Electronic Arts (EA) gehört zu den größten Videospielunternehmen der Welt. Mit erfolgreichen Marken wie Battlefield, Die Sims, EA Sports FC und Apex Legends hat sich der US-amerikanische Publisher über Jahrzehnte eine bedeutende Position in der Gaming-Branche aufgebaut. Doch EA ist nicht nur für erfolgreiche Spiele bekannt, sondern auch für die Übernahme und anschließende Schließung zahlreicher Entwicklerstudios.
Die Liste ist mittlerweile so lang, dass in der Gaming-Community häufig vom „EA-Friedhof“ (EA Graveyard) gesprochen wird. Gemeint sind Entwicklerstudios, die von Electronic Arts übernommen und später geschlossen, aufgelöst oder in andere Unternehmensbereiche integriert wurden. Darunter befinden sich einige der einflussreichsten Spieleschmieden der Gaming-Geschichte.
Diese bekannten Entwicklerstudios gehören zum EA-Friedhof
Westwood Studios (1985–2003)
Westwood gilt als einer der Pioniere des Echtzeitstrategie-Genres. Mit Spielen wie Dune II und der legendären Command & Conquer-Reihe schrieb das Studio Videospielgeschichte. EA übernahm Westwood 1998 und schloss das Unternehmen nur fünf Jahre später. Teile der Belegschaft wurden in andere EA-Studios integriert.
Bullfrog Productions (1987–2001)
Das von Peter Molyneux mitgegründete Studio war für innovative Spiele wie Dungeon Keeper, Theme Park, Populous und Syndicate bekannt. Nach der Übernahme durch EA im Jahr 1995 verlor Bullfrog zunehmend seine Eigenständigkeit und wurde 2001 vollständig in die Unternehmensstrukturen integriert.
Origin Systems (1983–2004)
Mit Ultima, Wing Commander und Ultima Online gehörte Origin zu den bedeutendsten Entwicklern seiner Zeit. Besonders im Bereich der Rollenspiele und Onlinewelten setzte das Studio neue Maßstäbe. Electronic Arts kaufte Origin 1992 und schloss das Unternehmen 2004.
Pandemic Studios (1998–2009)
Pandemic entwickelte unter anderem die ursprünglichen Star Wars: Battlefront-Spiele, Mercenaries und Destroy All Humans!. Im Jahr 2007 wurde das Studio von EA übernommen. Bereits zwei Jahre später folgte die Schließung im Zuge umfangreicher Sparmaßnahmen.
Visceral Games (1998–2017)
Ursprünglich als EA Redwood Shores gegründet, wurde Visceral Games vor allem durch die Survival-Horror-Reihe Dead Space bekannt. Nach Problemen bei der Entwicklung eines neuen Star-Wars-Spiels schloss Electronic Arts das Studio 2017. Besonders unter Fans klassischer Singleplayer-Spiele sorgte die Entscheidung für heftige Kritik.
Maxis Emeryville (1987–2015)
Maxis revolutionierte mit SimCity und Die Sims das Simulationsgenre. EA übernahm das Unternehmen 1997. Nach dem umstrittenen Start von SimCity im Jahr 2013 wurde der traditionsreiche Standort Emeryville zwei Jahre später geschlossen. Die Marke Maxis und die Entwicklung der Sims-Reihe bestanden jedoch weiter.
EA Black Box (1998–2013)
Das kanadische Studio prägte mit Need for Speed: Underground, Underground 2 und Most Wanted eine ganze Generation von Rennspielfans. Darüber hinaus entwickelte Black Box die erfolgreiche Skate-Reihe. EA übernahm das Studio 2002, bevor es nach mehreren Umstrukturierungen 2013 geschlossen wurde.
EA Phenomic (1997–2013)
Das deutsche Entwicklerstudio wurde insbesondere durch SpellForce und BattleForge bekannt. Nach der Übernahme durch EA im Jahr 2006 konzentrierte sich Phenomic zunehmend auf Browser- und Onlinespiele wie Lord of Ultima und Command & Conquer: Tiberium Alliances. 2013 folgte die Schließung.
Mythic Entertainment (1995–2014)
Mythic machte sich insbesondere mit dem MMORPG Dark Age of Camelot einen Namen. Electronic Arts übernahm das Studio 2006 und veröffentlichte später unter anderem Warhammer Online: Age of Reckoning. Im Jahr 2014 wurde Mythic geschlossen.
Playfish (2007–2013)
Playfish spezialisierte sich auf Social Games für Plattformen wie Facebook. Besonders erfolgreich waren Restaurant City, Pet Society und The Sims Social. EA kaufte das Unternehmen 2009, stellte später zahlreiche Spiele ein und löste das Studio 2013 auf.
DreamWorks Interactive / Danger Close Games (1995–2013)
Das ursprünglich als DreamWorks Interactive gegründete Studio war maßgeblich an der Entstehung der Medal of Honor-Reihe beteiligt. EA übernahm es im Jahr 2000. Nach mehreren Umbenennungen und Umstrukturierungen wurde Danger Close Games 2013 aufgelöst und ein Teil der Mitarbeiter in andere EA-Teams integriert.
Industrial Toys (2012–2023)
Das von Bungie-Mitgründer Alex Seropian gegründete Studio konzentrierte sich auf Mobile Games. EA übernahm Industrial Toys 2018. Nach der Einstellung von Battlefield Mobile wurde das Studio 2023 geschlossen.
Cliffhanger Games (2023–2025)
Cliffhanger Games wurde 2023 von EA gegründet, um ein neues Singleplayer-Spiel rund um Marvels Black Panther zu entwickeln. Doch bereits 2025 stellte Electronic Arts das Projekt ein und schloss das Studio, noch bevor dessen erstes Spiel erscheinen konnte.
Weitere ehemalige EA-Entwickler sind unter anderem NuFX, Hypnotix und Headgate Studios, die nach ihren Übernahmen in andere EA-Abteilungen integriert oder später geschlossen wurden.
Warum schließt Electronic Arts so viele Entwicklerstudios?
Die Gründe für die zahlreichen Studioschließungen sind unterschiedlich. Häufig spielen wirtschaftliche Erwartungen, steigende Entwicklungskosten, enttäuschende Verkaufszahlen oder strategische Neuausrichtungen eine entscheidende Rolle.
Kritiker werfen Electronic Arts seit Jahrzehnten vor, erfolgreiche Entwicklerstudios aufzukaufen, deren Marken und Technologien zu übernehmen und die ursprünglichen Teams anschließend aufzulösen. Dadurch gingen nicht nur bekannte Namen, sondern teilweise auch die kreative Identität und Eigenständigkeit traditionsreicher Studios verloren.
Allerdings lässt sich nicht jede Schließung ausschließlich auf EA zurückführen. Einige Entwickler hatten bereits zuvor wirtschaftliche Schwierigkeiten, während andere im Zuge größerer Umstrukturierungen zusammengelegt wurden.
Der EA-Friedhof ist kein Einzelfall
Electronic Arts ist längst nicht der einzige Publisher, der bekannte Entwicklerstudios geschlossen hat. Auch Microsoft, Sony, Warner Bros. und die Embracer Group haben in der Vergangenheit traditionsreiche Spieleschmieden aufgelöst.
Beispiele dafür sind Lionhead Studios (Fable), Ensemble Studios (Age of Empires), Monolith Productions (Mittelerde: Mordors Schatten) und Volition (Saints Row). Diese Studios gehören allerdings nicht zum eigentlichen EA-Friedhof, da sie anderen Publishern unterstanden.
Ein Friedhof voller Gaming-Legenden
Der EA-Friedhof zeigt, wie viele einflussreiche Entwicklerstudios im Laufe der vergangenen Jahrzehnte verschwunden sind. Westwood, Bullfrog, Origin und Visceral Games haben mit ihren Spielen ganze Genres geprägt und Millionen von Spielern begeistert.
Viele ihrer bekanntesten Marken existieren bis heute weiter, doch die ursprünglichen Entwicklerteams dahinter sind längst Geschichte.
Der EA-Friedhof steht damit sinnbildlich für eine der umstrittensten Entwicklungen der Gaming-Industrie: Selbst erfolgreiche und traditionsreiche Studios sind nicht vor einer Schließung geschützt.
