Dass Nintendo zum Jubiläum von Pokémon im Jahr 2026 – wenn auch für 20 Euro – die beiden Remakes der ersten Generation für die Switch bringt, veranlasst mich dazu, einen weiteren Artikel meiner „Revisited“-Reihe zu schreiben und mir dieses Mal die Remakes der ersten Generation, Pokémon Feuerrot und Pokémon Blattgrün, unter die Lupe zu nehmen.
Diese beiden Spiele erschienen in Deutschland pünktlich an meinem Geburtstag, am 1. Oktober 2004, und damit mehr als ein Jahr nach Rubin und Saphir und ein Jahr vor Pokémon Smaragd. Damit hat Game Freak geschickt eingefädelt, dass man in den Remakes der ersten Generation Pokémon bis zur dritten Generation verwenden kann.
Grafikstil und Atmosphäre
Da die genialen Designs der Taschenmonster bereits in meinem ersten Artikel zur ersten Pokémon-Generation beleuchtet wurden, kann ich in diesem Absatz nur die hervorragende, aufbereitete Grafik von Blattgrün und Feuerrot hervorheben. Und dieser Punkt – neben der erhöhten Levelkurve – ist für mich der Grund, warum die Remakes Feuerrot und Blattgrün im Vergleich zu den Originalen heute deutlich besser spielbar und deutlich besser gealtert sind.
Generell wurde die Grafik der Spiele an die Editionen Pokémon Rubin und Saphir angepasst, wenn auch der Grafikstil nicht 1:1 der gleiche ist. Denn Feuerrot und Blattgrün haben ihren eigenen Grafikstil, was Gebäude, Charaktersprites und Pokémon-Designs angeht, während die dritte Generation ebenso ihren eigenen Grafikstil hat. Dabei möchte ich nicht sagen, dass mir der eine oder der andere besser gefällt: Beide sind auf ihre eigene Weise schön.
Mein Lieblingsdetail ist und bleibt aber das kleine Artwork des Ortes am oberen Rand des Bildschirms, wenn man zum Beispiel eine Stadt, eine Höhle oder einen Wald betritt.

Alle Neuerungen, die die eigentlichen Spiele der dritten Generation, Pokémon Rubin und Saphir, mit sich brachten, sind auch in Pokémon Feuerrot und Pokémon Blattgrün enthalten. So besitzen alle Pokémon nun Fähigkeiten und Wesen sowie Geschlechter.
Die angesprochene Bebilderung beim Betreten von bestimmten Orten, samt der überarbeiteten Musik und sicherlich auch die Nostalgie der ersten Generation als solcher, sorgen dafür, dass Pokémon Blattgrün und Feuerrot in puncto Atmosphäre unglaublich schöne Momente erzeugen.
Wie genial beispielsweise die Musik vom Indigo Plateau ist oder die Battle Music gegen Champion Blau, nur um mal meine zwei Favoriten unter allen zu nennen.
Komfortfunktionen & Quality of Life
Neben der grafischen Überarbeitung und dem Balancing selbst hat Game Freak auch eine Menge an Komfortfunktionen und Quality of Life in die Remakes der ersten Generation eingebaut. Die meiner Meinung nach wichtigste Mechanik hierbei ist für mich der Kampfahnder, der dazu benutzt werden kann, Trainer in der Nähe wieder und wieder herauszufordern, wobei sie immer etwas stärker werden.
Für komplette Anfänger gab es außerdem den Lehrkanal als Item, der Hilfestellungen bietet und beispielsweise vorzeigt, wie man Pokémon fängt oder richtig trainiert. Außerdem existiert ein spezielles Hilfemenü für unerfahrene Spieler, das jederzeit mit den Tasten L oder R aufgerufen werden kann und nützliche Hinweise liefert. Ist ganz nützlich, aber für jene, die alle Generationen bis hier gespielt haben, völlig obsolet.
Ein gewaltigen Quantensprung jedoch machte das Beutel-Menü in Pokémon Blattgrün und Pokémon Feuerrot, der nun endlich in Kategorien unterteilt war. Items, Pokébälle, TMs und wichtige Schlüsselobjekte hatten ihre eigenen Reiter. Das starre, schnell überfüllte Inventar aus den vorherigen Editionen gehörte damit endgültig der Vergangenheit an.
Auch der Attacken-Erinnerer – der es ermöglicht, vergessene Attacken gegen eine Herzschuppe erneut zu erlernen – sorgte für deutlich mehr Flexibilität im Team-Building. Während frühere Generationen Fehlentscheidungen gnadenlos bestraften, erlaubten Feuerrot und Blattgrün erstmals echte Korrekturen im Moveset. Das nahm Druck heraus, ohne das Spiel zu vereinfachen.
Die Zuchtmechaniken, die bereits mit der zweiten Generation eingeführt wurden, wurden selbstverständlich auch in die Remakes Feuerrot und Blattgrün implementiert.
Damit war es erstmals möglich, gezielt Pokémon mit bestimmten Wesen, Attacken oder Werten für die erste Generation heranzuzüchten und sie später für Rubin und Saphir zu benutzen.
Und schließlich die Drahtlos-Adapter-Unterstützung: Statt mit Kabeln verbunden auf dem Schulhof zu sitzen, erlaubte der Game Boy Advance Wireless Adapter ein deutlich komfortableres Tauschen und Kämpfen und dem gemeinsamen Meistern von zwei kleinen Minispielen (Seilespringen und Beeren mit Dodri).
Während die Teilnahme in Smaragd keinen spürbaren Einfluss auf den weiteren Spielverlauf hat, ist das Ganze in Feuerrot und Blattgrün etwas anspruchsvoller gestaltet. Um sich einen zusätzlichen Stern im Trainerpass zu verdienen, müssen mindestens 200 Beeren hintereinander gefangen werden und 200 Sprünge gemeistert werden.
Ein weiteres kleines, aber spürbares Detail ist die visuelle Darstellung von eingesetzten Items oder TMs/VMs außerhalb von Kämpfen. Wird ein Trank oder ein anderes Item benutzt, ist dies nun direkt am Pokémon sichtbar. Die Heilung wirkt dadurch greifbarer und weniger abstrakt als noch in der ersten Generation.
Auch der Pokédex wurde deutlich überarbeitet. Er bietet nun mehr Informationen zu den einzelnen Pokémon, zeigt Entwicklungsstufen an und erlaubt eine Sortierung nach Gebieten. Dadurch wird das Vervollständigen des Dex nicht nur übersichtlicher, sondern auch motivierender gestaltet.

Eine ebenfalls nicht zu unterschätzende Neuerung ist die Wahl des Geschlechts zu Beginn des Spiels. Erstmals kann man in Kanto nicht nur als Junge, sondern auch als Mädchen antreten. Eine kleine Änderung vielleicht, aber eine, die dem Spiel mehr Identifikation und Individualität verleiht.
Und schließlich die kleine Schwarz-Weiß-Flashback-Funktion nach dem Laden eines Spielstandes: Das Spiel zeigt noch einmal kurz die letzten Ereignisse. Ein Detail, das Orientierung schafft und den Wiedereinstieg angenehmer macht – besonders nach längeren Pausen, auch wenn ich das eher immer als Störend empfunden habe.
Post Game Content
Kommen wir nun zu dem Teil, mit dem die beiden Neuauflagen meiner Meinung nach am meisten punkten können, und das ist ganz klar der Postgame-Content.
Eine besonders interessante Design-Entscheidung betrifft den Pokédex selbst. Pokémon Feuerrot und Blattgrün können zwar rein technisch alle 386 Pokémon der ersten drei Generationen abbilden und fangbar machen, doch Game Freak wollte die volle Kanto-Erfahrung und überschwemmte den Spieler nicht direkt mit allen möglichen Pokémon.
Erst nachdem mindestens 60 Pokémon im Kanto-Dex registriert und die Top Vier besiegt wurden, erweitert Professor Eich den Pokédex zum Nationaldex. Und selbst dann bleiben viele Johto-Pokémon zunächst unerreichbar.
Erst durch die Postgame-Quest auf den Sevii-Inseln öffnen sich Johto und Hoenn vollständig. Diese bewusste Progression sorgt dafür, dass sich die Reise zunächst wie eine „reine“ Kanto-Erfahrung anfühlt, bevor sich das Spiel Schritt für Schritt mit den anderen Titeln der Reihe vernetzt. Und genau das ist ein gutes Beispiel dafür, wie man es richtig machen sollte.

Ein weiteres kleines Detail der Sevii-Inseln ist Eiland 4 und das Haus von Top-Vier-Mitglied Lorelei, und diese macht kein Geheimnis daraus, dass sie ein Faible für Pokémon-Puppen hat. Am Anfang hat sie lediglich sechs Puppen in ihrem Haus stehen, doch fügt sie für jeden 25. Sieg des Spielers über die Top Vier eine weitere hinzu, bis sie schließlich bei 200 Siegen mit einem großen Lapras die letzte Puppe in ihr Haus stellt.
Ein zusätzliches unwichtiges, aber durchaus cooles und spaßiges Feature in Pokémon Feuerrot und Pokémon Blattgrün ist die sogenannte Ruhmesdatei. Indem man bestimmte Personen, Schilder, Bücherregale oder Bilder anspricht, sammelt man nach und nach Informationen über zentrale Figuren der Spielwelt. Hat man alle Einträge freigeschaltet, erhält man eine zusätzliche Nachricht dieser Figur. Einen spielerischen Vorteil oder eine Belohnung gibt es allerdings nicht – die Ruhmesdatei dient vielmehr dem Worldbuilding und lädt dazu ein, Kanto mit einem beinahe detektivischen Blick neu zu entdecken.
Was mir aber am besten gefällt, ist, dass die Schwierigkeit enorm ansteigt. Denn nachdem man das Postgame samt allen Quests auf den Eilanden erledigt hat, wird die Top Vier um einiges stärker und bekommt auch ein paar Updates in Form von Johto-Pokémon. Außerdem kann man – je nach Wahl des Starters – Raikou, Suicune oder Entei fangen.

Leider wurde auch etwas gecuttet (Wandelhöhle), worüber man aber hinwegsehen kann, weil so wenigstens ein kleines Mysterium entstanden ist. Und da ich eben die legendären Hunde angesprochen habe: Durch einen Bug kann es passieren, dass die Hunde niemals wiederkommen. Wenn sie zum Beispiel die Attacke Brüller einsetzen und damit dem Kampf zu entfliehen, sind sie für immer weg. Auch wenn man zum Beispiel Horrorblick einsetzt.
Fazit
Wenn man sich die Remakes noch mal genauer anschaut und sich die Features und Neuerungen vor Augen führt, fällt auf, dass gar nicht so viel gemacht wurde. Einige Quality-of-Life-Features, eine überarbeitete Grafik, einige Patches, was Levelkurven und Attacken angeht, und man hat hierbei ein perfektes Remake – und zwar so, wie man Remake definieren sollte.
Es ist zu wenig für ein Remaster, aber es ist mehr, als einfach 1:1 das gleiche Spiel in guter Grafik auf den Markt zu hauen. Mit Blattgrün und Feuerrot habe ich zum ersten Mal erlebt, was es wirklich bedeutet, ein Remake zu spielen, und deshalb ist wohl auch meine Messlatte derart hoch. Denn in meinen Augen zählen diese beiden Editionen zu den besten Remakes der Gaming-Geschichte und bilden ein Paradebeispiel, wie man es richtig macht. Auch wenn mit Heart Gold und Soul Silver noch weitere solcher genialen Meisterleistungen folgen sollten.
Es hat sich meiner Meinung nach vielleicht zu genau an die erste Generation gehalten. Ja, es kam massiv viel Content und QOL dazu, aber an einer internen Uhr und/oder einem Tag- und Nachtzyklus wird dann wiederum gespart? Wie gerne hätte ich zum Beispiel mein Evoli zu einem Nachtara entwickelt?
Auch hätte ich es cool gefunden, wenn zum Beispiel – wie etwa in Saphir und Rubin – auf bestimmten Routen Regen auftaucht. Trotzdem ist das alles Meckern auf hohem Niveau. Setzt man den Release dieser beiden Editionen in Relation dazu, wann sie erschienen sind und was sie neu gemacht haben, muss man einfach sagen, dass Pokémon Feuerrot und Pokémon Blattgrün wirklich liebevolle und toll gemachte Remakes mit kleinen Erweiterungen waren, die das gesamte Spielerlebnis maßgeblich bereichert haben und einen massiven Wiederspielwert durch die Wahl der Starter und der Hunde-Pokémon bieten.
