GTA VI: Rockstar möchte offenbar politisch korrekt werden

GTA VI
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GTA VI: Rockstar möchte offenbar politisch korrekter werdenDas Spielen mit einem Ganster-Image, unschuldige Zivillisten töten, Frauen als Objekte darstellen, Witze über Randgruppen – das alles steht zweifellos für die GTA-Reihe und sicherlich waren auch diese Aspekte, Gründe dafür, dem Spiel zu einem derartigen Erfolg zu verhelfen. Doch wo Licht ist, ist auch Schatten. Hinter den Kulissen verlief nicht alles glatt. Mitarbeiter sprechen von Alkohol, Schlägereien und Ausflüge in Stripclubs innerhalb der Arbeitskultur von Rockstar Games. Aber auch Crunch-Zeiten und entsprechend viele Überstunden zählten beim Unternehmen lange als Aushängeschild. Doch das soll sich nun mit dem neuen, sechsten Teil ändern. Rockstar befindet sich aktuell in einem Umbruch, welcher sich in erster Linie in der Firmenpolitik vom Studio bemerkbar macht. Der Journalist Jason Schreier hat dazu auf Bloomberg einen umfassenden Bericht verfasst, der Aufschluss darüber gibt, was Rockstar in Zukunft am Unternehmen und ebenso an ihren Spielen verändert. Ich habe wichtige Textpassagen aus seinem lesenswerten Artikel übersetzt und in eigenen Worten und Meinungen geschrieben.

Seit 2018 muss sich das Unternehmen Kritik in Bezug auf Crunch-Zeiten, Schikane und einer Männerdomäne innerhalb des Unternehmens gefallen lassen. Rockstar hat nach und nach damit begonnen, problematische Inhalte aus ihren Spielen zu patchen. Dazu gehören transphobe Scherze oder den Online-Modus Cops ‘n’ Crooks. In GTA V macht sich diese neue Firmenkultur also bereits bemerkbar und der Journalist enthüllt auch brisante Details rund um den neuen Teil.

So soll es möglich sein – das erste Mal in der Geschichte von Grand Theft Auto – eine Frau als Charakter spielen zu können. Diese ein lateinamerikanisches Aussehen besitzen und ein Teil eines Duos sein, welches an Bonnie und Clyde angelehnt ist. Die beiden Protagonisten sollen demnach an das Verbrecher-Duo angelehnt sein. Die Entwickler möchten auch bewusst problematische Witze über Randgruppen oder Minderheiten nicht mehr in das Spiel einbauen.

Diese Umstrukturierung ist auch ein Grund, weshalb die Entwicklungen des sechsten Teils ins Stocken geraten ist. Das hat den Grund, dass nun weniger Überstunden geleistet werden und auch einige interne Teams wie das Design-Team vollständig umgebaut wurden. Die befragten Mitarbeiter von Rockstar Games seien jedoch sehr positiv gegenüber diesen Änderungen eingestellt und finden, dass die Stimmung im Unternehmen seither deutlich besser geworden ist. Aber es gibt auch große Zweifel, ob Rockstar, mit dieser Art und Weise, würdige Nachfolger für GTA oder Red Dead auf die Beine stellen kann. Zwar ist laut einigen Mitarbeitern die Moral im Unternehmen sehr gut, jedoch drückt das wiederum die Stimmung der Fans und anderen, langjährigen Mitarbeitern. Denn die Entwicklung soll tatsächlich langsamer vorangehen, wie man es ursprünglich geplant hat.

Sicherlich ist auch die Pandemie ein Grund der Verzögerungen. Aber vor allem besorgniserregend äußern sich Mitarbeiter über die Umstrukturierung einiger Teams und fragen sich, wie man zu diesen Bedingungen ein neues GTA entwickeln kann oder wie dieses aussehen soll. Ein Schlüsselereignis war der Weggang von Rockstar-Mitbegründer Dan Houser im Jahr 2019. Er war für die kreative Leitung verantwortlich und vieles deutete von dort an darauf hin, dass sich GTA VI ganz anders anfühlen wird, als seine Vorgänger. Jamie King – ein weiterer Gründer von Rockstar Games – sagt aus, dass das Studio auf Basis einer Sieben-Tage-Woche aufgebaut wurde, er diese Strategie jedoch nicht für nachhaltig erachtete. Red Dead Redemption und Max Payne 3 beispielsweise benötigten über Monate hinweg 14-Stunden-Tage und Wochenende, sodass sogar die psychische Gesundheit und die Ehe der Entwickler massiv beansprucht wurden. An Red Dead Redemption 2 wurde laut Houser 100-Stunden-Wochen für den Zeitraum vor der Veröffentlichung durchgesetzt.

Ich finde es grundsätzlich gut, wenn Unternehmen sich für Randgruppen öffnen und sich als Arbeitgeber für diese attraktiver gestalten. Vor allem die Gaming-Szene ist eine der global vernetztesten, weil man es der gesamten Welt möglich macht, von überall auf der Welt zu arbeiten. Demnach treffen auch die verschiedensten Kulturen und Vorurteile aufeinander. Wenn ein Unternehmen es also schafft, diese Menschen zu zügeln, um sie für eine gemeinsame Sache zu begeistern, ist das großartig! Die Unternehmenskultur und die Zufriedenheit der Mitarbeiter mag nun zwar besser sein, doch Beispiele zeigen auch auf, dass die hypersensibiliesirung von vermeidlich kritischen Inhalte auch den wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens schmälern kann. Eines der jüngsten Beispiele hierfür dürfte Netflix sein.

Netflix hat über Jahre hinweg versucht sog. Woke-Content zu produzieren, wodurch viele Abonnenten den Dienst gekündigt haben, weil die Qualität der Inhalte einfach nicht mehr gut genug ist. In großen, guten Produktionen werden Hauptfiguren ausgetauscht oder gar die Storyline verändert, nur um keine stereotypischen Vorurteile mithilfe dieser Inhalte zu schüren. Auch Disney hat sich diesen Methoden angenommen und produziert meiner Meinung Inhalte, die sehr fragwürdig sind. In der Medienlandschaft ist dieser Woke-Aspekt oft vertreten und scheint neben der Film- und Musikindustrie auch nach und nach in der Gaming-Szene anzukommen bzw. war er dort als Erstes derart stark ausgeprägt.

Die Unternehmen und Mitarbeiter möchten eine entspannte Arbeitsatmosphäre, während die Spieler ein gutes Spiel möchten. Am Ende wird sich das mit dem Kaufverhalten der Spieler entscheiden. Ich gehe stark davon aus, dass jedem Spieler egal ist, wie Woke ein Unternehmen ist oder nicht, solange die Qualität eines Produktes stimmt. Das Problem ist, dass ein Unternehmen, weil es aus Marketingsicht möglicherweise förderlich findet – krampfhaft versucht, eine tolerantere Politik zu fahren. James Bond, eine der beliebtesten und erfolgreichsten Kino-Marken, wird als Hauptrolle eine schwarze Frau bekommen. Ein Beispiel für einen krampfhaften Versuch, politisch korrekt zu sein, obwohl es für die Marke keinen Sinn ergibt. Niemand beschwert sich über weibliche Charaktere in Videospielen oder in der Filmlandschaft. Niemand hat sich bei Last of Us beschwert und niemand über Lara Croft oder Samus.

Wenn dieser Umbruch von Rockstar Games sich nicht auf die Spielqualität auswirkt, wird keiner damit ein Problem haben. Doch die Anzeichen wie der verlängerte Entwicklungsprozess sollte man nicht außer Acht lassen. Das Spiel ist eine offensichtliche Parodie der amerikanischen Gesellschaft und des amerikanischen Traums. Es eine verharmloste und verweichlichte Realität zu entwickeln, kann den Geist des Spiels massiv schaden. Man kann nur hoffen, dass die Entwickler sich auf ihre Stärken berufen und uns das Story-Erlebnis bietet, was uns Cyberpunk 2077 nicht bieten konnte. Meine Erwartungshaltung gegenüber GTA 6 ist und bleibt zumindest sehr hoch und aktuell finde ich noch keine kritischen, inhaltlichen Punkte, die mir einen Grund geben, das Spiel nicht zu kaufen oder zu kritisieren.

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