Fünf Dinge die mich am (deutschen) eSport einfach nur nerven

© Riot Games

Der folgende Artikel wurde mehrfach verworfen, umgeschrieben und pausiert. Doch nun ist es an der Zeit, dass ich ihn veröffentliche. Es soll ein Artikel werden, der den aktuellen eSport zwar kritisch betrachtet, jedoch den eSport auf keinen Fall schlecht reden soll! Vorweg: Nein, ich bin nicht neidisch auf irgendjemanden oder habe auch keinen Groll oder sonstige komische Gefühle, wie mir sicherlich vorgeworfen wird. Denn wenn man etwas kritisiert, ist man ja bekanntlich immer direkt ein neidischer Nichtsgönner. Ich spiele seit meiner Kindheit Videospiele, intensiv mit dem Thema befasse ich mich seit dem Jahr 2007. Zu jener Zeit waren Counter-Strike 1.6, WarCraft III und StarCraft die Spiele, die angesagt waren. Zu dieser Zeit waren die World Cyber Games DAS EVENT. Fragmovies von Spielern oder Teams wurden in dieser Zeit im Internet in einer kleinen Community ausgetauscht und man ging auf LAN-Parties mit billigen Headsets und war der Boss, wenn man einen Computer hatte, dessen Gehäuse voll von LED-Beleuchtung war.

Ich wage mal die These in den Raum zu werfen, dass mit jeder Kommerzialisierung – egal in welchem Bereich – die Qualität schlechter wird. Das erkläre ich mir wie folgt: Zunächst gibt es eine kleine Community, die zum Beispiel eine bestimmte Richtung von Musik gut findet (sog. Untergrund-Rap) beispielsweise. Man teilt es mit Freunden und diese teilen es mit Bekannten und Kollegen. Nur wenige Rap-Hörer finden diese Art von Rap-Musik gut, die meisten Schlager, Techno, Rock-Fans finden diese Musik eh zum Kotzen. Fans beginnen also die Musik zu pumpen, kaufen die Alben der Musiker um sie zu supporten, der Künstler investiert das Geld, um bessere Produkte abzuliefern, neue Leute zu erreichen und hier beginnt die erste Phase der Kommerzialisierung: Das Erreichen neuer Personen.

Bei Musik ist das typische Beispiel, sog.“Sing-Sang-Hooks″ um weibliche Zuhörer zu erreichen. Man macht WM-Songs, man macht Songs über einen aktuellen Trend, um eine bestimmte Zielgruppe zu erreichen und und und. Nun kommen mit neuen Zuhörern eben auch mehr Kapital in den Markt. Und damit sinkt auch die Qualität, wie man am aktuellen Deutschen-Rap sieht. Wenn selbst Katja Krasavice chartet, dann möchte ich nicht mehr länger Deutscher sein.

Ähnlich ist es auch im eSport. Vor 2010 – der „guten″ Zeit gab es bloß ein paar Titel: Counter-Strike, StarCraft, DotA, WarCraft und Quake. Um eben die erste Phase der Kommerzialisierung einzuläuten zu können, wurde League of Legends Released. DotA in leichter. Optimal für Anfänger, die weder RTS noch FPS tauglich sind. Geil für die Zahlen im elektronischen Sport, schlecht für die Qualität.

 

Tierlogos und Tiernamen bei Organisationen

Eine Misere die sich seit CSS angedeutet hat und leider mit CS:GO fortgeführt wurde, sind innovationsreiche Tierlogos und Tiernamen für Organisationen. Auch hier wieder einmal ein Beweis dafür, wie sehr man sich am amerikanischen Sport orientieren möchte. Wer kennt nicht Teams wie PlayingDucksMit einem Entenlogo. Wer kennt nicht BlueJays – Tierlogo + Namen. Wer kennt nicht Panthers Gaming – Ein Panda als Logo wie innovativ!

Mousesports sind die einzigen im gesamten Business, welche ein Tierlogo + Namen genial umsetzen. Und es gibt auch weitere Teams wie Virtus.pro, die einen Bären haben und auch hier wird nicht auf Krampf versucht, sich den amerikanischen Sportteams anzupassen. Wer etwas anderes behauptet hat absolut keine Ahnung und sollte Farming Simulator.exe von seinem PC löschen.

Mouz hat im Gegensatz zu den anderen Teams nicht direkt ein Mauslogo, sondern hat sich wenigstens die Mühe gemacht, ein Logo zu entwerfen, was ein tiefgründiges Design hat, innovativ ist, nicht 0815, sondern so abgeändert, dass man es zwar noch immer als Mauskopf erkennen kann, es aber nicht direkt eine Maus ist. Außerdem ist die Maus nicht nur ein Tier, sondern auch das Werkzeug eines jeden Zockers. Was zum Teufel haben Jays, Ducks, Bears, Lions oder sonstiges mit Gaming Zutun?

Dann nehmt wenigstens ein Tiernamen ODER ein Tierlogo, aber doch nicht beides! Weil ihr es amerikanischen Sportteams gleich machen möchtet, merkt ihr nicht, wie lächerlich ihr euch macht! Virtus.pro beispielsweise sind ein Team, was auch einen Bär im Logo hat. Aber sie heißen nicht Bear oder sonstiges! Diese traurige und komplett Innovationslose Marketing-Strategien ist ein Produkt der damaligen CSS-Szene, die dafür gesorgt hat, dass der eSport in Deutschland eine so traurige Wendung genommen hat!

Mit CSS hat es angefangen, dass talentlose Spieler auf die Idee kamen eine Maus und Tastatur in die Hand zu nehmen und angefangen haben zu cheaten. Deutschland war aus welchen Gründen auch immer das einzige Land, in dem CSS wirklich relevant war, dennoch niemals so relevant wie CS 1.6. Die alte Community hat CSS mit Füßen getreten, weil Valve das erste Mal versucht hat, ein Spiel zu vereinfachen. Und dieser Schritt war wichtig! Nichts gegen die Playing Ducks und die Orga! Ich finde nur, dass Tiernamen + Logos einfach nicht passen!

© Playing Ducks

 

 

Schlechte Szeneseiten und mikrige Berichterstattung

Zu Beginn – als der eSport noch weniger kommerzialisiert war – gab es wenige, jedoch qualitativ hochwertige Seiten. HLTV, Fragster, Readmore, 99Damage und sogar die Organisationen wie beispielsweise Mousesports, MYM oder Alternate haben massenweise eigene Coverage geboten. Was ist passiert? Ich denke, dass die Urgesteine den Hype nicht gerecht werden konnten und sich mehr und mehr Kapitalgeber an eigene Projekte gewagt haben. Bis zum Jahr 2010 gab es ausschließlich WarCraft und Counter-Strike und StarCraft im internationalen Wettbewerb. Ab 2010 – mit dem Release von StarCraft II und dem Aufstieg von League of Legends, ebenso mit dem Release von Dota2, war der eSport zwar bereits kommerzialisiert, aber man konnte eine gute Szeneseite pflegen. Auch wenn League of Legends dem eSport meiner Meinung nach sehr geschadet hat, so war nun die Schwelle zwischen Kommerz und stabilen Szene erreicht.

Die Szeneseiten hatten einen übersichtlichen Bereich und konnten jeden Bereich sehr gut abdecken. Es hat wenig Menpower benötigt, um eine gute Szeneseite auf die Beine zustellen. Mit guten Beispielen gingen zu Beginn an erwähnt Fragster, JoinDota, Readmore oder auch 99Damage voran. Mit den Kategorien CS:GO, StarCraft, DotA, League of Legends und ggf. WarCraft konnte man jede Szene auf einer Seite sehr gut bündeln. Mittlerweile gibt es jedoch Games wie Hearthstone, PUBG, Fortnite, Overwatch und leider auch FIFA oder Landwirtschaftssimulator. Somit kommen auf den Szeneseiten komische Konstruktionen zustande:

Escene beispielsweise hat vier Kategorien: CS:GO, LOL, Dota2, Hearthstone und „Mehr“. Unter Mehr kommen dann Games wie Overwatch, Heroes of the Storm, EA SPORTS FIFA (Warum auch immer dort EA Sports vorsteht), Fortnite und Starcraft und und und. Die Aufteilung macht keinen Sinn für mich. Geht sie nach internationaler beliebtheit? Warum ist dann Fortnite unter mehr? Geht es nach „guten, alten eSport″, warum ist dann dort Hearthstone statt Starcraft? Geht es nach Community-Größe innerhalb von Deutschland? Warum ist Fortnite dort unter mehr, warum ist Dota2 dort?

 

Ich will mich nicht als der Experte hinstellen und natürlich muss ich es erstmal besser machen und das versuche ich auch mit Gamerliebe. Aber ich möchte eben nicht unbedingt eine Szene-Seite sein, sondern bin noch immer ein Blog. Vielleicht werde ich ja mal den Sprung zur Szeneseite wagen. Was nun richtig ist und falsch ist: Darüber kann ich wohl am wenigsten Urteilen, aber ich denke, dass ich es auf meinem Blog richtig gemacht habe und die Kategorien nach Genres und nicht nach Spielen benannt habe. So kann man ganz einfach jedes Game in eine Kategorie einpflegen und beispielsweise – selbst mit einem WordPress-Theme – dann jedes Spiel leicht abdecken.

Begriffe wie eFootball oder eGaming bringen im Übrigen das Fass zum Überlaufen. Was zum Teufel haben sich die Leute, die sich diese Begriffe ausgedacht haben vorher reingehauen? Zugegeben bin ich auch der Meinung, dass der eSport nicht als herkömmlicher Sport gelten sollte, er ist etwas Eigenes. Aber eine Simulation oder E-Gaming? Gaming, aber E-Gaming?!?!?! Ist in etwa so, wie wenn ich tote Leiche sagen würde. Absolut unnötig!

In meinen Augen sind die besten Seiten noch immer jene, die sich auf ein Spiel fokussieren. Alles was Freaks4u beispielsweise auf die Beine stellt. Ich würde mir so sehr eine deutsche Szene-Seite wünschen, die alles abdeckt.

 

Schlechte Investitionen

Wir alle sind sehr froh, wenn bekannte Personen wie Kollegah, Farid Bang, Mesut Özil oder bekannte Sport-Vereine wie Schalke oder Wolfsburg in den eSport einsteigen. Mittlerweile denke ich mir nur leider „Nicht noch ein FIFA-Team″. In den USA werden bereits Millionen von Dollar von Rapstar-Drake oder Sportlegenden wie Shaquille O’Neal in Teams investiert, die weitaus breiter aufgestellt sind. Egal ob Overwatch, Dota2 oder Fortnite – In den USA erkennt man scheinbar das Potenzial des elektronischen Sports eher als hier. Doch wie kann das sein? Jeder kennt doch den starken Wachstum der Branche, warum wird so dumm investiert?

Schön, dass Özil in sein Fifa und Fortnite-Team über 500.000 Euro investiert, jedoch sehe ich hier absolut keine Substanz. Für mich ein Haufen von Spielern die einfach daddeln und nicht wirklich die Motivation haben etwas zu erreichen, vor allem, weil FIFA überhaupt nicht den Markt bietet, überhaupt irgendwas zu erreichen. Ein Spiel was gefühlt nur hier vom Casual-Markt bedient wird, international aber überhaupt Niemanden juckt. Wie immer ist Deutschland verpeilt. Egal ob es um Politik, Wirtschaft, eSport, Internet, Musik oder Infrastrukturprojekte geht – Deutschland ist und bleibt zurückgeblieben.

NRG eSport
© NRG

 

Rückennummern auf Spieler-Trikots

Was zur heiligen Mutter Maria suchen bitte Rückennummern bei eSport-Athleten? Wer kam auf diese hirnrissige Idee, dass man den eSport mehr wie einen normalen Sport behandeln sollte und sagt mir bitte, welchen Sinn Rückennummern beim elektronischen Sport machen? Bei einem Mannschaftssport, einem Hektar Spielfeld mit 22 Spielern auf dem Platz, machen Rückennummern Sinn. Warum bei 1-6 Spielern, die alle Nebeneinander sitzen und deren Action sich im Spiel, auf ihren Monitoren abspielt? I dont get it! Einfach nur hirnrissig! Man möchte sich hier nur mehr dem herkömmlichen Sport annähern, aber der eSport zeichnet sich dadurch aus, dass er eben kein gewöhnlicher Sport ist! Einfach nur traurig, dass die eigenen Konsumenten es nicht erkennen wollen oder können.

© North Esports

 

Skins und Gambling

Mit Counter-Strike Global Offensiv begann die Ära der Skins und dank des eigenen Marktplatzes wurde ein ganz neuer Markt erschaffen: Das Skin-Gambling. Counter-Strike erfreut sich heute vermutlich noch einer größeren Beliebtheit als damals 2012. Doch ich habe lange Zeit das Gefühl gehabt, dass Skins für eine beachtliche Anzahl der Spieler, deutlich wichtiger ist als das eigentliche Spiel, der sportliche Aspekt und der Wettkampf. Viele haben sich förmlich damit profiliert, was sie wieder für einen tollen Skin haben und wie viel sie investiert haben. Und wie haben sie sich selbst in den Himmel gelobt, wenn ein Skin nun mehr wert ist. Ich vermisse die Zeiten, als Skins noch belächelt wurden. Das bekannte Video Counter-Strike for Kids″ ist längst Realität geworden.

Selbstverständlich hat sich der Markt gewandelt und Mikrotransaktionen gehören zum Geschäftsmodell der vielen Publisher, die teilweise an der Börse gehandelt werden. Doch Overwatch macht es vor. Hier sieht man, wie unwichtig und egal ein Skin ist. Keinen juckt es! Es ist ein nice to have, aber dank der tollen Community von Blizzard-Games, die noch den Wettkampfgedanken haben, wird es auch noch lange so bleiben!

Laut automatisch-verloren.de geben gut die Hälfte der Deutschen regelmäßig Geld für Glücksspiel aus. Diese Zielgruppe findet sich vor allem in Counter-Strike und FIFA wieder. CS und Fifa sind zwei Titel, die es schaffen Casuals abzugreifen und diese Sucht von den Kasinos, auf ihre Server zu transferieren. Valve mit ihren lächerlichen Lootboxen und schwacher Regulierung von Drittanbietern und eben mit FIFA Ultimate Team, die durch diesen Modus einfach schlichtweg Pay-To-Win im Endstadium verkörpern. Diese Casuals sorgen dafür, dass in wenigen Jahren der Kommerz weiter ausgebaut wird und dabei die Qualität der Spiele einfach nur schwindet. EA verdient dank FIFA ordentlich, dennoch bleibt jeder Titel den sie Releasen einfach ein großer Haufen amphibischer Urscheiße!

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