Unity ändert Geschäftsmodell – Aktie jetzt Kaufenswert?

Unity Geschäftsmodell
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Unity macht aktuell Schlagzeilen und verärgert damit vor allem jene Entwickler, die Unity als Engine für ihre eigenen Spiele benutzen. Denn das Unternehmen möchte sein Geschäftsmodell umstellen und erhofft sich damit mehr Einnahmen und entsprechend größere Wachstumschancen. Im Wesentlichen will Unity eine einmalige Gebühr für das Installieren der Unity Engine einführen, wobei Demos und Charity-Projekte davon weitestgehend ausgeschlossen sind.

Ab Januar 2024 wird das Unternehmen jedem Entwickler, welcher Unity Personal oder Plus nutzt, für jede Installation eines Games bis zu 0,20 US-Dollar in Rechnung stellen. Dies gilt aber nur für Spiele mit 200.000 US-Dollar Umsatz oder Spiele, die 200.000 Mal installiert wurden. Dabei ist zu beachten, dass dies pro Gerät gilt. Ein Spiel, welches also auf Steam Deck heruntergeladen wird und dann später auch auf dem PC, belastet den Entwickler also doppelt.

Unity Pro und Enterprise-Kunden werden mit niedrigeren Gebühren belastet. Hier fallen lediglich 0,01 Dollar pro Installation und erst wenn die Schwellenwerte von 1 Million Dollar Umsatz pro Jahr und einer Million Installation überschritten werden.

Bei Entwicklern, welche für den Game Pass oder andere Abodienste entwickeln, werden die Kosten dem Vertreiber wie beispielsweise Microsoft in Rechnung gestellt. Whitten behauptet zudem, dass wahrscheinlich nur 10 Prozent der Unity-Entwickler Installationsgebühren bezahlen müssen, da nur die wenigsten über die genannten Schwellenwerte kommen.

In einem Gespräch mit Axios versicherte Marc Whitten, Senior Vice President für die Create Services von Unity, dass nur die Erstinstallation kostenpflichtig sei. Whitten fügte hinzu, dass für die Installation von Spieledemos keine Gebühren erhoben werden, es sei denn, die Demo ist Teil eines Downloads, der auch das vollständige Spiel enthält (zum Beispiel ein Early-Access-Titel).

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„Unser Hauptanliegen dabei ist einfach, sicherzustellen, dass wir den richtigen Wertaustausch haben, damit wir weiterhin in unsere grundlegende Mission investieren können, um sicherzustellen, dass wir die besten Tools für Leute liefern können, die großartige Spiele machen“, sagte er gegenüber Axios. „Es macht keinen Spaß, an einem bestimmten Tag einen Haufen wütender Rückmeldungen zu bekommen. Und ich denke, dass wir einige dieser Punkte klären müssen. Aber wir hören zu und wir werden weiterhin dafür sorgen, dass wir das Beste liefern, was wir können.“

Er fügte hinzu: „Unity sollte Entwicklern oder ihren Partnern (einschließlich Verlegern oder Vertreibern) keine Gebühren für Dinge in Rechnung stellen, die keine Einnahmen bringen und/oder außerhalb ihrer Kontrolle liegen. Installationen können nicht kontrolliert oder begrenzt werden, und das bedeutet, dass die Lizenzierung einer Kopie, Verkauf oder nicht, ein ständiges finanzielles Risiko darstellt.

„Es kommt auf das Vertrauen an. Ich glaube nicht, dass viele Entwickler dadurch in den Ruin getrieben werden, aber jedes System, das es Entwicklern ermöglicht, durch ihren Erfolg in irgendeiner Weise finanziell geschädigt zu werden, sollte von keinem Unternehmen toleriert werden, das eine nachhaltige Zukunft aufbauen will“. Das Video von GamingClerks fasst die Situation in meinen Augen sehr gut zusammen!

Die Kritik aus der Community und von den Entwicklern – welche Unity für ihre Spiele nutzen – ist vielseitig. Ein großer Kritikpunkt welcher im Raum steht ist, dass ein Spiel welches installiert und gelöscht wird möglicherweise doppelte Gebühren zur Folge hat. Auch Sabotage stellt ein potenzielles Problem dar. Spieler können aus Rache an Studios Spiele dauerhaft löschen und neu installieren, um so dem Studio zu schaden.

Auch werden ganze Geschäftsmodelle durch die neue Preispolitik von Unity vernichtet. Zum Beispiel Freemium oder komplette Free-to-Play-Modelle werden ab 200.000 Downloads mit Gebühren versehen, obwohl Einnahmen auf der anderen Seite nicht garantiert sind.

Schon jetzt reagieren Entwickler in den sozialen Medien mit Wut auf diese Ankündigung und drohen damit Unity aufzugeben, um zu anderen Engines zu wechseln. Dabei sind auch große Namen wie das Among Us-Studio Innersloth dabei, sich mit den Entwicklern zu solidarisieren. Innersloth bedauerte den Schritt und erklärte, dass es neue Inhalte und Funktionen für das beliebte Multiplayer-Spiel verschieben müsse, um es auf eine alternative Engine zu portieren: „Viele Entwickler werden weder die Zeit noch die Mittel haben, das Gleiche zu tun.“

Over The Moon Games, der Solo-Entwickler hinter The Fall, bemerkte, dass sein Deal – sein Spiel kostenlos im Epic Games Store zu veröffentlichen – zu sieben Millionen Installationen geführt hat. Mit den Gebühren von Unity würde das Studio „ihnen das Dreifache dessen schulden, was Epic mir gezahlt hat.“

Are Sundnes, CEO von Snufkin: Melody of Moominvalley-Entwickler Hyper Games, sagte, dass sein Studio bereits über 100.000 Dollar für die Lizenzen und andere Dienstleistungen von Unity bezahlt habe und damit in seine Fähigkeit investiere, in Zukunft weitere Spiele zu entwickeln. „Es fühlt sich wie ein echter Dolchstoß für diejenigen von uns an, die seit über einem Jahrzehnt an Unity festhalten, und es wird uns ernsthaft dazu bringen, die Verwendung von Unity für unsere zukünftigen Spiele zu überdenken“, schrieb er.

Rami Ismail – ein prominenter Indie-Entwickler – stellt infrage, wie Unity bemessen kann, welche Spiele von den Installationsgebühren ausgenommen sind und deutete an, dass Unity-Entwickler immer noch vorsichtig sein werden, wenn es darum geht, ihre Spiele in Abonnementdienste einzubinden. „Unity sollte nicht in der Lage sein, die Bedingungen für Produkte oder Verkäufe, die man bereits getätigt hat, rückwirkend zu ändern“, schrieb er in einem Thread und betonte in einer anderen Antwort, dass die Gebühr zwar erst 2024 in Kraft tritt, aber dennoch Spiele betreffen würde, die in den letzten Jahren veröffentlicht wurden.

Ein Blick auf die Unity Aktie

Die Aktie von Unity ist mir in der Vergangenheit schon öfters aufgefallen, habe sie jedoch immer für sehr teuer und riskant empfunden. Vor allem in der Corona-Zeit und mit dem Uprise der Videospiel-Branche, hat Unity eine wahre Sternstunde gehabt. Fast jedes erfolgreiche Spiel im Indie-Bereich läuft mit Unity. Sei es Among Us, Cult of Lamb, Hollow Knight, Hades, Undertale, Celeste – die Liste ist lang.

Dass hier ein wirklich konkurrenzfähiges Geschäftsmodell vorliegt und die Engine benutzt wird steht außer Frage, doch wie sieht es zahlen technisch in der Bilanz vom Unternehmen aus? Dabei möchte ich vorweg einen kleinen Disclaimer einwerfen. Es handelt sich hierbei um keine Kauf- und Verkaufsempfehlung und auch keine Anlageberatung! Die Zahlen, die ich hier aufschnappe, stammen zum größten Teil von Yahoo Finance, andere Quellen geben möglicherweise andere Daten her.

Leider muss ich sagen, dass es sich hierbei in meinen Augen um kein wirklich gutes Unternehmen handelt. Zunächst muss man berücksichtigen, dass Unity ein Wachstumsunternehmen ist und demnach auf keinen Fall als sicherer Hafen wie Microsoft, Apple, Nike, McDonalds oder ähnliches bezeichnet werden darf. Das Unternehmen ist nicht einmal profitabel, weshalb es sich hierbei um ein wirkliches Risiko handelt, wenn man in Erwägung ziehen sollte zu investieren.

Dass ein Wachstumsunternehmen kein Gewinn abwirft, ist nichts Schlechtes, aber damit es für mich ein Investment ist, müssen andere Parameter stimmen, die bei Unity eben nicht stimmen. Die erste negative Sache, die auffällig ist: Unity gibt über die Jahre immer mehr Aktien raus. Das heißt, dass Unity nicht in der Lage ist selbstständig zu wachsen, sondern ist immer wieder auf fremdes Kapital angewiesen.

Für ein Wachstumsunternehmen eher weniger wichtig – zumindest laut meinen Bewertungskriterien – wenn da nicht noch die anderen negativen Aspekte im Unternehmen wären. Unity hat sehr viele Schulden und macht darüber hinaus keinen Gewinn. Die Verschuldung liegt bei 50 Prozent. 8 Milliarden hat Unity an Vermögenswerten, darunter sind 4 Milliarden Schulden.

Stellt euch vor, ihr habt 8 Milliarden auf dem Konto, aber 4 Milliarden Schulden. Die Zinsen auf die Schulden würden euch – einfach aus dem Nichts – enorm viel Geld rauben. Ziemlich teuer also, vor allem weil Unity kein Gewinn macht.

In Anbetracht der schlechten Wirtschaftslage und steigenden Zinsen ein schlechtes Omen, da ohne Gewinn sehr schnell massive Zinskosten drohen, ein Unternehmen förmlich mit Kosten zu ersticken, bis das Unternehmen diese nicht mehr bezahlen kann. Die neue Preispolitik kommt nicht von irgendwo her. Ich denke, dass Unity langsam einsieht, dass ihnen die Zeit wegläuft. Sie sind an einem Punkt, an dem sie langsam profitabel sein müssen, da ihr Geschäftsmodell auf lange Sicht nicht mehr funktionieren wird und sie demnach möglicherweise eine Pleite befürchten.

Auch wollen sie ihre Kassen füllen, um den steigenden Zinsen entgegenzuwirken. Doch auch die Marge und der operative Gewinn von Unity sinkt, weshalb auch das ein Zeichen für potenzielle finanzielle Probleme seitens Unity sein kann. Ich halte Unity in anbetracht der Zahlen die es bietet für zu riskant, weshalb ein Investment für mich nicht interessant ist.

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Mein Name ist Lukas Mehling, aber online kennt man mich wohl eher als MuSc1. Ich bin der Gründer und Betreiber von gamerliebe.de. Auf meinem Blog geht es vorrangig um das Thema Selbstständigkeit, Arbeiten und Geld verdienen in der Gaming-Branche. Dabei fokussiere ich mich vor allem auf die Gaming-Branche und Aktien von Videospiel-Unternehmen.

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