Wenn Liniscooler über ihre Anfänge beim Streamen spricht, klingt es fast so, als wäre der Wunsch schon immer da gewesen. Mit gerade einmal zwölf Jahren sah sie ihren ersten Livestream und wusste sofort: Das will ich auch machen. Nicht, weil es nach einem „einfachen Job“ aussah, sondern weil sie spürte, dass Streaming genau die Dinge vereint, die ihr am Herzen liegen: Zocken, kreativ sein und Menschen unterhalten.
Trotzdem dauerte es lange, bis sie den Schritt wirklich wagte. An ihre allererste Übertragung kann sie sich kaum erinnern, aber die Gefühle sind ihr geblieben: Nervosität, Zweifel, die Angst, peinlich zu wirken. „Gerade wenn im Chat nichts los war, war es schwer, nicht in völlige Stille zu verfallen“, erzählt sie. Doch schnell stellte sich heraus, dass die Sorgen unbegründet waren. Neue Leute fanden ihren Stream, sie hatte Spaß beim Zocken – und die vermeintliche „Peinlichkeit“ blieb aus.

Besonders ihr Faible für Horrorspiele hat sie geprägt. Doch statt nach „dem einen perfekten Horrorgame“ zu suchen, schätzt sie die Vielfalt des Genres: von blutigem Gore bis zu subtiler Psycho-Spannung. Wichtig sind ihr vor allem Jumpscares, die sich langsam aufbauen, eine bedrückende Atmosphäre und eine gute Story. Ein Spiel hat sie dabei besonders berührt: The Town of Light. Ohne laute Schockmomente, dafür mit einer erschütternden, traurigen Geschichte – ein Titel, der sie bis heute begleitet. „Immer wenn ich den Soundtrack höre, muss ich weinen“, sagt sie lachend und zugleich ernst.
Heute ist Streaming für Liniscooler mehr als nur ein Hobby. Sie beschreibt es als eine Möglichkeit, gleich mehrere Leidenschaften auszuleben: das Spielen, die Kreativität – etwa beim Design eigener Emotes und Overlays – und vor allem den Entertainer-Part. „Ich liebe es, andere zum Lachen zu bringen und zu unterhalten. Wenn Zuschauer sagen, dass sie mich vermisst haben, oder wenn lustige Clips entstehen, dann weiß ich, warum ich das mache.“
Doch Liniscooler ist nicht nur Horror. Montags etwa wird es bei ihr gemütlich: „Cozy Monday“ nennt sie den wöchentlichen Kontrast zu Schreckmomenten und Adrenalinkicks. Dann stehen niedliche Spiele, Story-Games oder auch mal Dokumentationen auf dem Plan. „Montag ist doch sowieso ein doofer Tag – da tut etwas Entspannung einfach gut.“
Ihr Stream versteht sich dabei als Safespace. Für Liniscooler bedeutet das, dass jeder willkommen ist – unabhängig von Herkunft, Sexualität oder mentaler Gesundheit. Wer etwas teilen möchte, darf das, solange die Regeln eingehalten werden. „Man muss keine Angst haben, beleidigt oder bewertet zu werden. Auch stille Zuschauer sind okay. Egal wie es einem geht – mein Stream soll ein Rückzugsort sein.“
Dass ihre Community diesen Anspruch teilt, spürt sie immer wieder. Besonders in Erinnerung geblieben ist ihr der Moment, als mehrere Zuschauer sagten, wie sehr sie sie nach einer Pause vermisst hätten. „Da wurde mir bewusst, dass ich nicht so irrelevant bin, wie ich dachte.“
Natürlich gibt es auch Schattenseiten – etwa unangemessene Kommentare oder sexuelle Anspielungen im Chat. Zum Glück sorgen ihre Moderatoren schnell für Ordnung. „Beleidigungen nehme ich mir nicht zu Herzen, aber solche Nachrichten hinterlassen schon Spuren“, gibt sie offen zu. Dennoch schafft sie es, solche Situationen zu kommunizieren, sich abzulenken und weiterzumachen.
Ein perfekter Stream-Abend sieht für Liniscooler dann so aus: ein spannendes Horror- oder ein gemütliches Spiel, ein aktiver Chat, vielleicht neue Zuschauer, etwas zu trinken und eine Kuscheldecke. „Und am Ende gemeinsam eine Doku schauen und Abendessen – das ist einfach schön.“
Doch auch sie kennt Tage, an denen die Motivation fehlt – verstärkt durch ihre Depressionen. Dann informiert sie ihre Community auf Discord und verschiebt den Stream. Manchmal gibt es auch Ersatz in Form von kurzen Doku-Sessions mit Pizza. Ihr Publikum zeigt Verständnis: ein weiterer Beweis für das enge Band zwischen Streamerin und Zuschauern.
Auf große Zahlen schielt Liniscooler nicht. Zwar wären 1000 Follower ein schönes Etappenziel, doch wichtiger sind ihr Aktivität, Spaß und die Weiterentwicklung ihres Contents. Für das kommende Jahr wünscht sie sich, dass ihr „Cozy Monday“ zu einem festen Ritual wird, mehr Clips und Videos entstehen und ihre Community weiter wächst – ohne dass das vertraute Bubble-Gefühl verloren geht. „Solange ich Spaß habe, bin ich auf dem richtigen Weg.“