Microsofts bislang größte Umstrukturierung im Xbox-Geschäft hinterlässt tiefe Spuren bei Bethesda und seinen Entwicklerstudios. Besonders hart getroffen wurde dabei id Software, das traditionsreiche Studio hinter der DOOM-Reihe. Neue Dokumente bestätigen nun das tatsächliche Ausmaß der Entlassungen und werfen zugleich Fragen über die Zukunft mehrerer Spieleprojekte auf.
WARN-Dokument bestätigt 158 Entlassungen bei ZeniMax in Texas
Ein bei der texanischen Arbeitsbehörde eingereichtes WARN-Dokument bestätigt, dass die Xbox-Tochter ZeniMax Media insgesamt 158 Mitarbeiter in Texas entlassen hat.
Den größten Anteil der Kürzungen trägt dabei id Software in Richardson. Dort wurden 96 Beschäftigte vor Ort sowie weitere 40 Remote-Mitarbeiter entlassen. Insgesamt verliert das Studio damit 136 Mitarbeiter.
Weitere 22 Stellen entfallen auf Bethesda Game Studios in Austin.
Bemerkenswert ist zudem, dass 146 der 158 entlassenen Angestellten Mitglieder der Gewerkschaft Communications Workers of America (CWA) waren.
Rund die Hälfte von id Software soll betroffen sein
Bereits vor Veröffentlichung des offiziellen Dokuments berichteten mehrere Insider, dass rund 50 Prozent der Belegschaft von id Software ihren Arbeitsplatz verloren hätten.
Besonders schwer getroffen worden sein soll die Qualitätssicherung. Ehemalige Mitarbeiter bestätigten öffentlich, dass ganze QA-Teams aufgelöst wurden. Ein entlassener Entwickler sprach auf LinkedIn davon, das Studio werde erneut einer “Umstrukturierung” geopfert. Weitere Berichte zeichnen inzwischen ein noch drastischeres Bild.
Angeblich komplette Engine-Abteilung aufgelöst
Nach Informationen von Kotaku soll nahezu das gesamte Team hinter der hauseigenen id Tech Engine entlassen worden sein. Lediglich ein einziger Mitarbeiter soll verblieben sein.
Ein ehemaliger Entwickler beschreibt die Situation drastisch:
“Das gesamte technische Wissen ist praktisch verschwunden. id Tech könnte als Technologie für immer tot sein.”
Sollte sich diese Einschätzung bestätigen, hätte das erhebliche Auswirkungen auf zukünftige Projekte innerhalb Bethesdas.
DOOM: The Dark Ages erscheint – doch wie geht es weiter?
Ironischerweise fallen die Entlassungen mit der Veröffentlichung des DLCs DOOM: The Dark Ages – Revelations zusammen. Laut mehreren Berichten besitzt id Software derzeit kein offiziell genehmigtes neues Hauptprojekt.
Dabei arbeitete das Studio laut GamesBeat intern bereits an mehreren Ideen:
- einer neuen Koop- beziehungsweise Multiplayer-Version von DOOM
- Unterstützung für den Perfect-Dark-Neustart nach der Schließung von The Initiative
- Fury, einer neuen Marke mit John-Wick-inspirierter Gun-Fu-Action im Cyberpunk-Noir-Stil
- Ironwood, einem Survival-Western mit Robotern und Westworld-Einflüssen
Ob eines dieser Projekte jemals erscheint, gilt nach den Entlassungen als völlig offen.
Bethesda richtet sich künftig an seinen größten Marken aus
Parallel zu den Stellenstreichungen verschickte Bethesda-Chefin Jill Braff eine interne E-Mail an sämtliche Mitarbeiter.
Darin kündigt sie einen grundlegenden Strategiewechsel an. Künftig wolle Bethesda nicht länger jedes Studio unabhängig planen lassen. Stattdessen konzentriere sich das Unternehmen auf seine stärksten Marken.
Dazu zählen laut mehreren Quellen insbesondere:
- Fallout
- The Elder Scrolls
- DOOM
- Quake
- Wolfenstein
Talente, Technologien und Ressourcen sollen künftig studioübergreifend eingesetzt werden, um diese Franchises effizienter weiterzuentwickeln.
The Elder Scrolls VI könnte sich weiter verzögern
Auch Bethesda Game Studios blieb von den Entlassungen nicht verschont.
Laut IGN verloren dort mehr als 50 Entwickler, darunter Programmierer, Designer und Künstler, ihre Arbeitsplätze. Mehrere von ihnen sollen direkt an The Elder Scrolls VI gearbeitet haben.
Mitarbeiter berichten von einer stark gesunkenen Moral innerhalb des Studios. Besonders schwer wiegt der Verlust langjähriger Entwickler. Einer der Entlassenen arbeitete bereits seit The Elder Scrolls III: Morrowind bei Bethesda.
Insider warnen deshalb vor erheblichen Verzögerungen bei der Entwicklung des Rollenspiels.
Auch Obsidian Entertainment verliert zahlreiche Entwickler
Neben Bethesda traf es ebenfalls Obsidian Entertainment.
Nach übereinstimmenden Berichten wurden dort 60 bis 70 Entwickler entlassen. Betroffen sind nahezu sämtliche Bereiche – von Programmierung über Art und Design bis hin zu Produktion und Writing.
Mehrere langjährige Mitarbeiter mit über 20 Jahren Firmenzugehörigkeit bestätigten öffentlich ihren Arbeitsplatzverlust.
