Shurjoka: „Ich arbeite oft weit mehr als 45 Stunden die Woche“

Shurjoka Stream
© twitter.com/Shurjoka

Ich habe die Ehre gehabt eine der bekanntesten Streamerinnen aus dem deutschsprachigen Raum ein paar Fragen zu stellen, die sie mir mehr als ausführlich beantwortet hat. Pia Scholz aka. Shurjoka hat sich bereit erklärt, mit mir über das Streaming als Beruf zu reden und was sie ambitionierten Content Creatorn auf den Weg geben möchte. Natürlich geht es hierbei nicht ausschließlich um die Streamerin Shurjoka, sondern ebenso über die Person Pia – die sich hinter diesem Nickname und der Facette, die euch Tag für Tag unterhält – verbirgt. Denn der Weg der Österreicherin war alles andere als eben. Ein – wie sie selbst sagt – verkorkstes Elternhaus, Mobbing in der Schule, Magersucht, verschiedenste Komplexe und sogar Depressionen waren in ihrem Leben ein prägender Begleiter.

Vielleicht war ausgerechnet Twitch deshalb die optimale Plattform, um sich selbst eine Stimme zu geben und Menschen nicht nur unterhalten, sondern ebenso helfen zu können.„Als Streamer hat man einen Vorteil, man kann von sich genau das zeigen, was man zeigen will. Man kann sich also quasi perfekt machen und einfach alles Negative aus dem Internet raushalten, was einen privat beschäftigt. Bei den Zuschauern entsteht dann oft ein zensiertes Bild. Das wollte ich vermeiden“. Der Name Shurjoka bedeutet so viel wie Jägerin auf Japanisch, was zunächst ein bisschen paradox und gegensätzlich zu ihrem sonst ruhigen und gelassenen Auftreten erscheint.

Trotzt ihrer enormen Reichweite ist sie sich niemals zu schade auch kleinere Streamerinnen und Streamer zu unterstützen und macht auch niemals davor halt, ihre Meinung zu politischen Themen oder kontroversen Themen zurückzuhalten. Joka, wie sie oftmals ebenso genannt wird, beginnt im Jahr 2014 mit dem Streaming und wie es bei fast jedem Content Creator so ist, war auch damals der Spaß an dieser Sache der Grund, warum sie schließlich angefangen hat. „Damals habe ich nicht gewusst, dass man mit dieser Plattform Geld verdienen oder sogar davon leben kann. Ich habe es bei anderen Streamern gesehen, fand es cool und wollte es ausprobieren“.

Mittlerweile liegt ihr Fokus längst nicht mehr bloß auf Twitch, sondern auch das Casten und Moderieren von sämtlichen Events gehören bei ihr zum Tagesgeschäft. Trotz des ganzen Stresses, entschied sich die Österreicherin – die mittlerweile in Berlin lebt – dazu, ein Studium zu beginnen. Ihr Werdegang mit Videospielen begann wie bei vielen von uns auch mit dem Gameboy Advanced und Super Mario. „Mein erstes PC-Spiel war Stronghold Crusader, das durfte ich manchmal für eine Stunde am PC von meiner Mutter spielen“, weiter erklärt sie, dass sie mit 11 Jahren das erste Mal in die Online-Welt abgetaucht ist: Mit dem Spiel Runescape, welches sie damals entdeckte. „Ich habe oftmals ganze Nächte heimlich im Bett unter der Bettdecke am Laptop gespielt. Ich bin unendlich glücklich, dass ich mittlerweile genau das, was mich damals in seinen Bann gezogen hat, zu meinem Beruf zählen kann“.

Es ist in meinen Augen sehr wichtig – und da stimmen mir bestimmt 99,9 Prozent von euch zu – dass man als Streamerin bzw. Streamer immer ein gewisses Alleinstellungsmerkmal besitzt, ein Grund warum Leute Zeit mit dir verbringen wollen und nicht mit jemand anderem und weshalb die Leute dich unterstützen. Deshalb bin ich natürlich auch bei Shurjoka neugierig geworden und habe sie deshalb gefragt, was sie laut ihrer eigenen Meinung nach besonders auszeichnet. „Ich würde sagen, dass ich nicht das typische Mädchen bin, was man sonst so auf Twitch antrifft. Ich sehe anders aus, bin gepierct, tätowiert, habe einen Sidecut, knallige Haarfarben und bin nicht unbedingt süß oder niedlich, wie viele andere Streamerinnen. Außerdem bin ich sehr direkt und sage unzensiert, was ich denke“. Was zudem auffällt und was sie ebenso stark in ihrem Stream hervorhebt, ist der angesprochene Aspekt des Austauschs. User können bei ihr direkt – sowohl persönlich als auch anonym – ihre Meinung zu diversen Themen kundtun, über die dann gemeinsam sachlich und gemäßigt diskutiert wird. Dabei ist öfters auch Politik ein großes Thema.

Sie selbst hat angefangen über ihre Vergangenheit zu reden und immer wieder kommen Menschen mit ähnlichen Problemen im Chat zum Vorschein, die Hilfe und Ratschläge suchen. „Ich bin ein Mensch aus Fleisch und Blut, nicht perfekt und sicherlich auch voller Fehler. Ich bin ich und deshalb denke ich, dass das die Leute schätzen“.

Ich denke, dass vor allem dieser Dialog ein Aspekt ihres Erfolges darstellt. Ein sehr großer Teil ihres Contents stellt die ewige Debatte rund um Feminismus, Sexismus und da Dasein als Frau auf Social Media dar. Mich hat es interessiert, inwieweit es ein Vorteil bzw. ein Nachteil ist, wenn man sich als Frau in den sozialen Medien präsentiert. „Ich finde nicht, dass eine Frau zu sein im Internet irgendeinen Bonus bringt. Vielleicht belächelt man mich für diese Aussage, aber wer sich mit dem Internet auseinandersetzt stellt fest, dass wir hier nicht mal ansatzweise im 21. Jahrhundert angekommen sind“. Regelmäßig sei sie Anfeindungen ausgeliefert, erzählt sie. „Frauen werden im Internet viel schneller, viel schlimmer beschimpft. Ich kann nicht zählen wie oft wildfremde Menschen verbal auf mich losgegangen sind, einfach so, das steht zu keinem Verhältnis mit meinen männlichen Kollegen und ich bin da bei Gott keine Ausnahme“.

Und trotzdem sieht sie zumindest einen kleinen berechtigten Einwand und weiß sehr gut, was genau dieser „Frauenbonus“ ist und wie er sich auszeichnet. Sie erklärt, dass man als Frau vielleicht schneller die ersten 20, 50 oder 100 Viewer erreicht, trotzdem ist man dadurch nicht unterhaltsamer und die Leute schalten nur kurz ein, drücken vielleicht den Follow-Button, suchen sich dann aber die nächste hübsche Streamerin, die aktuell interessanter ist und neuer ist. „Wenn man diese 20 Zuschauer also als Bonus sehen möchte, dann kann man das so gerne sehen, aber die Menschen die das glauben, die haben noch nie die andere Seite erlebt“.

Als die Vergangenheits-Shurjoka mit dem Streamen angefangen hat, gab es schlichtweg wenig Streamer im deutschsprachigen Raum, vor allem Frauen waren noch deutlich unterrepräsentiert. Aufgrund ihrer direkten Art, ihrem untypischen Aussehen und ihrer frechen und provozierenden Art ist sie aus der Masse hervorgestochen und musste sich zwischen vielen negativen Kommentaren durchsetzen. Sie hat Menschen dazu gebracht, dass über sie gesprochen wird, musste aber eben auch viel Negativität erleben. Sie selbst erzählt mir, dass sie diese Attitüde nicht weiterempfehlen würde.

Shurjoka Setup
© twitter.com/shurjoka

Genug aber von der Person Pia, widmen wir uns nun dem Thema, was euch wirklich weiterhilft! Mein Blog zeichnet sich dadurch aus, dass wenn ich über Personen schreibe und ich mich mit ihnen im Vorfeld austausche, immer ein Mehrwert für euch dabei herausspringt. Deshalb wollte ich von Shurjoka auch wissen, wie man auf Twitch erfolgreich wird und welche Tipps und Tricks sie für euch parat hat. Neben „viel Geduld, Ehrgeiz, Zeit, Nerven und etwas Glück“, benötigt man laut der Streamerin vor allem Leidenschaft. „Die Zuschauer merken, ob man mit Liebe bei der Sache ist oder nicht. Ich spiele sehr viel privat und es macht unendlich viel Spaß, meine Erfahrungen mit anderen Menschen zu teilen“, erzählt sie.

Wer glaubt, dass man mit Twitch schnell und einfach Geld verdienen kann, irrt. Wie sie klarstellt, vergehen Jahre, bis man pro Monat einen gewissen Betrag verdient. „Damit du aber erst einmal in den Bereich kommst, musst du unendlich viel unbezahlte Zeit investieren, mit dem Risiko, dass es nie etwas wird. Wenn du zu Streamen anfängst, dann mach es aus Freude und Leidenschaft heraus“. Weiter erklärt sie: „Man braucht ein wirklich dickes Fell um all das nicht persönlich an sich ran zulassen, das Geld, welches man vielleicht irgendwann verdient, ist es oftmals gar nicht wert. Fakt ist, dass du während du Follower generierst, auch Hater sammelst. Du sammelst Hassbotschaften, Drohungen, Hetze und Menschen, die es sich zum Ziel machen, deinen Erfolg und deine Freude zu zerschlagen“.

Aber Twitch-Streaming bedeutet nicht einfach, dass man zu Hause sitzt, zockt und sich dabei filmt. Viele Menschen besitzen weder das Mindset selbstständig zu sein, noch die Arbeit, die darüber hinaus anfällt. „Selbstständig heißt auch selbst und ständig arbeiten. Ich arbeite oft weit mehr als 45 Stunden die Woche, denn wenn ich nicht online bin, habe ich Nachrichten zu beantworten, Sponsorengespräche zu führen oder mich auf Events vorzubereiten bzw. das zu organisieren. Ich muss bei den Spielen auf dem neusten Stand bleiben und mir Specials für meine Viewer und Unterstützer überlegen, mit meinen Partnern in Kontakt bleiben und meine Grafiken auf dem neusten Stand halten“.

Dazu gehören eben auch ernsthafte Ängste und psychischer Druck, den sich ausnahmslos jeder Selbständige permanent stellen muss. „Ich habe immer noch vor jedem neuen Monat Angst, beziehungsweise bin ich nervös, ob ich meine Ausgaben dieses Mal reinbekomme. Man muss bedenken, dass ich zu 100 % abhängig davon bin, dass die Leute meinen Stream weiterschauen und mich unterstützen wollen. Ich frage mich oft, wie ich wohl damit umgehe, wenn das einmal vorbei ist, denn in dieser Branche kann ich praktisch über Nacht arbeitslos werden. Einfach so“.

Abschließend kann man sagen, dass Shurjoka in ihrer langen Karriere sehr viel Hürden gemeistert hat und heute nicht umsonst so bekannt und erfolgreich ist, wie sie eben ist. Egal ob Zusammenarbeiten mit den Rocketbeans, mit HandofBlood oder eine Nominierung beim deutschen Computerspielpreis – Das gesamte Twitch-Universum weiß mittlerweile, wer Shurjoka ist.

Ihr Content ist sehr vielseitig und zeichnet sich durch viel Abwechslung aus. Das Moderieren von Events, das Casten, das gemeinsame Zocken mit Content Creatoren auf besonderen Anlässen, E-Sport wie auch Casual-Gaming schmücken ihren Stream regelmäßig. Besonders genießt sie es aber, dass man nun auch als weibliche Gamerin keine Vorurteile mehr in den Schulen ertragen muss und es mittlerweile gesellschaftlich anerkannt ist, wenn man eben leidenschaftlich Videospiele spielt. Bis dato konnte Shurjoka rund 225.000 Follower auf Twitch, über 57.000 Follower auf Twitter, über 57.000 Abos auf YouTube und über 76.000 Follower auf Instagram für sich gewinnen.

Shurjoka Instagram
© twitter.com/AnnaKrekova / Shurjoka

 

Folgt Shurjoka:

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Über MuSc1 501 Artikel
Mein Name ist MuSc1 und ich bin der Gründer und Betreiber von gamerliebe :) Auf meinem Blog geht es vorrangig um das Thema Selbstständigkeit, Arbeiten und Geld verdienen in der Gaming-Branche. Dabei fokussiere ich mich vor allem auf die Gaming-Branche und Aktien von Videospiel-Unternehmen.

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