Der ehemalige Overwatch-Direktor Jeff Kaplan hat seit seinem Abschied von Blizzard im April 2021 kein einziges Mal mehr Overwatch gespielt. In einem ausführlichen Interview mit GameSpot erklärte er, dass er auch die weitere Entwicklung des Helden-Shooters bewusst nicht verfolgt. Der Grund dafür sei vor allem seine eigene psychische Gesundheit.
Kaplan beschreibt seinen Abschied als eine nahezu „klinische Trennung“. Seine letzte Erinnerung an Overwatch stammt aus dem April 2021, als Echo der zuletzt veröffentlichte Held war.
„Ich habe das Spiel seit April 2021 buchstäblich nicht mehr gespielt. Wir hatten Echo hinzugefügt. Sie war der letzte Held. Und das ist meine Erinnerung an Overwatch – wie es sich im April 2021 angefühlt hat.“
Abschied von World of Warcraft war noch schwieriger
Die Entscheidung, sich vollständig von Overwatch zu distanzieren, hängt auch mit seinen früheren Erfahrungen bei Blizzard zusammen. Bereits 2008 hatte Kaplan das Entwicklerteam von World of Warcraft verlassen, um am später eingestellten Projekt Titan zu arbeiten.
Damals sei ihm der Abschied besonders schwergefallen, weil World of Warcraft einen wesentlichen Teil seiner persönlichen und beruflichen Identität ausgemacht habe. Rückblickend bezeichnet Kaplan diese Trennung sogar als schmerzhafter als seinen späteren Abschied von Overwatch.
Diese Erfahrung habe ihn darauf vorbereitet, sich von einem Spiel zu lösen, in das er über Jahre hinweg viel Zeit und Leidenschaft investiert hatte.
Jeff Kaplan vermeidet auch die Overwatch-Community
Seine Distanz beschränkt sich allerdings nicht nur auf das Spiel selbst. Kaplan vermeidet bewusst sämtliche Inhalte rund um Overwatch. Dazu gehören Diskussionen auf Reddit, YouTube-Videos und sogar die Suche nach seinem eigenen Namen im Zusammenhang mit dem Spiel.
Selbst Empfehlungsalgorithmen versucht er darauf hinzuweisen, dass er kein Interesse mehr an entsprechenden Inhalten hat. Obwohl Kaplan jahrelang als eines der bekanntesten Gesichter von Overwatch galt, möchte er heute nicht mehr ständig mit seiner Vergangenheit konfrontiert werden.
Dennoch blickt er keineswegs ausschließlich negativ auf seine Zeit bei Blizzard zurück. Besonders die Ankündigung von Overwatch auf der BlizzCon 2014 bezeichnet er bis heute als einen der schönsten Momente seines Lebens. Auch auf die damalige Arbeit seines Teams sei er weiterhin außerordentlich stolz.
Gleichzeitig betont Kaplan, dass Overwatch inzwischen den heutigen Entwicklern und Spielern gehöre. Er selbst möchte sich auf neue Projekte konzentrieren, statt an vergangenen Erfolgen festzuhalten.
Mit seinem neuen Entwicklerstudio Kintsugiyama arbeitet Kaplan inzwischen am Survival-Spiel The Legend of California, dessen Early-Access-Veröffentlichung nach aktuellen Planungen für 2027 vorgesehen ist.
