Cancel Culture at its best – CEO von G2 Esports muss Organisation verlassen

Ocelote Andrew Tate
© Ocelote / Andrew Tate

Heute ist es mal wieder Zeit ein paar Worte über ein Thema zu reden, die Cancel Culture at its best zeigt. Vor einigen Tagen ist auf den sozialen Netzwerken mal wieder ein Vulkan ausgebrochen, der seine feuer spuckende Lava über einen der bekanntesten und erfolgreichen Esport-CEOs gespuckt. Nicht nur der Grund des Shitstorms ist völlig grotesk, sondern das, was danach passierte. Denn Riot Games hat von heute auf Morgen dafür gesorgt, dass Carlos “ocelote” Rodríguez Santiago nicht länger Teilhaber seines eigenen Lebenswerkes sein darf. Doch fangen wir erst einmal bei Stunde 0 an. Wer ist ocelote überhaupt?

Angefangen mit League of Legends im Profi-Team SK Gaming, zeichnete sich schnell ab, dass er vor allem mit dem Streaming erfolgreich ist. Bereits im Jahr 2013 verdiente ocelote rund 600.000 Euro durch Merchandise und Streaming. Schon damals hatte er mehr als 10.000 Zuschauer, obwohl Twitch gerade erst in den Kinderschuhen steckte. Als Profispieler selbst hat er verhältnismäßig wenig verdient. Zwar war er auf internationalen Bühnen, verdiente aber lediglich durch sein Preisgeld rund 21.000 Euro. Er kristallisierte sich also sehr schnell heraus, dass die Menschen ihn aufgrund seiner Persönlichkeit lieben, schauen und unterstützen.

Im Jahr 2014 gründete er dann ein eigenes Unternehmen und wie soll es auch anders sein, entschied er sich eine eigene Esport-Organisation aufzubauen. Gamers2, wie das Team heißt, wurde dann im Jahr 2015 offiziell in G2 Esports umbenannt. Die Holding-Gesellschaft wurde im Übrigen in Berlin gegründet. G2 Esports ist also faktisch eine deutsche Organisation. Wie in einem Bilderbuch ist das Team über die Jahre sehr erfolgreich geworden und gehört heute zu den Top Teams der Welt. Immer wieder können sie in League of Legends, Valorant oder Counter-Strike in den bedeutendsten Turnieren Erfolge verzeichnen. Auch die eigenen Spieler loben die Arbeit der Organisation und ocelote genießt generell einen guten Ruf in der Szene und in seiner eigenen Organisation.

Auch im Jahr 2022 sollte die Erfolgsgeschichte weitergehen. Denn das Team vom Spanier schaffte sich für die League of Legends Worlds zu qualifizieren, woraufhin er ein Video auf Twitter teilte, wo er ausgelassen feiert. Dabei war Adrew Tate zu sehen, ein äußerst kontroverser Internet-Mensch, der mit vermeidlich frauenfeindlichen Äußerungen auf Plattformen wie TikTok, YouTube und Twitter auf sich aufmerksam macht. Ich denke, ich muss ihn nicht großartig vorstellen.

Bereits dieser Post sorgte dafür, dass die Stimmung in der Szene massiv kippte. Nicht nur Fans, sondern auch eigene Spielerinnen und Spieler kritisierten den Schritt von ocelote, sich mit einer Person wie Tate zu zeigen. „Wir sind so viel mehr“ oder „ich bin maßlos enttäuscht von Carlos“ sind nur einige, wenige Reaktionen zu dem Video. Diese Stimmen gingen an Carlos natürlich nicht einfach so vorbei und so reagierte er prompt. In einem Tweet sagte er: „Niemand wird jemals in der Lage sein, meine Freundschaften zu überwachen Hier ziehe ich meine Linie Ich feiere mit wem zum Teufel ich will“. Ein Tweet, den er besser nicht hätte absetzen sollen.

Denn nach diesem Tweet begann das wahre Drama in dieser Geschichte. Denn Riot Games hat ebenso schnell reagiert und ocelote auf die schwarze Liste gesetzt und damit gedroht, sein Team aus dem Turnier auszuschließen. Aber auch seinen Geschäftsführerposten musste er räumen, um dem Team keine Probleme mehr zu bereiten.

Doch dass es Kritik von den Fans und der Szene gibt ist nicht das größte Problem der Sache. Es ist nichts neues, dass man in der Szene gecancelt wird, wenn man alleine den Namen Andrew Tate in den Mund nimmt. Das ist kein Problem der Gaming-Szene perse, sondern generell ist es so, dass man ins Hornissennest sticht, wenn man Aussagen von Andrew Tate relativiert oder gar seine Person öffentlich lobt. Es ist selbstverständlich erlaubt Andrew Tate scheiße zu finden und ihn zu canceln, aber einen Menschen der mit ihm abhängt?

Doch von wem exakt wird man gecancelt? Ocelote wird gecancelt von Riot Games. Riot Games, ausgerechnet jenes Unternehmen, was wie kein zweites geschafft hat, die Sexismusskandale innerhalb des eigenens Konzerns totzuschweigen. Das gleiche Unternehmen was parallel während es Ocelot mundtot macht, auf saudi Arabische Sponsoren hofft und damit akzeptiert, Menschenrechte zu verletzen.

Ich bin für freie Marktwirtschaft und ich bin der Letzte, der Riot Games vorschreibt, mit wem sie zusammenarbeiten möchten und mit wem nicht. Selbst wenn ein Team fair und ehrlich nach den Regeln von Riot Games die Qualifikation für eine Teilnahme oder eine Partnerschaft oder ähnliches erreicht, hat Riot immer noch das Recht zu entscheiden, ob sie sich mit dieser Partei vertraglich auseinandersetzen möchten oder nicht. Es steht außer Frage, dass das nicht die feine englische Art wäre und sogar sehr asozial, aber es wäre von Riot Games erlaubt.

Sie stellen nicht nur das Produkt, sondern auch die Infrastruktur zur Verfügung. Aber wenn ein Unternehmen eine Begründung abgibt, warum sie mit dem Team nicht zusammenarbeiten möchten, dieser Grund aber selbst dem Unternehmen vorgeworfen werden kann, ist das in meinen Augen mehr als fragwürdig. Auch der CEO von Riot selbst, war bereits in einem Sexismus-Skandal verwickelt.

Hinzu kommt, dass Riot Games selbst geplant hat eine Kooperation mit Neom einzugehen, einer Organisation, die komplett in den Händen vom Saudi arabischen Staat geht und hier wissen wir ja, wie es um die Menschenrechte steht. Nach einem gigantischen Backlash hat Riot Games diese Kooperation dann unterbunden. Ich denke also, dass Riot Games einmal mehr vor der Kritik eingeknickt ist, dabei aber mal wieder komplett ignoriert ist, wie Riot Games selbst an Heuchelei nicht zu überbieten ist. Vor allem aber auch jene, die Riot Games deshalb canceln möchten.

Es ist äußerst schade und sehr fragwürdig, dass in der heutigen Öffentlichkeit ein Mensch nicht an seinen Leistungen, sondern an einem gewissen moralischen Standard gemessen wird, welcher obendrein ein Doppelstandard darstellt in so vielen Ebenen und dies einfach überhaupt nicht berücksichtigt wird. Ohne ocelelote würden die meisten, die sich aktuell über ihn beschweren, nicht da sein, wo sie sind, weil der Esport heute gar nicht den Stellenwert hätte, den er hat. Seid lieber dankbar!

Über MuSc1 566 Artikel
Mein Name ist Lukas Mehling, aber online kennt man mich wohl eher als MuSc1. Ich bin der Gründer und Betreiber von gamerliebe.de. Auf meinem Blog geht es vorrangig um das Thema Selbstständigkeit, Arbeiten und Geld verdienen in der Gaming-Branche. Dabei fokussiere ich mich vor allem auf die Gaming-Branche und Aktien von Videospiel-Unternehmen.

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*