Jagex hat ein klares Langzeitziel formuliert: RuneScape soll eines Tages World of Warcraft als größtes MMORPG der Welt ablösen. Das erklärte CEO Jon Bellamy in einem Interview mit The Game Business. Zwar räumte er ein, dass zwischen beiden Spielen derzeit noch eine „große alte Lücke“ liege, doch genau deshalb wolle das Studio hoch hinaus. Wer sich ambitionierte Ziele setze, solle seiner Meinung nach auch direkt die Spitzenposition anvisieren.
Weniger Mikrotransaktionen
Ein wichtiger Baustein dieser Strategie war die Abschaffung der umstrittenen Treasure-Hunter-Mikrotransaktionen. Die Entscheidung kostete Jagex nach eigenen Angaben einen erheblichen Teil der RuneScape-Umsätze. Trotzdem sieht Bellamy den Schritt als notwendig an, um das Vertrauen der Community zurückzugewinnen und die Grundlage für zukünftiges Wachstum zu schaffen. Erstmals seit fast vier Jahren hätten sich die Mitgliederzahlen wieder stabilisiert.
Doch laut Bellamy reicht das allein nicht aus. Im vergangenen Jahr habe das Team gezielt an den Schwächen des Spiels gearbeitet, unnötige FOMO-Mechaniken reduziert und das Spielerlebnis verbessert. Der nächste Schritt sei nun, Inhalte zu liefern, die ehemalige und neue Spieler dauerhaft zurück nach Gielinor bringen sollen. Bereits auf dem RuneFest am 3. Oktober will Jagex dafür größere Neuigkeiten präsentieren.
Konsolen und China als neue Wachstumsmärkte
Mit RuneScape: Dragonwilds will Jagex die Marke erstmals auf PlayStation, Xbox und Nintendo bringen und damit Millionen ehemaliger RuneScape-Spieler auf Konsolen zurückgewinnen. Gleichzeitig entwickelt sich das Survival-Spiel auch international zu einem Erfolg. Statt der ursprünglich erwarteten 200.000 Verkäufe wurden bereits rund 1,3 Millionen Exemplare verkauft. Besonders überrascht zeigte sich Bellamy vom Erfolg in China: Nach dem Marktstart stammten zeitweise 41 Prozent aller Verkäufe aus dem Land. Für Jagex ist das ein Hinweis darauf, dass die RuneScape-Marke deutlich größeres internationales Potenzial besitzt als bislang angenommen.
Jagex konzentriert sich vollständig auf RuneScape
Passend dazu hat sich das Unternehmen zuletzt neu ausgerichtet. Jagex bezeichnet sich inzwischen selbst als „The RuneScape Company“ und trennt sich von Projekten außerhalb des Franchise. Statt mehrere Marken parallel zu verfolgen, konzentriert sich das Studio vollständig auf seine drei RuneScape-Spiele: das Hauptspiel, Old School RuneScape und das Survival-Spiel RuneScape: Dragonwilds. Bellamy sieht diesen Fokus als entscheidenden Vorteil, um RuneScape langfristig weiter auszubauen.
Auch Old School RuneScape entwickelt sich weiterhin äußerst erfolgreich. Laut Bellamy wurden in den vergangenen zwölf Monaten zahlreiche Rekorde gebrochen. Besonders überraschend: Rund die Hälfte aller aktiven Spieler hat zuvor noch nie ein RuneScape-Spiel gespielt. Das klassische MMORPG erreicht damit längst nicht mehr nur nostalgische Veteranen, sondern gewinnt auch eine neue Generation von Spielern hinzu.
Ob RuneScape World of Warcraft tatsächlich irgendwann vom MMO-Thron verdrängen kann, bleibt offen. Fest steht jedoch, dass Jagex seine Zukunft nicht mehr auf kurzfristige Monetarisierung, sondern auf langfristige Spielerbindung, neue Inhalte und den konsequenten Ausbau der Marke ausrichtet. Und gerade in einer Zeit, in welcher auch World of Warcraft am Strugglen ist, könnte RuneScape wichtige Stiche setzen.
