Shopify und StarCraft: Gibt es parallelen zum Geschäftsmodell und dem RTS?

Shopify Starcraft
© Blizzard

Ich habe mich in den letzten Tagen der großen Korrektur an den Aktienmärkten vermehrt mit der Shopify-Aktie befasst, die ich dann im Zuge meiner Recherchen aufgestockt habe. Meine Feststellungen zum Unternehmen sind durchweg positiv und vor allem positiv aufgefallen ist mir der Gründer Tobias Lutke, ein deutscher welcher in Kanada schließlich Shopify gegründet hat. Er selbst ist leidenschaftlicher StarCraft II-Fan und Blogbeiträge beschäftigen sich sogar mit dem Thema, wie StarCraft dem E-Commerce-Unternehmen geholfen hat, so erfolgreich zu werden. Doch kann ein Videospiel wirklich dafür sorgen, ein milliardenschweres Unternehmen auf die Beine zu stellen? Genau mit dieser These möchte ich mich in diesem Beitrag befassen. Ich möchte zunächst Nongaap Investing danken, welcher mir die Vorlage für diesen Artikel geboten hat. In seinem Artikel geht er darauf ein, welche Parallelen er zum Geschäftsmodell von Shopify und StarCraft II zieht.

Schon vor langer Zeit bin ich auf einen sehr interessanten Artikel gestoßen, der sich damit befasst, wie vor allem StarCraft geholfen hat, das eigene Unternehmen bzw. die eigene Karriere zu optimieren. Viele Gamer sind in der Zeit groß geworden, in dem das Internet langsam auf dem Vormarsch war, weshalb sehr viele junge Menschen direkt in diese Internetkultur reingewachsen sind. Viele, die World of Warcraft, Counter-Strike oder eine der beiden RTS-Urgesteine gespielt haben, haben direkt verstanden, wie Twitter, Facebook, Google oder Skype funktioniert. Man selbst hat immer versucht seinen eigenen Clan oder seine Gilde im Web zu platzieren und mithilfe von Social-Media oder einer eigenen Homepage zu rum zu verhelfen – Fähigkeiten, die bis heute nicht jeder Unternehmer kennt und deshalb noch heute gefragter sind denn je.

Leiter einer Gilde, einer Community oder eines Clans zu sein lehrt einem selbst sehr viel über Projektmanagement, Ressourcenverteilung, Werbung machen und sich Gedanken dazu machen, was man potenziellen Spielern oder Mitgliedern eher bieten kann als andere. Eine unfassbar schwere Aufgabe. Wie wichtig alleine das friedliche und nicht toxische Klima innerhalb einer Community ist zum Beispiel. Während wohl kaum ein guter Entwickler oder eine gute Entwicklerin gerne bei Activision Blizzard arbeiten wollen würde, würden sie viel lieber bei Unternehmen wie Apple, Microsoft oder kleinen Starups arbeiten, die ein gutes Image genießen. Alleine dieser Faktor bildet in meinen Augen bessere Projektleiter aus, als die Universitäten es jemals könnten – kleine Übertreibung am Rande, aber im Prinzip ist es so.

Shopify-Gründer und CEO Tobias Lütke ist ein großer StarCraft-Fan und sagte eins: „Ich bin der festen Überzeugung, dass ich durch das Spielen von StarCraft mehr über den Aufbau von Unternehmen gelernt habe als durch Geschäftsbücher“ und das sind doch mal Worte, die genau meine These von oben bestärken.

Doch sind Videospiele wirklich ein treibender Faktor hinter einem erfolgreichen Unternehmen? Ich bin mir fast sicher, dass Jeff Bezos, Warren Buffet oder Bernad Anault keine Videospiele spielen und trotzdem haben sie ein großes Unternehmen aufgebaut. Und ich bin auch der festen Überzeugung, dass wenn zum Beispiel der Shopify-Gründer seine Zeit nicht in StarCraft, sondern in schlaue Bücher, Sport oder die Weiterbildungen gesteckt hätte, ebenso Shopify zu dem Unternehmen gemacht hätte, wie es heute ist.

Mittlerweile sind Videospiele einfach in der Jugendkultur sehr stark verankert und es ist sehr wahrscheinlich, dass ein Unternehmensgründer irgendwann mal gezockt hat, als es nicht getan zu haben. Ich würde also nicht sagen, dass unbedingt Videospiele dafür sorgen, dass man ein besserer und erfolgreicherer Unternehmer wird. Ich habe in einem mittelständischen Betrieb in der Nähe meiner Heimat meine Ausbildung gemacht und der Chef und Gründer war selbst ein Gamer. Nach und nach habe ich herausgefunden, dass in der Firma immer mal mit den Mitarbeitern größere LAN-Partys veranstaltet und das für eine sehr gute Stimmung innerhalb des Unternehmens geführt hat. Auch der Gründer und Inhaber selbst spielte mit. Ebenso spielte er privat selbst und veranstaltete öfters große Siedler-Lans mit seinen Freunden im örtlichen DGH. Sicherlich besteht auch hier eine Verbindung zwischen dem Koordinieren der Versorgungskette in Siedler, wie auch zu seinem Unternehmen.

Aber es gibt auch andere starke Indikatoren zwischen dem Unternehmen Shopify und der Liebe zu StaCraft der kanadischen Online-Shop-Lösung. Ich erspare mir die Zeichenfüller rund um das Spielprinzip zu StarCraft, welche Rassen es gibt, wo ihre Stärken und Schwächen liegen oder was Makro- und Mikromanagement bedeutet. Ich denke, dass ich aber vermehrt auf die Zerg-Rasse eingehen werde, da diese vom Shopify-Gründer selbst gespielt wird. Dabei rolle ich die Aspekte des oben erwähnten Beitrages auf.

Shopify
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Eine wichtige Komponente im Zerg-Gameplay ist der sog. Creep-Spread. Mithilfe einer Königin können Tumore auf Creep-Boden platziert werden, die hauptsächlich von Zerg-Gebäuden erzeugt werden, wenn sie gebaut werden. Dieser Tumor ermöglicht es jedoch, normalen Boden in Creep zu verwandeln. Wird der Tumor jedoch zerstört, bildet sich der Creep zurück. Es ist deshalb üblich, dass man mehrere Tumore gleichzeitig platziert und sie nach und nach immer weiter nach vorne ausbreiten lässt. Das erfordert sehr viel Multitasking, weil man nebenbei noch seine Armee, Wirtschaft und Forschungen koordinieren muss. Trotzdem sollte man diesen Creep niemals vernachlässigen, weil deine Einheiten auf diesem wesentlich schneller sind und Leben regenerieren können. Und diese Mechanik ähnelt sehr dem Geschäftsmodell von Shopify.

Ein Händler ist alleine nicht gerade mächtig sich gegen einen Gegner wie Amazon durchzusetzen und Amazon hat über Jahre die Händler – selbst auf ihrer eigenen Plattform – stark geschwächt. Shopify ist in der Position das zu ändern und schafft es einzelne Händler zu verbinden, eine Community aus einzelnen Händlern zu bauen und diese zu stärken. Händler können durch Shopify viel mehr Macht bekommen, weil keine Großmacht mehr wie Amazon die Preise im Internet bestimmt.

Sobald ein neuer Händler sich auf Shopity anmeldet, sich einen Shop einrichtet und mit seinem Produkt Geld verdienen möchte, wird er in das Ökosystem und die Community von Shopify aufgenommen und dieses Prozedere wiederholt sich wieder und wieder. Es spawnt also stetig neuer Creep, der sich in der Welt des E-Commerce ausbreitet. Wie auch in StarCraft werden die Zerg – je weiter das Spiel voranschreitet – stärker und stärker, weshalb man sie vor allem im frühen Stadium des Spiels aufhalten muss. Shopify wurde nicht aufgehalten, sie haben sich ein Burggraben aufgebaut und ist in meinen Augen kaum mehr aufzuhalten. Alle Shopify-Händler sind ein großer Schwarm, der es schafft sich gegen die Großmacht – Amazon und Ebay – durchzusetzen, weil sie zusammenhalten und deutlich schneller neue Händler am Markt gespawnt werden können. Nongaap Investing bringt noch deutlich mehr Referenzen zu StarCraft und Shopify, die ich aber oftmals sehr stark an den Haaren herbeigezogen finde.

Natürlich kann man von StarCraft – und von jedem beliebigen anderen Spiel – Parallelen zum wahren Leben aufzeigen, diese kann man aber ebenso gut auf den Sport, auf das Puzzeln oder das Zeichnen übertragen. Sich ständig neu anpassen zu müssen, seine Strategie anzupassen, nach jeder Niederlage weiter machen und seine Fehler zu analysieren, mit Zerg langfristig denken, weil sie im späteren Spielverlauf die stärksten sind – Alles Phrasen, die man wie bereits erwähnt ebenso auf Sport, Lesen, Zeichnen oder andere Freizeitaktivitäten anwenden könnte.

Ich denke, nicht, dass Tobias Lütke mit seiner Aussage lügt, aber eben auch aus Marketing-Zwecken solche Aussagen tätigt. Mit solchen Sprüchen hat er sich innerhalb kurzer Zeit in der Gaming-Community – die eben ein sehr großer Markt im Internet ist – beliebt gemacht und kann auch durch diese Menschen einen unglaublichen Talent-Pool von guten Programmierern abgreifen. Ich denke schon, dass er StarCraft und Videospiele liebt, glaube aber wie am Anfang erwähnt, dass ihm Bücher oder Seminare ebenso viel Erfolg gebracht hätten wie Videospiele. Der Gründer vom Blog alexdanco.com hat über seine Erfahrung bei Spotify geschrieben und auch hier erläutert er, wie wichtig Gaming innerhalb der Firmenkultur ist und wie Spiele wie beispielsweise Factorio dabei helfen, das Unternehmen zu verbessern.

Schach, Sudoku, Kreuzworträtsel und ebenso Videospiele – alles Beschäftigungen, welche die grauen Gehirnzellen anstrengen, um vermutlich leistungsfähiger zu werden. Alleine Videospiele bringen aber kein erfolgreiches Unternehmen auf die Beine.

Über MuSc1 501 Artikel
Mein Name ist MuSc1 und ich bin der Gründer und Betreiber von gamerliebe :) Auf meinem Blog geht es vorrangig um das Thema Selbstständigkeit, Arbeiten und Geld verdienen in der Gaming-Branche. Dabei fokussiere ich mich vor allem auf die Gaming-Branche und Aktien von Videospiel-Unternehmen.

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