Die türkische Regierung arbeitet an einem Gesetzesentwurf, der den Zugang zu internationalen Gaming-Plattformen wie Steam, Epic Games Store, dem PlayStation Store und dem Xbox Store massiv einschränken könnte. Der Entwurf wurde vom Ministerium für Familie und Soziales ausgearbeitet und befindet sich derzeit noch in der internen Prüfungsphase. Er wurde bislang weder ins Parlament eingebracht noch verabschiedet.
Neue Pflichten für Plattformbetreiber
Kern des geplanten Gesetzes ist die Verpflichtung für Gaming-Plattformen, einen offiziellen lokalen Vertreter in der Türkei zu benennen. Dieser soll als direkter Ansprechpartner für Behörden fungieren und sicherstellen, dass gesetzliche Vorgaben eingehalten werden. Zudem müssten sämtliche Spiele verbindliche Altersfreigaben erhalten.
Besonders umstritten ist die vorgesehene Fünf-Tage-Frist: Plattformen wären verpflichtet, innerhalb dieses Zeitraums auf behördliche Anfragen zur Datenherausgabe oder zur Entfernung von Inhalten zu reagieren.
Hohe Strafen und Kritik an möglicher Zensur
Bei Verstößen drohen zunächst hohe Geldstrafen, die sich auf mehrere Millionen Türkische Lira belaufen können. Bleiben diese ohne Wirkung, sieht der Entwurf drastische Maßnahmen vor: Eine schrittweise Drosselung der Internetbandbreite um zunächst 50 Prozent, später sogar bis zu 90 Prozent. Downloads, Updates und Online-Gaming wären damit faktisch kaum noch nutzbar.
Offiziell begründet die Regierung den Vorstoß mit dem Schutz von Kindern und Jugendlichen. Kritiker warnen jedoch vor weitreichender Zensur, einem massiven Eingriff in digitale Freiheiten und möglichen wirtschaftlichen Folgen. Sollte der Entwurf in dieser Form umgesetzt werden, könnten internationale Anbieter den türkischen Markt meiden – mit erheblichen Konsequenzen für Gamer und Entwickler im Land.
