KaddiCosplay: „Seid nicht beschämt Geld für eure Arbeit zu nehmen“

KaddiCosplay
© Michel Takuma Cosplay

Mein heutiger Gast ist in der Cosplay-Szene kein unbekannter Name und ist vor allem durch ihre starke Präsenz in den sozialen Medien ein gern gesehener Gast für Interviews. Ich bin sehr froh, stolz aber auch überrascht, dass sie heute in diesem Artikel ihren großen Auftritt hat: herzlich willkommen KaddiCosplay! Ich selbst freue mich sehr, wenn euch dieser Artikel gefällt, motiviert, inspiriert oder anderweitig weiterhilft. Wie immer bei diesem Format geht es um das Thema Selbstständigkeit, was vor allem für Künstler, Streamer wie auch leidenschaftliche Gamer nützlich ist. Was mich besonders für den Kontakt mit Kaddi motiviert hat ist, dass sie eine Cosplayerin ist, die nicht auf Patreon oder Onlyfans zurückgreift und dennoch beweist, dass es eben auch ohne möglich ist, eine große Reichweite aufzubauen. Auch das ist ein Thema, was im Folgenden erläutert wird. An dieser Stelle möchte ich euch noch einmal explizit auf meinen Cosplay-Anfängerguide aufmerksam machen. Auch hier habe ich bereits die Ehre gehabt, ihre Hilfe zu beanspruchen. Ich möchte aber nicht länger um den heißen Brei herum reden, sondern nun zum eigentlichen Thema des Beitrags kommen.

Kaddi ist wohnhaft in Bayern und ist bereits seit vier Jahren als Cosplayerin aktiv und legt ihren Fokus vor allem auf das Make-up ihrer Charaktere. Wie vermutlich viele kleine Mädchen saß auch die junge Cosplayerin damals gespannt vor den TV-Kanälen und hat Sailor Moon oder Jeanne die Kamikaze Diebin geguckt und sah in ihnen ein Vorbild. Natürlich steht bei solchen Charakteren der Heldenaspekt im Vordergrund, doch so haben sie die Outfits schon immer besonders stark angesprochen. Als sie schließlich 18 Jahre alt war, genug Zeit und Geld gehabt hat, hat sie sich schließlich an ihr erstes Cosplay gemacht. Am Anfang hat sie ihre Kostüme noch selbst genäht, allerdings findet sie schon damals eher weniger Freude in der Näherei und so setzte sie ihre Prioritäten schnell auf Wig-Styling, Make-up und das Planen von Shootings. „Das einzige, was dann oft noch anfällt ist umnähen, damit es mir auch passt, oder ganz selten auch etwas neu nähen. Ich habe beispielsweise die Hose von meinem Jack the Ripper Cosplay zusammen mit meiner Oma selbst genäht“, verrät sie. Auch wenn sie für ihre Kostüme gefeiert wird, so sieht sie sich noch lange nicht als Profi an.

© Aleksander Photography

Ihren ersten Kontakt zu Videospielen hat sie dank ihres Bruder bereits mit sechs Jahren gehabt. Schließlich hat sie dann auf ihrem eigenen Computer den Blizzard-Klassiker WarCraft gespielt. Auch wenn mein Gast nicht der typische hardcore Gamer ist, so hat sie doch mit den Spielen Final Fantasy, The Legend of Zelda und Grandia ihre Lieblingsspiele gefunden. Sonst spielt sie das, was so anfällt. Gerne sind die Menschen die das hier gerade lesen dazu eingeladen, bei ihr im Stream vorbeizuschauen.

Mit unglaublichen 163.000 Followern auf Instagram ist die Cosplayerin eine wahrliche Größe in der Szene. Trotz dieser Leistung und einer derart hohen Reichweite von denen die meisten wohl nur träumen können, gibt sich die junge Anime-Anhängerin bescheiden: „Ich glaube ich hatte einfach Glück. Ich war einfach manchmal zur richtigen Zeit am richtigen Ort und habe manchmal einfach den Algorithmus gut erwischt″, sagt sie. „Es gibt keine richtige Methode, die ich angewendet habe. Ich habe einfach nur das getan, was mir Spaß gemacht hat. Von meinen Followern allerdings bekomme ich oft gesagt, dass sie meine Follower-Interaktionen sehr schätzen, also ich mir Zeit nehme, alle Fragen zu beantworten etc. Vielleicht ist das eine der Gründe, warum manche Leute mir gerne folgen.″

Während am Anfang ihrer Karriere noch skeptische Blicke und blöde Sprüche das einzige Problem waren, so wachsen mit zunehmendem Erfolg und Bekanntheit eben auch weitere, neue Probleme heran. Deshalb richtet sie ein Appell an alle Cosplay-Anfänger: „Leute sind leider oft nicht sehr nett. Aber ich finde, man wird trauriger sein, wenn man es nicht probiert, als wenn man es tut und sich eine Minderheit von Leute sich darüber lustig machen. Ich finde es unglaublich schlimm, wenn in einem eine Leidenschaft brodelt, die man nicht ausleben kann.″ Weiter sagt sie: „Wenn man den Schritt dazu wagt, dann öffnen sich ganz viele, wundervolle Türen, die alle negativen Kommentare wettmachen können. Ich habe in den vier Jahren so tolle Erfahrungen gemacht und wahnsinnig liebe Menschen kennengelernt, was ich für nichts eintauschen wollen würde.″

Bekanntheit und Einfluss in der Szene bringt viel Gutes mit sich, doch leider häufen sich auch negative Nachrichten. Wie leider jede Frau, die auf Social Media Bilder postet, bekommt auch Kaddi sexistische Kommentare. „Oftmals ist es bloß Aufmerksamkeit, sie wollen dich runterziehen und dir destruktive Kritik, gar Beleidigungen an den Kopf werfen″, weshalb sie ihren Feed auch mit aufklärenden Worten schmückt, die aktuell sind. Das beste Mittel gegen solche Menschen ist, dass man sie einfach blockiert, wie sie mir verrät.

Kaddi Cosplay
© Aleksander Photography

Mittlerweile kann die junge Cosplayerin Gott sei Dank sehr gut von ihrer Tätigkeit und ihrem Hauptberuf leben. Dennoch bleibt das Verkleiden in andere Charaktere bloß ein Hobby: „Ich denke, das würde mich viel zu sehr unter Druck setzen.″ Denn ist man erstmal selbstständig, muss man seine Fans und Follower auf den sozialen Medien mit regelmäßigem Content versorgen, Streamen, Videos hochladen und gleichzeitig noch für Events vor Ort sein. Man sollte sich also zweimal überlegen, ob man dieses Hobby wirklich zum Hauptberuf ernennen sollte. Aber trotzdem gibt Kaddi wichtige Tipps für Selbstständige: „Seid nicht beschämt, wenn ihr Geld für eure Arbeit verlangt. Viele Shops bieten euch zwar relativ schnell kostenlose Produkte an, aber immer im Gegenzug für Bilder. Dieser Tausch ist aber meistens unverhältnismäßig! Mehrere professionelle Bilder, Videos und Posts auf den sozialen Netzwerken für eine 20 Euro teure Perücke – das rechnet sich nicht. Alleine für das Schminken, das richtige Make-up, und weitere Stunden für das Bearbeiten der Bilder gehen oftmals mehrere Stunden drauf. Ein Stundenlohn von weniger als dem Mindestlohn!

Sie sagt, dass es leider viele Cosplayer gibt, die eben dieses Angebot annehmen, weshalb diese Shops auch immer wieder ohne große Kosten eben sehr gute Werbung bekommen. Doch man kann es den oftmals unerfahrenen Künstlern auch nicht verübeln. Als Cosplay-Künstler hat man wenig Möglichkeiten Geld zu verdienen, vor allem wenn man wie Kaddi Cosplay mithilfe von Patreon oder OnlyFans auf exklusiven Content für zahlende User verzichtet. Um wirklich ein stabiles Nebeneinkommen mit Prints, Merch oder eigenen Produkten zu verdienen, benötigt man eine sehr große Reichweite, das dauert viele Jahre. Doch warum genau verzichtet KaddiCosplay genau auf solche Seiten wie Patreon und Onlyfans? „Früher hatte ich eine sehr negative Haltung gegenüber diesen Seiten, mittlerweile verurteile ich niemanden mehr, der darauf zurückgreift. Eine der Gründe warum ich es nicht mache ist, weil ich einfach konservativ aufgewachsen bin und ich meine intimen Körperstellen nur meinem Partner zeigen möchte. Es würde sich nicht richtig anfühlen, meine intimen Stellen der gesamten Welt zu zeigen.″

Kaddi Cosplay Lux
© AZ Production

Doch es gibt dennoch einige Punkte, die ihr weniger gut an diesen erotischen Cosplays gefällt: „Manche Menschen, die sich nicht so gut mit Cosplay auskennen, könnten ein falsches Bild entwickeln. Sex verkauft sich einfach besser, weshalb Künstlerinnen auch eher schneller Reichweite aufbauen. Kaddi erzählte mir sogar, dass sie mal von einer 15-Jährigen eine Nachricht bekommen hat, die sehr gerne mit dem Cosplay anfangen wollte, sich jedoch nicht bis auf die Unterwäsche ausziehen will.

Dieses junge Mädchen dachte wirklich, dass erotische Shootings zu dieser Kunst dazugehören müssen. Kaddi führte weiter aus: „Ich habe sie dann natürlich erstmal aufgeklärt, dass das nur ein Teil von Cosplay ist und dass es keine Regeln gibt und sie sich selbst aussuchen kann, was sie cosplayen möchte. Ich glaube, es wäre daher produktiver etwas mehr zu differenzieren und Ero-Cosplay auch als Ero-Cosplay zu betiteln und nicht einzig und alleine Cosplay.″ Doch sie als Teil der Szene hat natürlich auch liebe Worte zu geben. „Es ist schön, dass es mittlerweile so viele Unterkategorien bei diesem Hobby gibt. Das hilft Menschen einfach viel besser zu verstehen, was diese Leidenschaft auszeichnet und jeder kann sich selbst seine Nische suchen.″

 

 

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