Unvorteilhaft für Creator: Twitch plant angeblich mehr Werbung

Twitch Vergütung
Foto: Marco Verch | ccnull.de | CC-BY 2.0

Twitch sorgt aktuell in der Szene für einen großen Aufschrei. Laut Twitch-Insidern sollen auf die Zuschauer wie auch auf die Content-Ersteller große Änderungen zu kommen, die die Nutzererfahrung auf der Seite massiv stören können. Dabei geht es um das Schalten von mehr Werbung und die Veränderung der Subscription-Einnahmen. Die letzte große Änderung, wodurch die Sub-Preise von Usern für Streamer angepasst wurden, macht sich bei vielen Partnern zwar kaum bis gar nicht bemerkbar, auf der anderen Seite beklagen jedoch ebenso einige von ihnen, dass sich diese Änderung negativ auf ihre Einnahmen auswirkten. Kaum ein Streamer berichtet, dass diese Änderung positiv für die Umsätze waren. Diese Umstellung hat schon damals für große Skepsis gesorgt und Twitch versprach, dass sich an den Einnahmen nichts ändern wird.

Jetzt bahnt sich eine weitere Änderung an, die Twitch mehr Gewinne einbringt, jedoch auf Kosten der Nutzer und Streamer geht. Twitch möchte das Modell der Werbung so verändern, dass der Content-Creator mehr Anzeigen schaltet. Doch noch weitere Änderungen sollen angeblich umgesetzt werden. Zum Beispiel soll eine Senkung der Abonnementeinnahmen stattfinden.

Das Unternehmen plant demnach, die Abonnement-Einnahmen der Partner-Streamer von 70 Prozent auf 50 Prozent zu reduzieren. Laut Insidern wird jedoch ein Stufen-Modell diskutiert, in welchem sich die Partner nach und nach hocharbeiten können und dadurch eben mehr oder weniger Geld verdienen können. Twitch überlegt auch, dass sie den Partnern die Exklusivität aufheben, wodurch sie auch auf anderen Plattformen streamen könnten.

Das Streaming von Inhalten wird immer beliebter, erlebt aktuell aber in meinen Augen eine Sättigung. Das Paradebeispiel Netflix wie auch Disney schauen sich nach Alternativen um, um ihre Gewinne steigern bzw. überhaupt halten zu können. Ich denke, dass aus diesem Grund auch Twitch sich darüber im Klaren ist, dass sie unbedingt profitabler sein müssen, um auch langfristig ihre Stellung im Markt zu halten.

Twitch hat die Qual der Wahl: Profitabler werden oder im Gegenzug die Nutzer verärgern? Laut einem Bloomberg-Artikel – und ich denke, dass das die Community wie auch die Partner selbst sehen – hat Twitch den Bezug zu den Wünschen und Bedürfnissen der eigenen Zuschauerschaft und der Partner verloren.

Das aktuelle Modell sieht vor, dass je nach Standort des Streamers zwischen 3,50 und 5,00 US-Dollar für 1000 Werbeanzeigen bezahlt werden. Hier hat Twitch bereits versucht, andere Wege zu gehen und hat in diesem Jahr folgendes Modell getestet: Streamer, die mindestens 40 Stunden pro Monat streamen, können 100 US-Dollar für zwei Minuten Werbung pro Stunde erhalten. Je mehr Werbeminuten jedoch geschaltet werden, desto mehr verdient der Streamer dadurch zusätzlich. Ein anderes Modell – was ebenso in der Überlegung war – ist eine Umsatzbeteiligung, wodurch der Anreiz solche Werbung zu schalten für den Streamer enorm wäre.

Jeder leidenschaftlicher Zuschauer auf Twitch kennt die Situationen, dass wichtige und spannende Momente im Stream durch einen Werbeblock verpasst werden. Und trotzdem sind viele Content-Ersteller eben auf diese Verdienstmöglichkeit angewiesen, weil Subscriptions alleine oftmals nicht reichen.

Das Angebot – wie Menschen ihre Freizeit verbringen – wird größer und größer. Microsoft, Sony, Netflix, Disney, Twitch und auch YouTube kämpfen händeringend um unsere Freizeit und möchten uns deshalb das beste Angebot liefern, müssen aber gleichzeitig auch profitabel sein. Wie ich bereits oben beschrieben habe, experimentiert auch Netflix mit einem kostenlosen Angebot, wo der User jedoch Werbung in Kauf nehmen muss. Auch Xbox und Sony planen angeblich Werbung in ihren Spielen.

Während sich Twitch früher noch aktiv um seine Partner gekümmert hat und versucht hat, die Work-Life-Balance ihres Kapitals – seine Ersteller – zu unterstützen und neben Gesundheitsprogrammen auch eine Art Urlaubsmodus einzuführen, welcher die Kosten der Abos für die Zuschauer aussetzt, damit diese nicht abspringen. Ist der Streamer aus dem Urlaubsmodus zurück, fallen diese Kosten dann wieder an. Heute dreht sich alles um die Monetarisierung der Plattform – so zumindest der Vorwurf und der Eindruck, welchen die Amazon-Tochter vermittelt.

Viele Menschen lieben es, Zuschauer eines Twitch-Creators zu sein und lieben es ebenso, ein Teil seiner oder ihrer Community zu sein. Twitch hat die absolute Marktmacht in dem Bereich und aus diesem Grund denke ich, dass weder die Anzahl der Werbung noch die Summe der Bezahlung irgendwas daran ändern kann. Natürlich geht Twitch ein sehr großes Risiko ein und öffnet mit einem solchen Überschuss an Werbung, die Türen für potenzielle Konkurrenten. Die Frage ist: Wird diese Konkurrenz kommen?

YouTube ist in meinen Augen nicht mehr schaubar, weil vor jedem Video und mitten drinnen penetrante Werbung läuft. Und trotzdem hat man keine Alternative und seit Jahren hat sich kein anderes Angebot auf dem Markt durchsetzen können. Aus genau diesem Grund wird Alphabet an dieser Methode auch nichts ändern und sogar noch mehr Werbung schalten, solange die User sich nicht solidarisieren und sich dieser Sache hingeben. Ähnlich wird es auf leider auch auf Twitch sein.

Der Streamer streamt, verdient Geld und wenn er kein Geld mehr verdient, streamt er nicht mehr. Der User weiß, dass wenn er ein AdBlock benutzt oder nicht spendet, der Streamer nicht mehr streamt. Dadurch fällt für den User Unterhaltung weg. Sobald der Streamer existieren kann, profitiert der User ebenso (Win-win-Situation) und wenn der Streamer nicht mehr existieren kann, verliert der User guten Content und gute Unterhaltung (Lose-lose-Situation).

Aber Twitch liefert auch durchaus sinnvolle Funktionen. So soll in dem Sommer-Update auch enthalten sein, dass man problemlos mit einem anderen Zuschauer oder Chatmoderator online gehen kann, ohne dass dieser zwangsläufig am Streamen sein muss. Die Funktion mit Namen “Guest Star” kann mit den Features von Instagram und Tiktok verglichen werden, die man aktuell auf den entsprechenden Plattformen nutzen kann.

Über MuSc1 566 Artikel
Mein Name ist Lukas Mehling, aber online kennt man mich wohl eher als MuSc1. Ich bin der Gründer und Betreiber von gamerliebe.de. Auf meinem Blog geht es vorrangig um das Thema Selbstständigkeit, Arbeiten und Geld verdienen in der Gaming-Branche. Dabei fokussiere ich mich vor allem auf die Gaming-Branche und Aktien von Videospiel-Unternehmen.

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*