Nackte Haut für Patreons – Die Zukunft der Cosplay-Szene?

Cosplay Patreon
© rainbowmissy

Heute schreibe ich euch mal ein paar Gedankengänge zur aktuellen Cosplay-Szene nieder, da ich in letzter Zeit auf Twitter mitbekommen habe, wie sich die Fronten der Szene etwas verhärten. Wie auch beim Thema „Female Streamer“ entscheidet leider nun mal die Allgemeinheit, also der Markt, wie erfolgreich man damit werden kann.

Unabhängig ob die Qualität des Produktes nun gut ist, es einfach nur eine schöne Verpackung hat oder ob man es ohne Grund kauft, freie Marktwirtschaft lässt grüßen. Auch ich muss sagen, dass mich einige Sachen an der Szene stören. Auf der einen Seite bin ich für die Freiheit, dass jeder einfach das machen soll, was ihm gefällt und wo er selbst hinter stehen kann.

Wenn jemand damit dann auch noch Geld verdient und mit dem was dieser Person Spaß macht seine Miete und sein Studium zahlen kann, ist es umso schöner. Es ist für mich nichts Verwerfliches und diesen Erfolg erkenne ich dann auch neidlos an.

Doch die Dinge, die mich an der Szene stören, sind mir schon länger ein Dorn im Auge. Oftmals hat man den Eindruck, dass Cosplayerinnen sich nur verkleiden und in verschiedene Rollen und Kostüme schlüpfen, um einen Vorwand zu haben, sich sexy zu präsentieren. Wenn ihr Cosplays macht, wieso postet ihr ständig normale Bilder mit Ausschnitt?

Wieso geht es bei allen euren Social-Media-Kanälen ständig um euer Aussehen, aber viel weniger ums Cosplay? Für die meisten ist das Cosplay nur ein Steigbügelhalter, den ihr solange nutzt, bis eine gewisse Reichweite erzielt ist, um dann plötzlich eine Karriere als Modell oder Streamerin einzuschlagen.

 

Die Maschen von Jessica Nigri

Cosplay ist für viele Frauen bloß ein Vorwand, um sich sexy zu verkaufen (so macht es auf mich als neutrale Person zumindest den Eindruck) und das schlägt bei der Zielgruppe „männliche Gamer“ natürlich ein wie eine Bombe. Was wird wohl der Grund sein, warum Cosplaying vor allem im Gaming, -Anime- und Manga-Bereich so stark vertreten ist?

Ganz einfach: die Verbindung mit dem Charakter, der zusätzlich mit großen Körperproportionen ausgestattet wird. Sowas genießt man natürlich umso mehr, wenn eine echte Frau diesen Charakter verkörpert.

Viele Frauen wenden nämlich einen raffinierten Trick an. Sie suchen sich einen süßen und heiß aussehenden Charakter, welcher gerade einen großen Hype genießt (zum Beispiel Overwatch-Heldinnen) und cosplayen sie. Was macht eine schlaue und geschäftstüchtige Frau wie Jessica Nigri also?

Sie cosplayed Mei, aber natürlich nicht in dicker Winterjacke, sondern in einem Outfit wie man es von Jessica Nigri kennt.

 

Wenn Jessica Nigri sich also mal als Mei verkleidet, so hat sie plötzlich keine dicke Winterjacke mehr an, sondern ist plötzlich deutlich leichter gekleidet, als das Original. Dieses Phänomen nennt man dann einfach „Modifiziertes Cosplaying. Wir alle wissen, warum Jessica Nigri die wahrscheinlich bekannteste Cosplayerin ist, die die soziale Netzwerkwelt hergibt.

Wenn ihr den Namen Jessica Nigri mal auf Google eingibt, seht ihr wie sehr sie etwas mit Cosplay zutun hat. Man weiß doch direkt welches Spiel hier gespielt wird und damit rückt die gesamte Szene in ein schlechtes Licht.

Und dass die meisten Cosplayerinnen aus Europa scheinbar alle Wanna-be-Nigris sind, wundert es mich auch nicht, wieso Cosplayer so behandelt werden, wie sie z.T. auf Sozialen Netzwerken behandelt werden. Ihr wundert euch, wieso ihr des Öfteren sehr plumpe anmachen geschrieben bekommt? Werft wirklich mal einen Blick auf euch und betrachtet eure Seite neutral, wenn ihr nicht bereits wisst, dass ihr euch selbst mit diesen Mitteln profiliert.

Patreon Only Content – Muss oder Marketing-Witz?

Ich finde es auch extrem lustig, wie vor allem diese Cosplayerinnen sich über die weibliche Gaming-Szene auf Twitch beschweren. Obwohl sie genau aus den gleichen Gründen und den gleichen Aspekten profitiert wie ihr. Hinzu kommt meiner Meinung nach der sog.  „Patreon Only Content“.

Bei Patreon können Fans dem Künstler eine Spende da lassen und es ist dem Künstler selbst überlassen, ob er ab einem bestimmten Betrag oder einem bestimmten Ziel, weitere Extras an die Fans vergibt. Ich finde das etwas widersprüchlich, weil man einen Künstler ja aus freien Stücken supporten sollte und nicht, weil man dafür eine weitere Gegenleistung bekommt.

In dem Sinne ist Patreon eine wahre Verkaufsplattform. Die meisten Cosplayerinnen bieten dann spezielle Namensbilder oder Behind the Scenes-Bilder an, doch auch extra heiße Bilder, werden des Öfteren an die zahlenden Fans vergeben.

 

Wen wundert es also noch, dass die Leute darauf anspringen?  Natürlich muss man solche Bilder anbieten, denn würde man Bilder von sich in Kostümen raushauen, würden es wahrscheinlich deutlich weniger Menschen kaufen. So kommt es vor, dass man wie bei diesem Exemplar Cosplayernude“-Bilder bekommt. Vor allem aber ist es umso lustiger, dass man genau dieses Bild, was eigentlich „Patreon-Only-Content“ ist, auch öffentlich im Netz finden kann.

Dabei ist man als Cosplayer/in nicht mal unbedingt auf Patreon angewiesen. Es gibt heutzutage so viele Möglichkeiten. wie Partnerprogramme oder auch das Verkaufen von Prints. Doch auch was Prints angeht, finde ich, dass in gewisser Weise die treuen Fans etwas zu kurz kommen. Man lässt sich also diese Prints anfertigen, die kosten dann Betrag X.

Lässt man sich als Cosplayer/in was spenden, so bekommt man exklusiven Content. Ich persönlich habe noch keine Cosplay-Patreon-Seite gesehen, die ab einem gewissen Spendenbetrag eines Patreons, diese Bilder vom Kalender zum Beispiel veröffentlicht. In dem Moment, wo man Patreon-Content anbietet, spaltet man quasi seine eigene Fangemeinde.

 

Habt ihr zum Beispiel mal daran gedacht, dass es Leute gibt, die euch seit dem ersten Tag unterstützt haben, die aber vielleicht nicht bei Patreon-Donaten möchten, weil sie euch vielleicht oftmals in Streams Geld spenden oder euren Merch kaufen? Sollen diese Leute sich bloß mit einem „Dankeschön“ im Stream zufrieden geben und keinen exklusiven Content bekommen?

Denkt ihr nicht auch manchmal oder wisst ihr es gar schon, dass ihr nur wegen euren Exklusiv-Content Leute habt die euch supporten, aber nicht interessiert sind, euch mal auf einer Messe zu besuchen oder sich mal mit euch über eure neuen Cosplays zu unterhalten? Sind das Fans? Das müsst ihr selbst entscheiden. Und wenn ihr diesen „Fans“ dann lieber mehr Content gibt, weil sie dafür zahlen, sollte euch wirklich zu denken geben.

 

 

Wenn man Diskussionen auf Twitter über diese Thema verfolgt, so kommen Argumente wie „Man sollte zeigen was man hat“ oder das beste Argument ist „Neid“. Wenn man aber dann als weibliche Streamerin die gleiche Masche abzieht, so ist es verwerflich oder wenn eine Frau von einer Frau mit Nutte beleidigt wird, so ist Nutte wieder eine Beleidigung und man darf wiederum nicht das zeigen, was man hat?

Ich verstehe es einfach nicht, es ist doch Cosplaying und der Grund, warum ihr genau das zu hören bekommt, was ich euch im Absatz davor vorgeworfen habe. Ihr spielt immer Charaktere, die leicht bekleidet sind und wenn sie das nicht sind, nennt ihr es modifiziertes Cosplay und habt plötzlich einen kurzen Rock und einen hautenges Top an, statt einer dicken Winterjacke.

Die männliche Zielgruppe ist mit sowas leicht zu beeindrucken. Mich würde wirklich mal interessieren, wie viele euch folgen, weil sie eure Cosplays feiern und wie viele, die euch wegen eures Körpers feiern.

 

Was nun weniger mit der allgemeinen Szene der Cosplayer zu tun hat, sondern generell ein gesellschaftliches Problem ist, sich aber wie ein roter Faden durch die weibliche Gaming-Szene zieht, ist, dass Frauen sich immer selbst in eine gewisse Opferrolle drängen. Zum Beispiel beschweren sich Frauen oftmals, wenn sie ingame beleidigende, chauvinistische Äußerungen einstecken müssen.

Ebenso sagen Frauen „Ihr Männer achtet ja eh nur auf den Körper, weshalb wir gezwungen sind, als Cosplayerinnen Gewicht X zu haben“. Bei dieser Aussage bestätigt ihr, dass eure Fans alle fake sind. Sie akzeptieren euch nicht, wie ihr seid und akzeptieren euch nicht als Künstler, sondern lediglich als Objekt mit geiler Figur.

Wenn ihr wirkliche Künstler wärt, würdet ihr auf dumme, sexistische Kommentare gar nicht eingehen. Wie oft werden wir beleidigt und lachen darüber? Warum könnt ihr nicht über dieser Sexismusdebatte stehen?

Ich bin mir nicht sicher, ob sich jemand dieser Cosplayerinnen mal ein wenig schlau gemacht hat, was Cosplay eigentlich bedeutet? Schaut man auf Wikipedia steht dort Zitat:

In Japan kann der Begriff „Cosplay“ auch als Synonym für erotische Rollenspiele oder für Bordelle, die erotische Rollenspiele anbieten, gebraucht werden. Etwa seit dem Jahr 2000 entstehen in Japan zunehmend Cosplayrestaurants. In Etablissements für männliche Kunden (Maid Café) sind die Kellnerinnen als Dienstmädchen, Krankenschwestern o. ä. verkleidet. In Etablissements für ein weibliches Zielpublikum (Butler Café oder auch Host Club) tragen die Kellner Butlerkostüme.

Wenn ich dann sowas lese wie „Wir Cosplayerinnen sind keine Schlampen, fragt uns bitte nicht weiter, ob wir auch Nacktbilder versenden“ könnt ihr euch ja mal selber fragen, wie man auf so eine Idee kommen könnte?

 

Kein genereller Groll gegen die Szene

Trotz alledem möchte ich natürlich hier nicht grundsätzlich gegen die gesamte Cosplay-Szene auflehnen. Ich verstehe, dass man als „normale“ Cosplayerin mad ist, wenn man eine fromme Erziehung genossen hat und mit seinen Prinzipien scheinbar nicht so erfolgreich werden kann, wie die, die eher einen freizügigeren Lebensstil bevorzugen.

So haben aber auch Männer das Recht (ich zähle mich jetzt nicht mal unbedingt dazu), sich aufzuregen, wenn sie geniale YouTube-Videos machen, schöne und unterhaltsame Streams veranstalten, aber von talentlosen Weibern auf Twitch in Sachen Viewern und Followern übertroffen werden. Und so haben aber auch normale weibliche Steamerinnen das Recht abzurechnen, wenn sie vom gleichen Geschlecht übertrumpft werden, obwohl die Qualität sich um Welten unterscheidet.

Ich habe einen Guide geschrieben, der in Zusammenarbeit mit Apfelkuchenkuh, RinCosplay und KaddiCosplay geschrieben, der für komplette Neulinge, den Weg ins Cosplay erleichtern soll. Auch wie man damit Geld verdient, wird dort ausgiebig behandelt. Ich betrachte dieses Thema völlig neutral und kann beide Seiten verstehen.

Klar, kann man zeigen, was man hat, aber dann darf man sich auch nicht wundern, dass man dadurch komische Nachrichten bekommt. Und nur weil man sich nicht freizügig präsentiert, heißt es auch nicht, dass man damit zwangsläufig keinen Erfolg haben kann. Ich denke jedoch, dass man als freizügige Cosplayerin auf jeden Fall mehr Reichweite erlangen kann, als wenn man sich eben nicht so präsentiert.

 

Gleichzeitig, während ich diesen Text verfasse, muss ich jedoch auch etwas einlenken. Ich möchte niemanden davon abhalten, selbst mit dem Cosplay anzufangen. Für viele ist es auch in gewisser Weise eine Welt, in die man sich verirren kann, wenn es im Leben vielleicht mal nicht rund läuft und ich kann auch verstehen, dass man als Frau auch gerne Bestätigung sucht und in eine Rolle schlüpfen möchte, die man schöner findet als sich selbst.

Cosplaying ist was schönes und wenn ich auf einem Gaming-Event bin, muss für die Atmosphäre neben geiler neuer Hardware, vielen Idolen, eben auch die neusten Charaktere der Videospielindustrie mit Haut und Haaren vertreten sein. Wir leben in einer freien Welt und Gott sei Dank, darf man sich kleiden wie man möchte und natürlich darf man dann auch sagen, ob man etwas gut oder schlecht findet.

Wir alle möchten mit unserem Hobby Geld oder Anerkennung verdienen, weshalb ich es, wie ich oben angesprochen habe, auch verstehen kann, dass man sich eben durch Patreon Only Content etwas das Taschengeld aufpolieren möchte. Aber vergesst bitte auch nicht, dass ihr als Frau nicht euch selbst und die neuen Cosplayerinnen in ein schlechtes Licht rückt.

2 Kommentare

    • Ich betreibe selbst kein Cosplay. Ich habe lediglich Informationen in den Text verarbeitet, die mir in letzter Zeit aufgefallen sind. Das sind nicht nur Worte von mir, sondern auch ein Teil der eigenen Szene hasst diese Patreon-Only-Politik. Es geht außerdem auch darum, dass man (wie man an anderen Cosplayerinnen sieht) auch ohne sich auszuziehen erfolgreich sein kann und das ohne Patreon.

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