GameStop-Aktie: Eine Horde von Hobby-Anlegern revolutioniert die Börse

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An der Börse spielt sich aktuell ein Ereignis ab, welches durchaus von sehr großer historischer Bedeutung sein kann. Ich versuche Börsenanfängern wie auch Veteranen zu erklären, was genau mit der GameStop-Aktie passiert ist, weil das Thema selbst für erfahrene Anleger durchaus komplex ist. Wie immer werde ich euch auch verraten, ob ich selbst Geld dabei verdient habe und wie ich dieses gesamte Thema sehe. Springen wir also mal zum Anfang.

Melvin Capital und Citron Research sind hierbei die zwei wichtigsten Investment-Gesellschaften, mit den der Krieg, in dem sich die Wallstreetbets-User befinden. Das Subreddit bzw. Unterforum von Reddit handelt davon, dass Personen, die Geld an der Börse investieren und eben ihre Erfahrungen teilen. Zum Beispiel geben sie Tipps ab, welche Aktien gerade günstig zu kaufen sind, welche steigen werden und andere flexen einfach mit den Gewinnen, die sie mitnehmen. Auch während dem Kauf der GameStop-Aktien stachelten und pushten sich die Mitglieder des Subreddits so hart an, dass mehr und mehr Leute in diese Aktie investiert haben. Einige versprachen sich saftige Gewinne, sicherlich wollten viele auch einfach nur die Shortseller etwas ärgern.

Melvin und Citron haben darauf spekuliert, dass der Preis der Aktien von GameStop fallen werden. Beim Shorten leiht man sich Aktien von einem Unternehmen zu einem gewissen Preis und verkaufen diese dann zu einem niedrigeren Preis weiter. Zum Beispiel kauft Melvin Kapital eine GameStop-Aktie für 10 Euro und verpflichtet sich dann, diese für 8 Euro zu einem späteren Zeitpunkt zu kaufen. Wenn innerhalb dieser Zeit die Aktien auf 5 Euro fallen sollten, macht der Shortseller einen Gewinn. Steigt die Aktien auf über 10 Euro, macht der Shortseller einen Verlust. Dadurch dass diese beiden Investment-Gesellschaften hier mit Millionensummen spielen, drückt das den Preis immer weiter nach unten und beide dieser Unternehmen machen dabei ständig Gewinne. Auf Dauer kann es also passieren, dass ein Unternehmen wie GameStop pleite geht, obwohl sie nicht pleite sind. Aus diesem Grund ist das Shortstellen auch ein sehr sehr sehr heikles Thema in der Welt, weil diese Spekulanten eben oftmals große Profite machen und damit Firmen in den Konkurs treiben, Arbeitsplätze vernichten und selbst nichts zum allgemeinen Wohl der Gesellschaft beitragen. Sie machen Geld und vernichten Existenzen – so die Anschuldigungen.

Das Subreddit Wallstreebets hat von dieser Sache Wind bekommen und hat dann dazu aufgerufen, die Aktien von GameStop zu kaufen, damit die Shortseller Geld verlieren. Wie bereits erwähnt, verliert man beim Shorten dann Geld, wenn die Aktie steigt und nicht sinkt wie gewettet. Wenn eine große Anzahl von Geld dann in GameStop gepumpt wird, weil eben viele Menschen Anteile kaufen, verlieren die Shortseller die Wette und verlieren Geld.

Meine Meinung zum Shortsellen ist klar: ich empfinde es nicht als schlimm. Ich selbst würde niemals auf fallende Kurse wetten, weil es für mich einfach keine langfristige Strategie ist. Ich rate auch sehr strikt davon ab es zu machen, nur weil manche Leute innerhalb von wenigen Tagen aus 10.000 Dollar mehrere Millionen gemacht haben. Das Shortsellen kann man als eine Art Regularium verstehen. So haben zum Beispiel die Shortseller im Wirecard-Fall dafür gesorgt, dass Anleger theoretisch keine Verluste einfahren hätten müssen. Viele Shortseller befassen sich investigativ mit Unternehmen, checken die Bilanzen und decken oftmals sogar Betrügereien – wie im Wirecard-Fall – auf und warnen sogar den Markt, indem sie ihre Betrugsvorwürfe öffentlich mit der Welt teilen. Doch es gibt eben auch Shortseller die berechtigterweise verteufelt werden, weil sie Wohlstand vernichten und daraus Profit schlagen.

Der Fall der Wallstreetbets hat gezeigt, dass nun auch Shortseller immer damit rechnen müssen, dass es eine Gegenbewegung in ihren Deals geben kann, vor allem wenn es einem Unternehmen wirtschaftlich gut geht. Klar, GameStop geht es wirtschaftlich schlecht, aber dennoch ist es ein Unding, dass es solche Elemente gibt, die GameStop künstlich in den Abgrund handeln. Vielleicht hat das auch dazu geführt, dass Shortseller nun erst dann aktiv werden, wenn es wirklich konkrete Betrugsvorwürfe in Unternehmen gibt.

Natürlich muss man auch ein Auge auf die User der Wallstreetbets haben. Denn immer dann, wenn es Menschenansammlungen gibt, die einen Markt beeinflussen können, sollten die Alarmglocken läuten. Man kann von Glück reden, dass die User keine Shortseller sind und zumindest die meisten ehrliche und langfristig orientierte Anleger sind. Dennoch haben sie die Macht, die Preise und Märkte zu beeinflussen.

Ein User könnte zum Beispiel schreiben: „Kauft alle CD Projekt-Aktien“ und wenn es viele gibt die das tun, steigt innerhalb kurzer Zeit der Preis der Aktie und normale Anleger, die vielleicht nicht so eine Affinität zu Aktien haben, sondern gerade erst angefangen haben zu investieren denken sich dann, dass sie nun in ein Unternehmen investieren, was gerade sehr stark steigt. Wenn dann die Aktien an einem hohen Punkt stehen, verkaufen die User diese wieder, wodurch die Aktie wieder fallen würde. Anleger könnten so ebenfalls sehr viel Geld verlieren, nur weil sie nicht wussten, dass hier gerade eine große Menschenmasse den Markt beeinflusst.

Doch man muss auch sagen, dass Blasen – so nennt man Kursanstiege, die eben durch viele Käufer entstehen – auch unter natürlichen Bedingungen bestehen. Alleine wenn die Finanzfachpresse Aktien wie SAP, Microsoft oder Apple als die Zukunft und die sicherste Anlage, die man haben kann, betitelt, gibt es eine Vielzahl an Menschen die diese Aktien kaufen, wodurch der Preis dann steigt. Sollte dann irgendwann mal eine Korrektur stattfinden und die Aktien um 10 Prozent einbrechen – sowas ist durchaus üblich und erlebte SAP erst vor wenigen Monaten selbst – dann  wird auch hier viel Geld verbrannt. So hat selbst Elon Musk mit einem Tweet dafür gesorgt, dass die Signal-Aktie gestiegen ist, weil er den Messanger empfohlen hat. Dumm nur, dass hierbei irrtümlicherweise Anteile von einem komplett anderen Unternehmen gekauft wurden, welches Nichts mit der App zutun hat.

Auch wenn die Rallye der GameStop-Aktie weiter geht, so weiß man als Anleger nie, wie lange das noch so weitergeht. Schon morgen kann der Kurs wieder massiv einbrechen. Auf lange Sicht wird es so weit kommen, dass GameStop gute Zahlen abliefern muss, damit es langfristig bestehen kann. Aktuell ist es einfach eine fette Blase, wo viel Geld investiert wurde, aber hinter dem Unternehmen steckt nichts hinter.

Das Geschäftsmodell ist längst nicht mehr profitabel, weil der online Handel bereits vorherrschend ist. Auch die Covid-Krise hat sicherlich die Situation von GameStop nicht verbessert. GameStop geht es seit Jahren nicht mehr gut, weshalb ich auch nicht vorhabe zu investieren. Auch bei solchen Geschäften wie GameStop halte ich mich raus, freue mich für die, die ordentlich Geld gemacht haben und erkenne die Leistung an, die die Reddit-Community ermöglicht hat. Sie haben mit dieser Aktion den Aktienhandel vermutlich nachhaltig revolutioniert, weil sie gezeigt haben, dass eine Masse von Menschen mit weniger Kapital eben auch große Investoren überstimmen können. Das Verkaufen und Kaufen von Aktien ist zeitweise massive verzögert wurden, weil zu viele entweder Aktien gekauft oder verkauft haben. Ein derartiges Ereignis gab es – wenn überhaupt – nur in absoluten Ausnahmesituationen.

 

UPDATE:

Als ich mir gestern um die Überschrift Gedanken gemacht habe dachte ich, dass ich mit ihr zu dick auftrage. Mittlerweile gibt es jedoch jeden Grund zur Annahme, dass dieses Ereignis das Konzept der Börse verändert. Mittlerweile ist der Fall sogar bis zum US-Präsidenten Joe Biden vorgedrungen, welcher nun diese ganze Situation prüft. Doch aktuell gerät die App Robin Hood in das Kreuzfeuer der Medien. Robin Hood ist eine sog. Trading App und ist in den USA die beliebteste dieser Art. Hier können Menschen ganz einfach Aktien kaufen und wieder verkaufen, ganz bequem vom Smartphone aus. Diese App hat nun aber verboten, dass Anleger dort Aktien von GameStop kaufen können. Große Institutionen wie Banken oder eben Shortseller können allerdings weiterhin beliebig die Aktien von GameStop kaufen und verkaufen wie sie lustig sind.

Damit ist das Konzept des freien Marktes und der Börse komplett hinfällig, weil unterschiedliche Anleger eben unterschiedlich behandelt werden und ein fairer Wettbewerb nicht mehr gegeben ist. Die App wird berechtigterweise von ganz Twitter auseinandergenommen und in den Appstores schlecht bewertet. Ganz Twitter – egal ob rechte oder linke Bürger – verbünden sich aktuell gegen Robin Hood und starten online Revolte. Ich bin der Meinung, dass dieser Tag durchaus einen Eintrag in die Geschichtsbücher bekommt.

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