Blizzard Entertainment setzt seinen juristischen Feldzug gegen private World of Warcraft-Server fort. Nachdem das Unternehmen Anfang des Jahres bereits erfolgreich gegen Turtle WoW vorgegangen war, richtet sich die nächste große Klage nun gegen Project Ascension – einen weiteren der bekanntesten und größten privaten WoW-Server weltweit.
Die beim US-Bezirksgericht in Kalifornien eingereichte Klageschrift umfasst mehr als 50 Seiten und enthält eine Reihe schwerwiegender Vorwürfe. Blizzard wirft den Betreibern unter anderem Urheberrechtsverletzungen, die Verbreitung einer modifizierten Version von World of Warcraft sowie die kommerzielle Nutzung der eigenen Marken und Inhalte vor.
Blizzard sieht illegale Nutzung seiner Spielinhalte
Im Mittelpunkt der Vorwürfe steht der sogenannte „Ascension Client“. Laut Blizzard handelt es sich dabei um eine veränderte Version des offiziellen World of Warcraft-Clients, die Spielern den Zugang zu privaten Servern ermöglicht, ohne Battle.net oder ein aktives Abonnement nutzen zu müssen.
Nach Angaben des Unternehmens wurden dafür originale Spieldateien kopiert und verändert. Zudem sollen technische Schutzmaßnahmen entfernt worden sein, die eigentlich verhindern sollen, dass World of Warcraft außerhalb der offiziellen Blizzard-Infrastruktur betrieben wird.
Besonders aufmerksam verfolgt Blizzard dabei die Größe des Projekts. In der Klageschrift verweist das Unternehmen auf Aussagen von Project Ascension, wonach der Server mittlerweile mehr als eine Million Spieler erreicht haben soll. Das Projekt bietet verschiedene angepasste Spielerlebnisse auf Basis klassischer WoW-Versionen wie Vanilla, The Burning Crusade und Wrath of the Lich King an.
Blizzard argumentiert, dass diese Angebote in direkter Konkurrenz zu World of Warcraft Classic stehen und potenzielle Spieler von den offiziellen Servern abwerben könnten.
Fokus auf Betreiber und Einnahmen
Die Klage richtet sich nicht nur gegen das Projekt selbst, sondern nennt auch mehrere Personen, die nach Ansicht von Blizzard für Entwicklung, Betrieb, Vermarktung und Monetarisierung verantwortlich sein sollen. Darüber hinaus werden verschiedene Unternehmen aufgeführt, die angeblich für finanzielle und organisatorische Abläufe rund um Project Ascension genutzt wurden.
Ein zentraler Bestandteil der Vorwürfe betrifft das Geschäftsmodell des Servers. Blizzard macht geltend, dass Project Ascension durch Spenden sowie kostenpflichtige Zusatzangebote erhebliche Einnahmen erzielt. Spieler sollen durch finanzielle Beiträge Zugang zu besonderen Vorteilen, Belohnungen oder weiteren Dienstleistungen erhalten können.
Nach Ansicht des Publishers handelt es sich dabei um eine kommerzielle Verwertung von Inhalten, die auf dem geistigen Eigentum von World of Warcraft basieren.
Ungewöhnlich harte Vorwürfe
Besonders bemerkenswert ist die Aufnahme von Vorwürfen nach dem US-amerikanischen RICO-Gesetz. Diese Gesetzgebung wird normalerweise in Fällen eingesetzt, in denen organisierte und koordinierte wirtschaftliche Aktivitäten untersucht werden.
Blizzard vertritt die Auffassung, dass die beteiligten Personen als strukturierte Organisation zusammengearbeitet hätten, um Software zu entwickeln, zu verbreiten und wirtschaftlich zu nutzen, die gegen die Eigentumsrechte des Unternehmens verstoße. Die Anwendung des RICO-Gesetzes gilt in Verfahren gegen private Spieleserver als ungewöhnlich und unterstreicht die Bedeutung, die Blizzard dem Fall beimisst.
Darüber hinaus verweist die Klage auf die technische Infrastruktur von Project Ascension. Blizzard behauptet, dass Teile der Hosting-Dienste mit einem russischen Anbieter in Verbindung stehen könnten, der in der Vergangenheit aufgrund mutmaßlicher Verbindungen zur Cyberkriminalität von US-Behörden sanktioniert wurde.
Blizzard erhöht den Druck auf die Private Server-Szene
Mit der Klage gegen Project Ascension setzt Blizzard seinen harten Kurs gegen große private World-of-Warcraft-Projekte fort. Der Erfolg im Verfahren gegen Turtle WoW dürfte die Position des Unternehmens zusätzlich gestärkt haben und könnte als Vorlage für weitere juristische Schritte dienen.
Blizzard fordert die Einstellung sämtlicher Aktivitäten rund um Project Ascension sowie Schadensersatz, dessen genaue Höhe erst im Laufe des Verfahrens festgelegt werden soll. Eine offizielle Stellungnahme der Betreiber liegt bislang nicht vor.
Fest steht jedoch schon jetzt: Der Konflikt zwischen Blizzard und den Betreibern privater World-of-Warcraft-Server erreicht damit eine neue Eskalationsstufe und könnte weitreichende Folgen für die gesamte Szene haben.
Quelle: aftertime.es
