Der Hype ist vorbei: War es das mit dem Geldverdienen im Esport?

Esport am Ende
© Overwatch League

Esport – ein ganz großes Thema. Aber nicht mehr lange? Seit Monaten kriselt es in der Branche und so manch einer spricht schon vom Untergang des Esports. Was liegt im Argen und was ist dran an den düsteren Prophezeiungen? Der Esport könnte tatsächlich vor dem Untergang stehen, jedenfalls in der Art und Weise, wie wir ihn bislang kennen.

Das Ende der Overwatch League

In der Gerüchteküche brodelte es eine ganze Weile, Anfang November gab es dann die offizielle Bestätigung: Activision Blizzard hat die Overwatch League eingestellt. Zwar liegt die Vermutung nahe, dass die Übernahme von Microsoft das Ende der Overwatch League mit sich brachte, doch scheint dieses tatsächlich schon länger in Aussicht zu stehen – nur bekanntgegeben hatte man es eben bis dahin nicht.

Wie es in einem offiziellen Statement hieß, hätte man sich dazu entschieden, sich von der Overwatch League zu trennen, um das kompetitive Overwatch in eine neue Richtung zu entwickeln. Seither tappen wir dahingehend im Dunkeln.

Nach 20 Jahren: Drastische Entscheidung bei der ESL

Doch damit nicht genug. Auch bei der ESL ging man dazu über, den Rotstift anzusetzen. Bereits im September machten die Verantwortlichen publik, dass die nationalen Ligen nach nun mehr 20 Jahren eingestellt wurden.

Als Begründung gab man an, dass es sich beim Esport um grenzenlose Turniere handle und diesem Gedanken nationale Ligen widersprechen. Inzwischen sei außerdem ein Punkt erreicht, an dem die Herangehensweise mit nationalen und internationalen Ligen zu Problemen bei der Organisation führe.

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Wenngleich man einräumte, dass deutsche und polnische Teams weiterhin die Gelegenheit hätten, sich während des IEM Cologne Championship und des IEM Katowice Championship zu präsentieren und man anerkennt, dass die nationalen Ligen dem Esport in den Anfangsjahren massiv auf die Sprünge geholfen hatten, ist dies ein herber Schlag. Auch das Trostpflaster, es werde Spielraum für regionale und nationale Wettbewerbe geben, hilft darüber kaum hinweg, zumal die ESL-Verantwortlichen direkt mitteilten, dass sie darauf nicht länger aktiv den Fokus legten.

Esport für Sportler und Orgas zu teuer

Bei der ESL und der Overwatch League handelt es sich nur um zwei Beispiele, die in der jüngsten Vergangenheit klarmachten, dass es im Esport nicht mehr ganz so läuft. Die Esport-Landschaft wird von einem solcher Erdbeben nach dem anderen erschüttert, mal fällt dieses kleiner aus, mal macht es ordentlich Rumms.

Und woran liegt es? Wie so häufig hat es mit dem lieben Geld zu tun. Und ein Mangel dessen ist gleich in mehrfacher Hinsicht der Grund dafür, weshalb es im Esport schlecht läuft.

Wenn ihr euch jetzt in Anbetracht der teils immensen Preisgelder fragt, wie es sein kann, dass im Esport Geld knapp ist, dann lest am besten direkt weiter – das Problem ist schließlich ein äußerst spannendes und facettenreiches.

Lizenzen sind teuer

Wer eine Esport-Veranstaltung ausrichtet, steht vor einem riesigen Problem und dieses Problem heißt „Geldbeschaffung“. Eine Veranstaltung verschlingt Unsummen; der Veranstaltungsort muss gebucht, die Infrastruktur für das Event aufgebaut und ein attraktives Preisgeld ausgeschrieben werden. Damit seien nur ein paar Kostenfaktoren genannt.

Um in der Planung überhaupt soweit zu kommen, steht eine Esport-Veranstaltung aber noch vor einer ganz anderen Herausforderung: Entgegen anderen beliebten Sportarten wie Fußball, American Football, Basketball und Co. ist man im Esport darauf angewiesen, eine Lizenz, also eine Genehmigung, vom Publisher zu erhalten, um überhaupt eine Veranstaltung ausrichten zu dürfen, denn die dem Esport zugrundeliegenden Spiele sind allesamt urheberrechtlich geschützt. Dass eine solche Lizenz nicht günstig ist, dürfte einleuchten.

In einem in den vergangenen Monaten viel diskutierten Video von Hit oder Shit, in dem man sich des Themas ebenfalls annahm, ist die Rede davon, dass eine Esport-Veranstaltung ohne Sponsoren überhaupt nicht machbar sei – und dennoch scheinen Esport-Veranstaltungen ein immenses Draufzahlgeschäft darzustellen. Insbesondere, und auch das wird in dem Video betont, da zum Beispiel Sportarten wie Fußball viel Geld für den Eintritt nehmen. Dahingehend sind Esport-Veranstaltungen für das Publikum recht günstig, was das Finanzierungsproblem nicht gerade löst.

Sponsoren fanden sich, mal seriöse, mal gänzlich unseriöse. Jeder wollte mitmischen, mit dabei sein, bei diesem Trend-Sport, der noch in Kinderschuhen steckte und das nächste Millionen- und Milliardengeschäft hätte sein können. Doch hauptsächlich wanderten die Millionen in den Sport, Gewinn erzielten die wenigsten.

Die Blase platzt – viel Hype um nichts?

Der Esport wurde in den vergangenen Jahren massiv gehypt, aber was steckte tatsächlich dahinter? Lukrative Veranstaltungen und Chancen für aufstrebende Teams sich hier eine goldene Nase zu verdienen scheinen es jedenfalls nicht zu sein. Tatsächlich werden – wie das Ende mehrerer Ligen – die Chancen für aufstrebende Teams aktuell immer schlechter.

Schon in der Vergangenheit wurden Startplätze in beliebten Turnieren für viel Geld verkauft. Wer das Geld – teilweise Millionenbeträge – nicht hat, kann nicht teilnehmen. Sich wie im traditionellen Sport ganz klassisch durch Leistung und viel harte Arbeit nach oben kämpfen: nahezu unmöglich.

Und selbst wer sich nach oben kämpft, macht sich nicht unbedingt einen Namen. Esportler, so bekannt sie in diesen Kreisen auch sein mögen, werden darüber hinaus kaum bekannt und das zeigt ein weiteres Problem auf: Esport mag zwar unglaublich gehypt worden sein, der breiten Masse fällt dieser Sport aber weiterhin kaum auf oder bleibt im Kopf, weshalb es gerade für aufstrebende Teams problematisch ist, seriöse Sponsoren zu finden. Wer investiert langfristig, nun, da der anfängliche Hype vorbei ist, in einen Sport, der nur einer verhältnismäßig kleinen Blase ein Begriff ist und dessen Gesichter hauptsächlich auch nur diese Blase kennt?

Kommt das Aus mit der Börse?

Der Esport, wie wir ihn bislang kannten, könnte tot sein – mindestens jedoch pleite. Wie Content Creator und Esport-Team-Inhaber Veni erklärte, könnte FaZe als einziges börsennotiertes Esport-Team der letzte Sargnagel gewesen sein. Mit Unsummen wurde FaZe in Verbindung gebracht, doch die schlechten Neuigkeiten ließen nicht lange auf sich warten. Nachdem zunächst alles ganz prächtig aussah, ging aus dem Geschäftsbericht hervor, wie mau die Einnahmen des Teams über das Jahr tatsächlich waren – und die Investoren suchten nach neuen Möglichkeiten, zu investieren, fernab des Esports.

Wenngleich aktuell unklar ist, wie es mit FaZe weitergeht, könnte mit dem Börsengang des Teams der Abstieg des Esports besiegelt worden sein. Der Hype jedenfalls ist vorbei. Investoren und Sponsoren überlegen zweimal, ob sie Geld in den Esport investieren.

Ist der Esport am Ende?

Der Esport ist ein ganz besonderer Teufelskreis. Wie auch aus dem Hit oder Shit-Video hervorgeht, wurden zwar Unsummen in Veranstaltungen gesteckt, die großen Gewinne blieben jedoch aus. Wer keinen Gewinn erzielt, kann wiederum nicht investieren, das Interesse daran, weiterhin Sponsoring im Esport zu betreiben, bleibt aus.

Esport selbst dürfte durchaus überleben, nicht als Massenveranstaltung, sondern als Hobby, in dem es wieder ausschließlich um den Sport, nicht ums Finanzielle geht. Wer Geld mit Esport oder dem Gaming verdienen möchte, der wird künftig eher neue Wege gehen müssen. Wie die aussehen, ist aktuell noch weitestgehend unklar, aber Content Creation scheint auch für Esportler und Gamer weiterhin – und zunehmend – unerlässlich zu sein. Sich dort durchzusetzen und als Influencer oder Marke einen Namen zu machen, ist aufgrund der Masse an Inhalten und der Zahl der Mitbewerber ebenfalls sehr schwer und sollte eine definitiv nicht zu unterschätzende Herausforderung darstellen. Eine jedoch, der man sich auch schon mit zu Beginn noch kleinen Budgets stellen kann.

Die Zukunft des Esport

Möchte der eSport eine Zukunft haben, muss sich dieser neuerfinden. Doch selbst wenn Konzepte aussichtsreich klingen, ist nicht immer gesagt, dass diese auch in die Tat umgesetzt werden können. Nicht vergessen sollte man schließlich: Weiterhin haben die Publisher ein Wörtchen mitzureden – und sagen die Nein, kann die Idee noch so gut sein, die Veranstaltung kann nicht stattfinden.

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Mein Name ist Lukas Mehling, aber online kennt man mich wohl eher als MuSc1. Ich bin der Gründer und Betreiber von gamerliebe.de. Auf meinem Blog geht es vorrangig um das Thema Selbstständigkeit, Arbeiten und Geld verdienen in der Gaming-Branche. Dabei fokussiere ich mich vor allem auf die Gaming-Branche und Aktien von Videospiel-Unternehmen.

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