Warum der Esport kein Sport ist – Kommentar zu keepitliberal.de

© Blizzard

Ich muss mich am heutigen Tage endlich einmal zu einer Thematik äußern, die regelmäßig auf meiner Twitter-Timeline rauf und runter diskutiert wird. Die Frage ist, ob der Staat den Esport und dessen Entwicklung fördern, gar finanziell unterstützen soll. Wer nun denkt, dass ich als Gamer selbstverständlich dieser Forderung zustimme, der irrt sich. In diesem Beitrag erkläre ich, warum der elektronische Sport kein Sport ist und nicht staatlich finanziert gehört!

Seit Mitte der 90er Jahre genießt der Esport ein gesundes Wachstum. Leider haben zwei sehr prägende Entwicklungen dafür gesorgt, dass Gaming heute komplett kommerzialisiert ist. Hierbei rede ich von Leage of Legends und Fortnite. In jeglichen Bereichen sieht man, dass eine starke Kommerzialisierung niemals guttut. Sport, Musik, Film und sonstige Bereiche, wo sich nach und nach starke Lobbys bilden. Das ist jedoch ein anderes Thema und sprengt den Rahmen. Der Staat hat von Beginn an dem Esport Steine in den Weg gelegt. Das haben uns die Amokläufe und die Debatte darum oft genug in der Vergangenheit bewiesen. Dennoch ist der Esport heute da, wo er ist, ohne Hilfe vom Staat, ausschließlich durch Firmen wie Intel, AMD, Nvidia, die vor allem große Events und die ESL zu einem derartigen System formten.

Sobald eine Sache vom Staat finanziell unterstützt wird, werden automatisch Gelder von Bürgern des Landes benutzt, die diese Sachen vielleicht gar nicht unterstützen möchten. Ich denke hierbei an die Nicht-Gamer, die gar kein Interesse haben, den vermeintlichen Sport zu unterstützen. Man ist gezwungen für etwas zu zahlen, was man gar nicht konsumiert. Klingt fair, oder? Wenn ich nun im örtlichen Fußballverein eine Mitgliedsschaft habe, möchte ich dann für einen Handballverein zahlen, der vom Staat unterstützt wird? Ich denke nicht, sonst würde ich doch in den Handballverein beitreten, wenn ich diesen unterstützen wollen würde. Jeder soll für die Sachen zahlen, für die er sich selbst entscheidet. Wenn ich nun also in einem Esport-Verein tätig sein möchte, dann unterstütze ich ihn mit Spenden oder einer Mitgliedsschaft. Welchen Anspruch hat diese Organisation auf Steuergeld?

Warum möchte man überhaupt, dass der elektronische Sport als Sportart angesehen wird? Wenn sich dieses Hobby ausgezeichnet hat, dann dadurch, dass es eben etwas anderes als Sport ist! Es ist was Eigenes, es ist elektronischer Sport, aber kein Sport! Warum bettelt man förmlich beim Staat und in der Politik, dass der Esport olympisch wird, wenn dieser Staat noch vor 20 Jahren mehr Steine in den Weg gelegt hat, als irgendeine andere Institution? CDU, GRÜNE, SPD, FDP  – Heute wollen sie den Esport anerkennen und das Schlimmste daran, die Schafe in Deutschland fressen es. Ihr könnt einem nur leidtun.

 

Der Esport in der Politik 

Zunächst möchte ich den politischen Aspekt etwas erläutern. Schauen wir uns einmal kurz an, wer und wann genau den Esport und dessen Förderung zur Debatte gemacht hat. Ich erinnere mich an einen Auftritt auf der Gamescom. Dort hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel davon geredet, dass sie es verstehen kann, wenn das Spiel durch schlechtes Internet am laggen ist und dass die Spieler dieser Zustand massiv verärgert. Deshalb setzt sie sich erst einmal für den Ausbau der Infrastruktur ein. Wir haben 2021, Entwicklungsländer haben teilweise besseres Internet als wir. Danke für 13 Jahre zukunftsorientierte Politik!

Nun mischten sich auch die Grünen in den Wahlkampf ein. Sie beanspruchen für sich, die Förderung für den Esport überhaupt erst zum Thema im Bundestag gemacht zu haben. Dieselbe Partei, die wie die Partei der Bundeskanzlerin im Jahr 2006 noch für ein Verbot von „Killer-Spielen″ war. 2009 waren sie dann doch gegen ein Verbot von  solchen Medien. Immerhin haben die Grünen realisiert, dass man mit diesem Medium offenkundig sehr gut eine junge Zielgruppe erreichen kann. Im Jahr 2001 war die Grüne einem Einsatz in Afghanistan auch nicht abgelehnt. Die angebliche pazifistische Partei, die mit echten Soldaten und Menschenleben spielt, ist für ein Verbot von Killerspielen, genau mein Humor!

Internetgeschwindigkeit Deutschland
© Statista

 

Der wirtschaftliche Aspekt

Menschen möchten, dass der Esport gefördert wird. Woher kommt das Geld? Warum muss er überhaupt gefördert werden? Hat er sich nicht blendend auch ohne diese Förderungen aus dem Nichts selbst erschaffen? Während am Anfang der Jahrtausendwende schon Spieler in StarCraft oder Quake um Preisgelder von astronomischen Summen spielten und in der gesamten Welt herumreisten, organisierten Unternehmer – die den Markt erkennen – bereits große Turniere. Es gab (fast) nie Probleme mit VISA, keine Probleme mit politischen Konflikten, keine Probleme mit dem Staat. Der Kapitalismus hat durch Firmen ermöglicht, dass der Esport wachsen kann. Der Staat sollte hier auch weiterhin nichts zu melden haben. Sobald der Staat etwas in die Hand nimmt, geht es schief. Dass man das im Jahr 2021 noch irgendwem erklären muss, ist lächerlich.

Jetzt, wo der Esport ohne fremde Hilfe groß wurde – und eher vom Staat als Grund für Amokläufe diffamiert wurde – wollen sämtliche Parteien von ihm profitieren. Jeder Gamer erinnert sich an den Gegenwind, welchem er durch die Jahre 2002, 2006 und 2009 ausgesetzt waren. Im Koalitionsvertrag ist die Förderung sogar fester Bestandteil. In der gleichen Koalition die das Gaming als Grund für Amokläufe genannt und die Deutschland runtergewirtschaftet hat, soll nun der Esport wirtschaftlich gefördert werden?

Jedem steht es bereits frei, einen Verein zu gründen, sich selbst zu organisieren und wenn man sich mit wirtschaftlichen Mechaniken auskennt und seine Zeit nicht in Clubs verschwendet hat, kann man sogar selbst was daraus schaffen. Man nehme als Beispiel die ESL, TakeTV, Freaks4U oder Bonjwa, um nur einmal ein paar Beispiele in der deutschen Landschaft zu nennen. Diese Unternehmen existieren und sind profitabel, ohne staatlicher Subventionen und nur von jenen Leuten finanziert, die diesen Content wirklich auch finanzieren wollen.

 

Der gesellschaftliche Aspekt

Wenn ich die Debatte auf Twitter verfolge, komme ich mir oft so vor, als würde ich meinem 14-jährigen Ich beim Schreiben zuschauen. Natürlich war ich auch damals so jung und naiv zu glauben, dass mir die Politik etwas Gutes will. Damals hätte ich sicherlich direkt für jenen mein Kreuz gesetzt, der mir Glasfaserleitungen verspricht. Mit 25 Jahren sieht meine Sicht anders aus. Mittlerweile sind neun Jahre ins Land gegangen und seit gerade einmal zwei Jahren habe ich meine verdammte Antenne auf dem Hausdachboden – angeklebt mit Panzertape – nicht mehr. Mit dieser starken Infrastruktur gehörte ich noch zu den Menschen, mit besserem Internet in meinem Dorf. Dadurch, dass ich neben dem Dorfgemeinschaftshaus wohne, wo die Verteilerantenne des Anbieters befindet, kam ich auf einen Ping von 42 statt 50. Meistens bewegte sich mein Ping bei 70 und oftmals hatte ich über das gesamte Wochenende kein Netz. Mehr als neun Jahre hatte die große Koalition Zeit, sich auf den Ausbau von Internet zu konzentrieren und damit den Esport mehr zu fördern als mit irgendwelchen Geldern.

Neun Jahre hatte also die CDU Zeit, sich auf den Ausbau zu konzentrieren. Wieso kommen Leute noch immer auf die Idee, dass die Grünen das ändern würden? Sie benutzten euch. Und weil ich mich weiter entwickelt habe, weiß ich auch, dass sie damit Erfolg haben werden (wie man an den Landtagswahlen sieht).

Es gibt aktuell so viele Bereiche im Esport, um Geld zu verdienen. Egal ob ihr selbst etwas aufbauen möchtet, Streamer, Journalist, Moderator, Social-Media-Manager, Designer, Filmemacher, Informatiker, Webdesigner sind nur ein paar Beispiele. Der Esport ist profitabler als das Film- und Musikgeschäft zusammen, wenn also etwas nicht vom Staat gefördert gehört, dann ist es eine ohnehin schon profitable Branche.

Warum Esport anerkennen lassen
© keepitliberal.de

Die modernen Liberalen greifen das Argument ebenso auf. Sie sagen, dass der Esport ja auch ohne Anerkennung floriert. Jedoch wollen sie, dass Athleten zum Beispiel Steuerbegünstigungen erhalten, rechtliche Gleichstellung und eine allgemeine Anerkennung in der Gesellschaft.

Wie ich ja bereits gesagt habe, gehören Steuerbegünstigungen jeglicher Art meiner Meinung nach abgeschafft. Denn warum sollte ich als Steuerzahler zunächst dem Staat Geld abdrücken, der es dann an Vereine umverteilt? Warum regelt man das nicht komplett ohne Staat und sagt, wer unterstützen will, der unterstützt eben? Ich zahle zum Beispiel 100 Euro an Steuern und von diesen 100 Euro werden jetzt alle Vereine in Deutschland unterstützt. Das heißt, dass 1 Euro zum Handballverein geht, ein 1 Euro zum Fußballverein, 1 Euro zum Gartenverein, 1 Euro zum Esport-Verein, 1 Euro zum Hundeverein und 1 Euro zu dem ich-existiere-einfach-nur-um-Steuergeld-abzugreifen-Verein. Warum kann ich nicht selbst entscheiden, wie viel Geld ich welchem Verein zahle und warum ist man überhaupt dazu gezwungen? Ich finde den Esport toll, deshalb spende ich Geld oder konsumiere ihn. Warum muss ich Teile von meinem Geld in Vereine stecken, mit denen ich nichts am Hut haben will?

Ebenso soll der Esport gefördert werden, damit Athleten eine weitere Einnahmequelle erhalten – beispielsweise durch das Gewinnen von Medaillen bei den Olympischen Spielen. Auch das halte ich für Unfug. Mit welchem Anspruch sollte sich der Staat oder eben die Konsumenten vom Esport das Recht heraus nehmen, dem olympischen Komitee vorzuschreiben, was sie als Sportart anerkennen sollen?

Alleine das Olympiakomitee entscheidet, was in ihren Augen eine Sportart ist und was nicht. Wenn sie das Potenzial vom Esport – sicherlich auch als profitable Einnahmequelle – verkennen, so what? Selbst schuld! Der Markt regelt selbst und ermöglicht es den Organisationen im Esport wiederum, eigene Turniere und Weltmeisterschaften auszutragen. Mit den World Cyber Games gab es sogar mal ein Olympia-Format für die Gaming-Meisterschaft. Dieses Format hat sich nicht durchsetzen können, wieso also sollte man genau dieses nun mit Steuergeld subventionieren?

Und in dem obigen Absatz widerspricht sich keepitliberal mit der Aussage von Ralf Reichert. Ralf Reichert ist einer der Gründe, warum der Esport in Deutschland heute das ist, was er ist. Er hat nicht nur einen der ersten erfolgreichen Clans  – SK Gaming – sondern auch mit der ESL eine der wichtigsten Ligen aufgebaut, um den Esport zu globalisieren. Wie er sagt, braucht der Esport den Sport nicht und umgekehrt. Damit untergräbt er diese Debatte und macht klar, dass es sie überhaupt nicht wert ist zu führen.

 

Fazit

Grundsätzlich möchte ich die Seite keepitliberal.de nicht angreifen! Ich kann viele Sachen, die sie in ihrem Artikel schreiben 1:1 unterschreiben. Zum Beispiel finde ich es auch einfach nur ätzend, wie viele Portale oder gar Szeneseiten Begrifflichkeiten wie „eGaming“ verwenden. Ich finde auch gut, wie der Post der modernen Liberalen klare Falschaussagen der Politik aufgreift und darüber berichtet. Ich denke jedoch, dass die Liberalen dem eigentlichen Sinn ihrer Partei nachgehen sollten und den Staat aus dem Markt raushalten muss. Keepitliberal ist eine FDP-nahe Organisation und sollte demnach auch den Grundsatz dieser Partei verfolgen. Vielleicht bin ich mit meiner Meinung ein wenig überholt, aber die FDP – weshalb ich sie als eine der besseren Parteien ansehe – setzt sich eigentlich dafür ein, dass es mehr Markt und weniger staatliche Regulierungen gibt. Es ist also komisch, dass genau diese Strömungen nun den Eingriff vom Staat hier in Anspruch nehmen. Typischer Populismus, wie es üblich ist. Solange es sich lohn,t Wähler zu catchen, verrät man mal eben seine Grundsätze. Immerhin – und das rechne ich der FDP an – war sie eine der wenigen Parteien, die sich immer gegen ein Verbot von „Killer-Spielen“ eingesetzt haben.

Der Titel vom Beitrag lautet, warum Esport kein Sport ist. Keepitliberal sagt, dass Profis ebenso wie herkömmliche Sportler auf ihre Ernährung achten, sich fit halten und ebenso einen gesunden Lebensstil führen. Das macht sie allerdings nicht zu Sportlern. Nicht jedes Influencer-Modell ist gleichzeitig auch ein Sportler, ich denke das sollte jedem klar sein. Der Deutschen Olympische Sportbund – also der, der auch den elektronischen Sport nicht als Sport anerkennt – hat auch Schach nicht als Sport anerkannt und demnach wurde dem deutschen Schachbund die Förderung vom Staat gestrichen. Sechs Jahre später erleben wir, dass der Schach – wie der elektronische Sport – diese Förderung überhaupt nicht braucht und sich ebenso bestens behauptet hat. Verblüffend, wie sich Freizeitaktivitäten, die nicht vom Staat gefördert werden, anscheinend noch besser entwickeln.

Weder der Staat noch der DOSB sollte irgendwelche Forderungen oder Regelungen treffen, die den Steuerzahler beeinflussen. Wer sich organisieren will, der schafft es, solange der Markt dafür groß genug ist. Und wenn der Markt nicht groß genug ist, warum sollte man dann Geld von Menschen investieren, die mit hoher Wahrscheinlichkeit selbst Geld investieren, wenn sie darauf Lust hätten. Lange Rede, kurzer Sinn: Der elektronische Sport ist kein Sport, weil man sich de facto nicht so körperlich verausgabt wie bei einem Sprint, beim Gewichtheben oder dem Stabhochsprung. Und ich weiß nicht, was das genau jetzt für einen Unterschied macht, den elektronischen Sport als Sport wie Fußball anzuerkennen. Ich denke, dass Menschen, die eine Anerkennung vom Esport fordern, das Ziel verfolgen, einen eigenen Verein zu gründen, Steuergelder abzugreifen und damit dann ihre Interessen umzusetzen. Natürlich nicht mit eigenem Geld. Dass sie sich selbstständig machen, eine Esport-Organisation aufbauen und einen Teil ihres Gewinn dann für Spenden ausgeben, die dem Esport helfen, das kommt natürlich nicht infrage. Lieber sollte der Steuerzahler die Arbeit vergüten, damit man selbst kein Risiko hat.

Falls es aus meinem Beitrag nicht klar genug hervorgegangen ist: Ich finde es beschissen, dass der Staat so stark in den Entscheidungen vom DOSB drinnen hängt und anhand derer Entscheidung entscheidet, was gefördert wird und was nicht. Ich bin dafür, dass alle Förderungen vom Staat für solche Vereine abgeschafft gehören und hierbei ausschließlich der Markt entscheiden soll, welche Sportart sich entwickelt.

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