Martin Klima, Mitgründer von Warhorse Studios, sieht ein grundlegendes Problem bei vielen modernen Rollenspielen. Obwohl die Zielgruppe der Videospielbranche immer älter werde, würden zahlreiche RPGs weiterhin Geschichten erzählen, die vor allem auf klassische Machtfantasien setzen.
Im Gespräch mit PC Gamer erklärte Klima, dass ihn insbesondere das bekannte „Auserwählten“-Prinzip störe. Spieler übernehmen dabei die Rolle einer außergewöhnlichen Figur, die vor einer gewaltigen Aufgabe steht und am Ende nicht selten die gesamte Welt retten muss.
Grundsätzlich habe er nichts gegen solche Machtfantasien. Das Problem sei vielmehr, wie häufig dieses Konzept wiederholt werde. Genau diese Ermüdung gegenüber klassischen RPG-Formeln sei letztlich auch eine der Inspirationen für Kingdom Come: Deliverance gewesen.
Warhorse Studios entschied sich bewusst für einen anderen Ansatz. Statt eines mächtigen Helden beginnt Henry von Skalitz als weitgehend gewöhnlicher Mensch, dessen Geschichte in einer vergleichsweise realistischen mittelalterlichen Welt erzählt wird.
Klima glaubt, dass sich die Branche seitdem allerdings weniger verändert hat, als er gehofft hatte. Viele Spiele seien seiner Ansicht nach noch immer vor allem „Spiele für Teenager“. Mit 16 oder 17 Jahren könnten solche Machtfantasien besonders reizvoll sein, während die tatsächliche Zielgruppe von Videospielen inzwischen deutlich älter geworden sei.
Dabei betonte Klima ausdrücklich, dass seine Kritik nicht gegen einzelne aktuelle Rollenspiele wie Clair Obscur: Expedition 33 gerichtet sei. Vielmehr kritisiert er die grundsätzliche Tendenz der Branche, erfolgreiche Konzepte immer wieder zu verwenden.
Als Beispiel nennt Klima Ubisoft. Er habe unter anderem die ersten Teile von Assassin’s Creed, Far Cry und Watch Dogs gespielt und diese durchaus gemocht. Wenn ähnliche Konzepte jedoch zum zehnten Mal verwendet würden, verliere die Formel für ihn ihren Reiz.
Die handwerkliche Qualität der Ubisoft-Spiele stellt Klima dabei nicht infrage. Animationen, Modelle und der technische Zustand seien häufig hervorragend. Er würde diese Qualität allerdings gerne häufiger mit innovativeren Spielideen verbunden sehen.
Gleichzeitig zeigt Klima Verständnis für die Situation großer Publisher. Bei Entwicklungsbudgets in Millionenhöhe bedeuten Experimente schließlich ein erhebliches finanzielles Risiko. Eine einfache Lösung für dieses Problem habe auch er nicht.
Seine zentrale Forderung bleibt dennoch bestehen: Eine älter werdende Spielerschaft könnte auch von Rollenspielen profitieren, die häufiger auf erwachsenere Geschichten, ungewöhnlichere Rollen und weniger vorhersehbare Machtfantasien setzen.
