kaufempfehlung ausspreche! Ich sage lediglich meine persönliche Einschätzung, die nicht immer richtig ist. Wenn ihr noch keinerlei Erfahrungen mit Aktien habt, es lernen wollt oder euch das Thema interessiert, dann möchte ich euch sehr gerne meinen Aktien-Guide ans Herz legen. Hier erfahrt ihr, was ich beim Aktienkauf beachte!

 

Nintendo (JP3756600007)

Die Switch erreicht die unfassbare Größe von 89 Millionen verkauften Exemplaren. Trotzdem ist der Umsatz und der Gewinn im Vergleich zum Vorjahr gesunken. Der Umsatz sinkt um 10 Prozent, der Gewinn sogar um 13 Prozent. Diese Ergebnisse sind auf ein sehr starkes, erstes Quartal im Jahr 2020 zurückzuführen. Animal Crossing wurde released und verkauft sich bis dato über 10 Millionen Mal. Der stärkste Release in dem aktuellen Zeitraum ist Pokémon Snap, welches lediglich knapp über 2 Millionen Exemplare verkaufen kann. Die Switch verkauft sich weiterhin blendend. Zwar gingen die Verkäufe um rund 22 Prozent zurück, trotzdem kann das japanische Unternehmen noch immer 4,5 Millionen in dem gleichen Dreimonatszeitraum zu 2020 verkaufen. Das mobile Geschäft von Nintendo schwächelt bei Nintendo, dafür stiegen die Einnahmen mit Lizenzgeschäften.

Nintendo prognostiziert, dass sie bis März 2022 weitere 20 Millionen Hybrid-Konsolen ausgeliefert haben. Außerdem möchte das Unternehmen Aktien im großen Stil zurückkaufen. Bis zum 15. September möchte das Unternehmen 1,51 Prozent der gesamten Aktien zurückkaufen. Auf eine Sicht von sechs Monate ist das Unternehmen um satte 19 Prozent eingestürzt.

 

Electronic Arts (US2855121099)

Auch EA hat zu kämpfen, obwohl das Geschäftsjahr – laut dem CEO Andres Wilson – sehr stark gestartet ist. Trotzdem zeigt er sich sehr optimistisch, was das weitere Jahr angeht. Ein neues Battlefield erscheint, Live-Dienste wie auch mobile Titel werden auf die Spielerinnen und Spieler zu kommen. Die neue Apex Season stellt mit 13 Millionen wöchentlichen Spielern einen neuen Rekord auf und in China ist FIFA Online sehr beliebt und stellt Spitzenwerte bei den aktiven Spielern auf.

Die neunte Saison von Apex Legends stellte einen neuen Rekord für die meisten täglichen Spieler auf, und das Spiel verzeichnete im Quartal durchschnittlich mehr als 13 Millionen wöchentliche Spieler. In China stellte FIFA Online 4 monatliche, wöchentliche und tägliche Spitzenwerte bei den aktiven Spielern auf. Im letzten Quartal stiegen die Nettoeinnahmen um 6 Prozent, während die Buchungen um 4 Prozent zurückgingen. Der Nettogewinn sinkt um 44 Prozent, auf 204 Millionen Dollar. Der CEO bestätigt aber, dass EA noch nie so gut am Markt dasteht wie heute. Aus diesem Grund hebt das Unternehmen wohl auch die Prognosen an. Das Unternehmen erwartet einen Nettoumsatz von rund 7 Milliarden. Für die Nettobuchungen erwartet das Unternehmen 7,4 Milliarden. Die Nettoeinnahmen sollen um 54 Prozent steigen. Die Nettobuchungen sogar um 90 Prozent. Aber das entscheidende – der Nettogewinn – soll um 43 Prozent sinken.

Für das laufende Quartal rechnet EA mit einem Anstieg der Nettoeinnahmen um 54 % auf 1,78 Milliarden US-Dollar und einem Anstieg der Nettobuchungen um 90 % auf 1,73 Milliarden US-Dollar. Der Nettogewinn wird voraussichtlich um 43 % auf 105 Millionen Dollar sinken. Auf eine Sicht von einem Jahr ist die Aktie von Electronic Arts um 5 Prozent gesunken. Auch das ist ein durchaus guter Einstiegspunkt, wenn man langfristig von EA überzeugt ist.

 

Sony (JP3435000009)

Der japanische Multimedia-Konzern und Schöpfer der PlayStation hat ebenso zu kämpfen. Auch wenn der Umsatz im ersten Quartal gestiegen ist, so sinkt das Betriebsergebnis um satte 40 Prozent. Die Playstation verkauft sich laut Sony aber weiterhin gut, allerdings muss das Unternehmen in anderen wichtigen Bereichen massive Rückgänge verzeichnen. Auch Sony muss sich mit dem Zeitraum messen, in welchem die Corona-Pandemie ihren Peak erreichte. Weniger verkaufte PS 4 Einheiten, weniger verkaufte Spiele, weniger aktive Nutzer. Die Einnahmen aus den Netzwerkdiensten steigen um 10 Prozent. Auch die PlayStation-Plus-Abonnenten schwächeln in meinen Augen. Im Jahresvergleich stiegen sie von 45 Millionen auf rund 46 Millionen zwar, aber verglichen mit dem vierteln Quartal jedoch, entspricht das einem Rückgang gegenüber den 47,6 Millionen.

Der große Corona-Hype ist also auch bei Sony zu Ende. Das wird deutlich, wenn man den großen Absatz von vier Millionen Last of Us 2-Einheiten mit den rund einer Million Ratchet & Clank: Rift Apart und Returnal-Einheiten vergleicht. Ich denke, dass die Corona-Phase ein wesentlicher Verkaufsschub für Last of Us war, auch wenn das Spiel ohne Frage eines der meiner Meinung nach besten der letzten Jahre darstellt. Der Konzern rechnet aber mit einem etwas besseren Betriebsergebnis. Die Gaming-Sparte ist die erfolgreichste im Unternehmen. Die Sicht auf sechs Monate zeigt ein Minus von rund 8 Prozent.

 

Square Enix (JP3164630000)

Ein weiterer Player aus Japan hat ebenso zu kämpfen und spürt die Nachwirkungen ebenso. Zwar verzeichnet das Unternehmen ein Wachstum, jedoch sinken die Umsätze im Videospiel-Segment. Der Nettoumsatz stieg um rund 2 Prozent, was vor allem auf die steigenden Abonnements und Verkäufe von Dragon Quest Tactics und Final Fantasy 14 zurückzuführen sind. Trotzdem macht das Unternehmen 6 Prozent weniger Umsatz mit ihrer Unterhaltungssparte. Das Unternehmen aus Japan hält aber an seinen positiven Prognosen fest. Es wird ein Nettoumsatz von 2 Prozent erwartet. Auf Sicht von einem Jahr ist der Kurs von Square Enix um 8 Prozent eingestürzt. Auf die Sicht von einem Monat sogar um 11 Prozent.

 

Take-Two Interactive (US8740541094)

Die Umsätze im 2. Quartal sind auch bei Take-Two um ein Drittel eingebrochen. Laut dem Unternehmen hat sich der normale Konsum von Videospielen wieder eingependelt, trotzdem ist noch immer ein höherer Konsum an Videospielen zu erkennen. Das Flagschiff ist nach  wie vor GTA 5, welches sich 5 Millionen Mal verkauft hat. Kaum ein Spiel wie GTA V hat von Corona dermaßen profitiert. Die Spielerzahlen kletterten im Vergleich zu 2020 um satte 70 Prozent. Take-Two plant in den kommenden drei Jahren 19 neue Spiele auf den Markt zu bringen, darunter sieben Sportspiele. Das Unternehmen aus den USA verliert auf Jahressicht 8 Prozent, betrachtet man den letzten Monat sind es sogar 25 Prozent.

 

Activision Blizzard (US00507V1098)

Das größte Sorgenkind in der gesamten Szene. Doch wie sieht das Zahlenwerk von dem Unternehmen aus, welches gerade vom wohl größten Shitstorm der gesamten Gaming-Industrie erlebt. Activision Blizzard liefert bessere Zahlen, als von den Analysten erwartet wurde. Natürlich kann Activision Blizzard nicht mit dem Vorjahr mithalten, die Erlöse vom zweiten Quartal können trotzdem 19 Prozent zulegen. Die Umsätze von Take-Two beispielsweise gingen um zwei Prozent zurück. Die aktiven monatlichen Spieler von Call of Duty können an das Vorjahresniveau anknüpfen und so stiegen die Spielerzahlen von Activision-Titeln von 124 auf 127 Millionen. Auch World of WarCraft kann durch den Release von Burning Crusade Classic die Nettobuchungen im doppelstelligen Prozensatz anheben. Das Unternehmen hebt derweil die Prognosen an. Erwartet wird ein gesamter Umsatz von 8,5 Milliarden, statt 8,3 Milliarden. Der Aktienkurs ist trotzdem sehr stark eingebrochen. Die Performance der letzten 6 Monate liegt bei minus 16,6 Prozent. Auf das Jahr gerechnet ist das Unternehmen um 4 Prozent gesunken. Was man auf jeden Fall aber bei Blizzard und Activision berücksichtigen sollte: Die Spielerbasis von Activision Titeln floriert zwar, aber Blizzard steht aktuell gar nicht gut da.

 

Tencent (KYG875721634)

Über den chinesischen Tech-Giganten habe ich ja bereits vor kurzer Zeit einen separaten Beitrag geschrieben. Und auch Tencent ist aktuell sehr günstig, weil sie massiv an Wert einbüßen mussten. Auf einer Sicht von einem Jahr, hat das Unternehmen rund 5 Prozent verloren, in einem Zeitraum von sechs Monaten 35 Prozent. Tencent ist nicht gefallen, weil ihre Geschäfte schwächeln, sondern weil sie Druck von der eigenen Regierung bekommen. Ob und wie sie sich davon loslösen, kann niemand vorhersehen. Fakt ist aber, dass Tencent vor allem im Gaming Markt seit Jahren massiv einkauft und demnach auch saftige Gewinne einfahren kann. Das Geschäftsmodell von Tencent und die Erwartungen sind also keineswegs schlecht. Eher sollte man – wenn man sich zum Kauf von Tencent-Aktien entscheiden sollte – das Risiko aller China-Aktien vor Augen halten. Das alles habe ich bereits in meinem Beitrag über Tencent erwähnt.

 

VanEck Video Gaming ETF (IE00BYWQWR46)

Wer kein großer Freund von Einzelaktien ist und lieber eine sicherere Variante bevorzugt, ist vielleicht mit dem Esport und Gaming ETF von VanEck besser bedient. Auch über diesen ETF habe ich bereits einen Beitrag geschrieben und ein guter Indikator, wie stark oder schwach eine Branche aktuell ist, ist eben die Performance von einem ETF, der diese Branche abbildet. Der Fond hat in einer Sicht von einem Monat rund 3,5 Prozent verloren. Auch er investiert zum größten Teil in Unternehmen wie Activision Blizzard, Nintendo, Tencent und EA.

 

Quelle: gamesindustry.biz

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