Die Vor- und Nachteile einer digitalen Gamescom

Digitale Gamescom
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Heute habe ich für euch mal wieder einen kleinen Gastbeitrag im Petto. Geschrieben ist er von Claudia Wendt, die die Seite games-und-lyrik.de betreibt. Neben einem eigenen Buch und einem eigenen Podcast kann sie auch auf eine langjährige Erfahrung als Redakteurin zurückblicken. In dem Beitrag hat sie sich mit der Frage auseinandergesetzt, welche Vorteile und welche Nachteile eine digitale Gamescom bzw. ähnliche Events haben und ob solche Veranstaltungen nicht sogar die Zukunft sind. Zum Beispiel hat auch Activision Blizzard andeutungen gemacht, mehr und mehr auf eine Online-Variante ihrer Blizzcon zu setzen. Viel Spaß mit diesem spannenden Thema!

Die digitale Devcom und Gamescom als Knotenpunkte

Spieler, Entwickler und Publisher treffen bei dem Großereignis: Der Gamescom jährlich zusammen. Nicht so seit letztem Jahr, seit dem die Corona-Pandemie der Messe und allen Beteiligten einen Strich durch die Rechnung macht. Keine Zelte, keine nächtlichen Gamingtreffen, kein Laufen, bis man denkt, man braucht ein neues Paar Füße.

Reine Digitalität

Die Gamescom und die internationale Entwicklerkonferenz, sind seit letztem Jahr rein digital. Das führt mitunter zur Distanzierung von Unternehmen wie Nintendo, die auf eine Teilnahme verzichten, weil ihre Spieler die Spiele „vor Ort“ ausprobieren sollen. Was verändert die Digitalität an dem Event so sehr, das große Unternehmen wie Nintendo meinen, darauf verzichten zu können?

Kein Massenandrang

Bunte Bilder und Aufsteller, gigantische Hallen gefüllt mit Leuten und Spiele zum Ausprobieren, machten die Gamescom immer zu einem Großereignis. Als Pressemitglied hat man das Glück der Pressetage, sodass man nicht mit dem Massenansturm durch die Entertainment-Area laufen musste. Meist versuchte ich die Spiele und Entwickler, die mich besonders interessierten, zu besuchen, bevor die Öffentlichkeit hereinkam. Ja: Das hat durchaus Vorteile. Der Massenandrang ist etwas, das die Gamescom in Pandemiezeiten zur Unmöglichkeit macht. Ich erinnere mich, dass ich selbst nach den Pressetagen durch die Menschenmengen vom einen Ende zum anderen Ende wandern musste. Für eine digitale Gamescom spricht also deutlich dafür, dieses Problem zu verhindern.

Die Persönlichkeit fehlt

Erst nach den Pressetagen ging ich in den Business-Bereich oder vereinbarte Interviews, sodass ich gezielt Stände ansteuerte oder die Business-Area erkundete. Wonach ich suchte? Spontan nach neuen Entwicklern zum Vorstellen und ihren innovativen, lustigen und unterhaltsamen Spielen. Ja, die Persönlichkeit fehlt, denn du trittst dem Entwickler nicht persönlich gegenüber. Es gibt keine Hefte mit Spieleübersichten, keinen Austausch von Visitenkarten, keine kleinen oder großen Geschenke vonseiten der Entwickler, damit ich sie positiv in Erinnerung behielt. Dieser Aspekt fehlt mir an der digitalen Gamescom. Ist es das, was Nintendo dazu bewegt die Gamescom nicht mitzumachen?

Das Spieletesten

Interessant für mich war zu den ersten beiden Gamescomjahren, in denen ich war, und die noch vor Ort stattfanden, nicht nur das Testen von Spielen. Mit dem Spieleentwickler an einem Stand zu stehen und auf Englisch über sein Spiel zu sprechen, während wir es zockten, machte einen besonderen Reiz aus. Der andere Aspekt ist ein Gefühl für die Konsolen zu bekommen und ich vermute, gerade darauf setzen die Unternehmen. Einmal eine Nintendo Switch oder eine PS5 ausprobiert zu haben, eine Oculus oder VR auf dem Kopf gesetzt zu bekommen oder wie ein Vogel in einem Ganzkörpersimulator umherzufliegen, macht die Gamescom so besonders. So besonders, dass du als Spieler entscheidest, diese Konsole haben zu wollen und dein Einkommen auf ihren Kauf sparst.

Die Events

Es gibt keine Events wie auf der Gamescom. Wo bleibt die Happy Hour, wenn du gerade zufällig bei einem Pavillon der Entwickler vorbeikommst? Mit einmal klingelt eine Glocke und es werden Sekt, Orangensaft und Schokolade verteilt. Konzerte finden nicht statt, zum Leben erweckte Charaktere laufen durch die Hallen und die Entwickler veranstalten die unterschiedlichsten Shows. Das fehlt eindeutig und das ist ein weiterer Aspekt, der die Gamescom besonders macht.

Die Devcom

Für die Devcom kann ich leider keinen Vergleich ziehen, da ich vor Ort bisher noch nicht dabei war. Auf PINE werden Schulungen, Kurse und Vorträge als Videos eingestellt, die man sich zur Not auch später anschauen kann. Der Kontakt mit den Entwicklern wird über Videochats hergestellt, die per Kalender terminiert werden. Ein oder zwei Stichworte und die Entwickler präsentieren dir ihr Spiel. Ich finde diesen Aspekt der Devcom vorteilhaft und nachhaltig, was die Weiterbildung angeht.

Der Kongress

Auch der Gamescom-Kongress äußert sich in digitalen Vorträgen. Man sieht die Personen nicht vor Ort und kann sich mit den Autoren oder Vortragenden nicht so kurzschließen, wie beim persönlichen Gespräch. Fehlt da nicht etwas? Während für viele gar der unpersönliche Kontakt wichtiger ist, glaube ich nicht, dass man auf einen persönlichen Augenkontakt verzichten kann. Wie in meinem nächsten Punkt erwähnt, ist eine digitale Gamescom, wo persönliche Gespräche wegfallen nicht für alle Beteiligten ein Vorteil.

Der Knotenpunkt

Die Gamescom, die Devcom und der Kongress fehlen als Knotenpunkte vor Ort. Aber ich finde die Lösung der Veranstalter für die digitale Präsentation sehr gelungen. Ich rede hier nicht über die Opening Night Life und Business-Meetings, die in Videochats stattfinden. Die digitale Darstellung äußert sich in Form von Pavillons, präsentierten Firmen und Schulungen. Neue Spiele bekommen zumindest eine Plattform, auch wenn sie es niemals mit der Vorortspräsentation adäquat aufnehmen können (da wir bis jetzt leider noch keine holografischen Darstellungen besitzen), aber es gibt Hoffnung auf eine Zeit, in der man Entwicklern, Publisher, Investoren und Spielern wieder persönlich begegnen kann.

Eine Hoffnung auf eine Zeit nach der Pandemie, in der einem die Füße vom Laufen schmerzen, man um fünf aufsteht, um sich bis Abends um zehn die Füße wundzulaufen, und am Ende mit einer Beute von zwei Beuteln und einem Rucksack voll mit Visitenkarten, Unterlagen und kleinen Geschenken vom Zeltplatz aus, nach Hause zu fahren. In dem Sinne freue ich mich trotzdem dieses Jahr auf eine digitale Gamescomveranstaltung, auf der ich neue Firmen kennenlerne, neue Entwickler, alteingesessene Entwickler wiedertreffe und trotzdem den Kontakt halte, um nächstes Jahr vielleicht auch wieder Vorort dabei zu sein.

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